Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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22 Der vom Biſchof Johann von Dalberg der Stadt Worms aufgenöthigte Huldigungseid 1483.

nur der Rath dem Biſchof den Eid leiſtete, während die Bürgerſchaft dem Rathe und dem Kaiſer ſchwur. Die Chronik ſtellt drei Formen des Eides zuſammen: 1. die altherkömmliche, 2. die von Joh. von Dalberg geforderte, 3. die endlich durch die genannten Vermittler zwiſchen dem Biſchof und der Stadt, in der Noth und Verlaſſenheit derſelben, vereinbarte Huldigungsform.Forma des eids, welcher bräuchlich von alters her geweſen dem biſchof zu ſchwören: Wir burgermeiſter und rath in unſer freien ſtadt Worms ſchwören dem ehrwürdigen in Gott vater, herren N. unſerm biſchof zu Worms, der hie zugegen ſteht, alſo hold und getreu ſein, als von recht eine frei ſtadt, die von dem reich gefreiet und gefürſtet iſt, ſein ſoll, und ſeine ſchaden zu warnen, ohn alle arge liſt und gefährd, ſo uns Gott helfe und alle heiligen. Forma des eids nach biſchof Dalburgers meinung: Was wir burgermeiſter und rath der ſtadt Worms, von der ganzen gemein wegen, dem ehrwürdigen in Gott vater, herren Johanſen unſerm lieben Herren und biſchof zu Worms, hiezugegen ſtehend, und dem ſtift getreu ſein und ſie vor ihrem ſchaden warnen und all ihr recht und freiheit handhaben und ſchirmen wöllen, ohn alle arge liſt, als ſchwören wir, als uns Gott helfe und die heiligen. Dieſer biſchof hat auch wöllen haben, daß ihm die gemein auch ſchwören ſollt, dieweil es aber nit alſo herkommen war, wollt es der rath zuvor nit ändern, ſo wollt es auch die gemein nit thun. In dem rathseid wollt er auch nit zulaſſen das Wort unſer freien ſtadt Worms. Denn er wollt nit, daß der rath gegen ihn ſagteunſer ſtadt oder freiſtadt, ſonſt gönnt er dem rath wohl, alſo zu ſagen und zu ſchreiben an allen enden, auch gegen ihn, ausgenommen im eid. Er wollt auch nit, daß Worms eine freiſtadt wär gegen ihm, doch ließ er nach, daß es eine gefreite ſtadt wäre, aber nit ganz frei. Stellt derowegen eine neue formam juramenti: Wir burgermeiſter und rath der ſtadt zu Worms geloben und ſchwören dem ehrwürdigen in Gott vater, unſerm Herren, Herren Johanſen, dem biſchof zu Worms, hiezugegen ſtehend, getreu und hold zu ſein und ihn vor ſeinem ſchaden zu warnen, ohn alle ge⸗ fährd und arge liſt. Diß nüßlein muſt der rath beißen, denn der biſchof auf ſeiner ſeiten den pfalzgrafen, den biſchof von Mainz, den markgrafen von Baden, alle gelehrte treffliche ritterſchaft im land; Worms aber niemands, denn der ſtädt Baſel, Straßburg, Speier und Frankfurt freund hatte, welche auch aus furcht der katzen die ſchell nit wollten anhängen.(Flersheim, Arnolds Ausg. d. Wormſ. Chron. S. 192193.) In dem vereinbarten Huldigungseide hatte zwar der Rath nicht im Namen der Bürgerſchaft, auch nicht dem Stifte geſchworen, allein der Biſchof hatte darin den NamenHerrn erhalten und die Stadt die Bezeichnung:eine frei ſtadt, die von dem reiche gefreiet und gefürſtet iſt, verloren. Unter dieſen Umſtänden konnte im Nov. 1483 Biſchof Johann von Dalberg vor ſeinem Einritt in die Stadt, auf dem freien Felde vor Worms, als der Rath die Farben des Biſchofs, gelbe, ſchwarze und graue Striche im rothen Kleide, führte, recht wohl die materiellen Rechte der Stadt beſtätigen; denn ſie waren nun nahezu ſeinen eigenen; die Stadt aber ſtellte ſich am 9. Dez. 1483 gegen Zahlung einer jährlichen Summe in den Schirm der Pfalz. Hatte ſie nur die Wahl, die Beherrſcher zu wechſeln? Am 10. Nov. 1483 war Luther geboren!

Johann von Dalberg und Pfalzgkaf Philipp hatten durch den bewaffneten Angriff auf die Stadt, wie durch den der verlaſſenen Stadt abgerungenen Huldigungseid auch die Rechte des Kaiſers verkürzt, und Friedrich III. beſaß die erforderliche Zähigkeit, um die Frei⸗ und Reichsſtadt Worms nicht wie die Stadt Mainz dem Reiche rauben und zu einer Land⸗ oder Biſchofsſtadt, ſei es durch den Biſchof, ſei es durch den Pfalzgrafen, machen zu laſſen. Nur konnte der Kaiſer, der im Reich aller Orten den nach völliger Selbſtändigkeit ſtrebenden Territorialherrn in ſeiner Weiſe Widerſtand leiſten mußte, nicht ſogleich Abhülfe ſchaffen. Aber im Jahre 1487 ſcheint er die