Friedrichs III. Mahnung an die Stadt, auf den Kaiſer, ihren rechten Herrn, zu warten, 1487. 23
Wormſer zur Ausdauer gegen die Vergewaltigung des Bisthums aufgefordert zu haben.„Hat in gemeldtem jahr den 23. Octobris kaiſer Friedrich aus Nürnberg denen von Worms ernſtlich befohlen, dem biſchof und pfaffheit auf vermeint unförmlich verträg weiter keinerlei gelübd, eid noch gehorſam zu thun, ſondern auf den kaiſer ihren rechten herrn warten und ihr aufſehen haben.“(Flersheim.) Und Friedrich ließ nicht mehr lange auf ſich warten. Das Oſterfeſt des Jahres 1488 verbrachte er in Worms und ſah mit eignen Augen, wie die Stadt vom Biſchof und vom Pfalzgrafen vergewaltigt worden war.„In dieſem jahr hat kaiſer Friedrich III. den 24. tag decemb. zu Innsbruck denen von Worms ein ſtattlich privilegium der verfallenen häuſer und bau an die ſtadtmauer, auch andrer ſachen halben geben.“(Flersheim.) Darnach durfte der Magiſtrat verfallene Häuſer der Stadt, die binnen Jahresfriſt nicht aufgebaut wurden, an den Fiscus ziehen; niemand durfte auf Stadtmauer, Gräben oder Zwinger bauen oder Aus⸗ gänge darin anlegen; niemand durfte um bürgerlicher Sachen willen einen Bewohner der Stadt vor ein geiſtliches Gericht ziehen; der Biſchof durfte Bürger, die in die Stadt aufgenommen waren, nicht mit Aemtern oder Dienſtbarkeiten beſchweren; die Stadt durfte richten über Todt ſchiag, Frevel und Friedensbruch und den Verbrecher auf drei Meilen umher verfolgen. Bei ſeinen Angriffen auf die Bürgerſchaft wurde nun aber der Biſchof unterſtützt von den in der Bürger⸗ ſchaft allezeit Parteiungen anzettelnden Inhabern der Münze, den ſog. Hausgenoſſen, die biſchöf⸗ liche Vaſallen und von dem Rathe nicht abhängig waren.„Anno 1489*) hat der rath zu Worms von kaiſerlicher majeſtät eine bewilligung erlangt wieder die, ſo man die hausgenoſſen oder münz⸗ junkern(welche dem biſchof verpflicht) nennet, damit ihnen an ihren privilegien, ſo ſie von kaiſer Friedrichen und andern gehabt, abbruch gethan.**) als ſie ſich aber auf ihre alte freiheiten berufen und an kaiſ. maj. appelliert, haben die von Worms die hausgenoſſen mit weib und kind zur ſtadt hinausgejagt, welche auf Michaelis gen Neuhauſen kommen, da ſie denn aufgenommen und faſt ½ jahr verharret ſind. mittlerweil als der kaiſer anderſt berichtet worden, hat er den von Worms befohlen, ſie wieder bis zu austrag der ſach, die er graf Eberhard von Wirtemberg befohlen, einzunehmen. darauf ſie denn von keaiſerlicher majeſtät zu beiden theilen in der güt vertragen, aber hernach anno 1491 um Michaelistag hat der rath zu Worms alle freiheit, privilegia, rechte, gerechtigkeit der Hausgenoſſen ſamt der alten münz von ihnen um 300 fl. er⸗ kauft. iſt alſo der ſpan, ſo zwiſchen dem rath und hausgenoſſen ſich bishero über die 200 jahr erhalten, gänzlich aufgehoben worden.“(Erweiterte Zorn'ſche Chron., Arnolds Ausg. S. 196, 197.) Dieſem Vergleich ging ein kaiſerlicher Erlaß vom 28. Juni 1491 voraus:„Damit die Stadt Worms, ſo eine alte würdige Stadt und allezeit an dem Reiche geweſen und dem getreulich und nützlich gedient hat,— bei uns und dem heiligen Reich bleiben und deſto ſtattlicher gedeihen möge, ordnen wir, daß Bürgermeiſter und Rath in der Geſellſchaft der Münzer Ordnungen und Satzung zu machen Gewalt haben, auch fürohin Münzer und Hausgenoſſen in ihre Geſellſchaft ohne Bürger⸗ meiſter und Raths willen Niemand aufnehmen und ſich zu Aemtern der Stadt, wenn ſie von Bürgermeiſter und Rath dazu aufgefordert werden, gebrauchen laſſen.“(Arnold, Verf.⸗Geſch. 2. 468.)„Ihre geſellſchaft wurde abgethan, darauf ſie, gleich andern leuten, haben zünftig müßen werden.“(Flersheim.)
*) Nach dem Datum der Ausfertigung der kaiſerlichen Verordnung ſchon am 11. Dez. 1488; vgl. Arnold, 2. 467.
**) Kaiſer Friedrich III. deeretirte, weil die Münzer und Hausgenoſſen ſich der Obrigkeit der Stadt entzögen, was der Kaiſer, dem die Stadt ohne Mittel unterworfen und zugehörig ſei, nicht dulde, ſo ſolle die Stadt die Münzer im Gehorſam halten, wie er, was dawider ſei, aufhebe.


