Aufsatz 
Der Anschluss Hessen-Cassels an Preussen im Siebenjährigen Kriege / Theodor Hartwig
Entstehung
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Eine Feier wie die heutige legt es uns nahe, unsere Blicke rückwärts zu wenden zu der Geschichte des Staates, welcher seit Jahrhunderten von dem ruhmreichen Hause der Hohen- zollern beherrscht wird, und in dankbarer Erinnerung der Ver- dienste zu gedenken, welche sich dieses Geschlecht um die langsam aber unaufhaltsam fortschreitende Wiedergeburt unseres deutschen Vaterlandes erworben hat. Doch kaum minderen Anlasz haben auch wir Hessen, die wir erst seit achtzehn Monden Bürger des preuszischen Staates sind, auf die Geschichte unseres Stammes zurückzublicken und der Beziehungen uns zu erinnern, welche von Alters her unser Land mit dem preuszi- schen Staate verknüpft haben. Soweit wir dieselben nun zu verfolgen im Stande sind, tritt fast durchweg bis auf die Mitte unseres Jahrhunderts ihr freundlicher Charakter zu Tage. Ja es läszt sich sagen, weitaus in den meisten kritischen Epochen, welche Preuszen unter der Herrschaft der Hohen- zollern zu überwinden hatte, standen Fürst und Volk Hessens mit ihren Wünschen auf preuszischer Seite und haben nicht selten von ihrer Gesinnung durch die That Zeugnisz abgelegt. Die politische Stellung, welche beide Länder zu einander in früheren Zeiten einnahmen, charakterisiert sich schon allein durch den Erbverbrüderungsvertrag, welcher von den Fürsten Hessens und Sachsens 1457 mit Churbrandenburg abgeschlossen, in den Zeiten der Reformation wiederholt erneuert wurde. Doch auch später liesz man die alte Freundschaft nicht so bald erkalten. Seit dem Jahre 1688 bestand zw'schen Brandenburg und IIessen ein von Regierung zu Regicrung bestätigter Tractat,