Die Wormſer beſetzen ſelbſt ihre Aemter ſeit 1493. Auszug der Geiſtlichkeit 1499. 25
darüber die ſtadt Worms mit der pfaffheit in einen neuen hatz gerathen“.(Erweit. Zorn'ſche Chron., Arnolds Ausg. S. 200.)
Aber bald gelingt es dem Biſchof, dem König Maximilian nachzuweiſen, daß die Declaration Friedrichs III. vom J. 1489 und Maximilians Confirmation derſelben vom J. 1494 gegen das durch rechtlich gültige Verträge begründete Herkommen von mehreren Jahrhunderten verſtießen, und des Königs Räthe erließen ſchon am 23. December 1494 zu Antwerpen ein Urtheil, durch welches erkannt wurde, daß die Erlaſſe Friedrichs und Maximilians und das auf dieſelben ſich ſtützende Vorgehen der Stadt Worms die beſtehenden Rechte des Biſchofs verletzten. Gleichwohl gibt Maximilian die Rechte der Stadt nicht auf: dieſelbe ſoll Reichsſtadt bleiben, und nachdem des Biſchofs Recht an⸗ erkannt worden iſt, ſollen weitere Verhandlungen zwiſchen Bisthum und Stadt zu einem billigen Vergleiche führen. Aber während Maximilian 1495 in Worms war,„hat der rath abermals der ſtadt ämter erſetzt, die hofglock läuten und auf dem neuhaus oder münz mit folgenden worten laſſen ausrufen: lieben freund, nach alten löblichen freiheiten, dieſer ſtadt Worms von römiſchen königen und kaiſern gegeben, und auf kaiſerliche declaration und königliche confirmation ſind der ſtadt amt geordnet und geſetzt, zu bürgermeiſtern: Hamman Rebſtock genannt Lißpergk von den Neunern und M. Reinhard Noltz von der gemein“.—„Denn dieſer kaiſer Maximilian iſt der ſtadt ſehr gnädig geweſen und hat ſie faſt lieb gehabt“.(Flersheim). Als nun der Biſchof gegen das Ver⸗ fahren der Stadt dem König Vorſtellung machte, beſtimmte derſelbe, daß, bevor im Reichstag darüber entſchieden,„Bürgermeiſter, Rath und Gericht bleiben, wie die jetzo ſitzen“.*) Aber auch im October 1496, 1497 und 1498 ernannte der Rath wiederum die Beamten der Stadt. Als nun der Reichstag zu Freiburg am 5. Sept. 1498 beſchloſſen, daß der Biſchof, bis die Sache geſchlichtet ſei, im Namen des Kaiſers die Aemter der Stadt beſetzen ſolle, und Maximilian von der Stadt forderte, daß ſie dieſem Beſchluſſe ſich fügen ſolle, blieb ſie doch hartnäckig bei der Neuerung der letzten Jahre und beſetzte bis zum Jahre 1500 die Aemter der Stadt, wie ſie auch ſeit 1494 die Verträge über die Steuerfreiheit der Geiſtlich⸗ keit nicht beachtete.„Als ſich nun dieſer gebrauch zu weit wollt einreißen wider der Geſſttlichkeit willen, damit ſie ohn minder gefahr dem möchten zuvorkommen und ſich außerhalb der ſtadt deſto muthiger wehren und wider die ſtadt handeln, entſchließen ſie aus der ſtadt zu ziehen, ſchreiben derowegen auf Udalrici anno 1499 an biſchof Johann, verſtändigen ihn des fürnehmens durch die, welche von allen ſtiften dazu ernannt worden“.—„Als aber der rath ſolches der pfaffen fürnehmen gewahr worden, bittet ſie ernſtlich ein rath, ſie wöllen ſolchen unluſt und unwillen einem ehrbaren rath und gemeiner ſtadt nit erzeigen, oder urſachen anzeigen, was ſie zu ſolchem auszug bewegen möchte. aber die pfaffheit hat ſich hieran nichts gekehrt, ſondern iſt auf ihrem fürnehmen beharret, und als ſie vom biſchof eodem anno aus Ueberlingen beantwortet, daß ihm die ſach gefiel, ziehen ſie 1499 montag den 9. ſeptember aus Worms, etliche wenig traurig, das mehrer theil aber mit aufwerfen ihrer arm und unprieſterlichem ungewohnlichem jauchzen und ſchreien, mit ſchimpflichen ſaitenſpielen und andern unordentlichen anzeigungen, und alſo die bürgerſchaft göttlicher dienſt und ämter beraubt und entzogen. ſie haben auch alle heiligthum, kleinod, kirchgezierd, kelch, monſtranzen und ander beweglich hab, zu denſelben kirchen gehörig, heimlich aus der ſtadt hinweg geführt, item die gemalte tafel von den wänden abgerißen, die ſchwengel und ſträng von den glocken abgenommen, der ſtadt zu ſpott und ſchaden“.(Flersheim, Arnolds Ausg. der Zorn ſchen Chronik, S. 200. 204.)
Da die Stadt in dieſer Weiſe in ihren Neuerungen beharrte und auch im Jahr 1500 die
*) Schannat hist. episc. Worm. tom. II. p. 278.


