Aufsatz 
Zur Erinnerung an Lazarus Geiger / von Hermann Baerwald
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Der ſeit Januar 1869 an unſerer Schule beſchäftigte Elementarlehrer Herr Julius Großmann verließ Ende März v. J. unſere Anſtalt, um nach America auszuwandern.

Mitt dem Beginne des Schuljahres trat der Candidat des höheren Schulamts, Herr Guſtav Wert⸗ heim ſein Probejahr an; er wird auch ferner als Lehrer an unſerer Schule verbleiben.

Herr B. Heymann, welcher ſeit October 1869 an unſerer Schule beſchäftigt iſt, gewann mit dem April v. J. eine ausgedehnte Lehrthätigkeit in unſerer Vorſchule, die ſich im October bis zur vollen Stundenzahl ſteigerte. Endlich wurde noch mit dem Beginne des Winterſemeſters der Lehrerin, Fräulein Joſephine Maier, einer ehemaligen Schülerin unſerer Schule, der fünfſtündige Rechenunterricht in der achten Mädchenklaſſe übertragen.

Herrn Dr. Epſtein, welcher im März 1869 als außerordentlicher Lehrer an unſere Schule be⸗ rufen worden iſt, wurde durch Gemeindebeſchluß der Charakter eines ordentlichen Lehrers ertheilt. Hier ſeine Autobiographie:

Theobald Epſteiu wurde am 22. Auguſt 1836 in dem ſchleſiſchen Städtchen Herrnſtadt ge⸗ boren und beſuchte Anfangs dort, ſodann in Canth bei Breslau, wo er nach dem frühen Tode ſeiner Mutter im Hauſe eines Onkels lebte, die Elementarſchule. Im October 1847 wurde er nach Breslau in's Gymnaſium zu St. Eliſabet gebracht, abſolvirte bis Oſtern 1855 alle Klaſſen dieſer Anſtalt und bezog darauf mit dem Zeugniß der Reife die Breslauer Univerſität, um Medizin zu ſtudiren. Bald je⸗ doch vertauſchte er die mediziniſche Fakultät mit der philoſophiſchen und widmete ſich hauptſächlich mathe⸗ matiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Studien, in der Abſicht, ſpäter den Lehrerberuf zu ergreifen. Auf Grund ſeiner botaniſch⸗chemiſchen Diſſertationde nova conjunctione cellulose cum cupro oxydato wurde er Oſtern 1860 in Breslau zum Dr. phil. promovirt und übernahm, da eine öffentliche Wirk⸗ ſamkeit ſich ihm damals nicht bot, eine Hauslehrerſtelle in Frankfurt a. O. Von da ſiedelte er 1863 nach Berlin über, legte dort vor der wiſſenſchaftlichen Prüfungscommiſſion das Examen pro facultate do- cendi ab und wurde ſeit dem Sommer deſſelben Jahres an der Knabenſchule der jüdiſchen Gemeinde in Berlin als probandus beſchäftigt. Mit dem Jahre 1865 als ordentlicher Lehrer feſt angeſtellt, unterrichtete er an dieſer Schule bis Oſtern 1869. Seit dieſer Zeit iſt er an unſerer Anſtalt mit voller Stunden⸗ zahl thätig und unterrichtet hauptſächlich an der Knabenſchule.

Durch den Druck hat er veröffentlicht: Don Giovanni von Mozart. Eine Studie zur Oper auf Grundlage des da Ponte'ſchen Textes, nebſt einer verbeſſerten Ueberſetzung des Letzteren. Frankfurt a. M. 1870. C. A. André X, 137.

Das Lehrer⸗Collegium beſteht gegenwärtig außer dem Director(nach der Anciennität) aus den Herren Sabel, Dr. Zirndorfer, Tréfouſſe, Blumenthal, Tendlau, Dr. Auerbach, Allen⸗ berger, Dr. Lehmann, Teblée, Müller, Schönhof, Blum, Schlimbach, Dr. Loewe, Dr. Neubürger, Dr. Roeder, Kunkel, Stix, Dr. Trieber, Dr. Epſtein, Eugèͤne Pe⸗ ſchier, S. Ravenſtein, Heymann, Wertheim und den Damen: Wolter, Rupp, Beer, Stiebel, Stern, Schierholz, Maier.

Der durch Geiger's Tod vacant gewordene Unterricht wird erſt mit dem Beginne des nächſten Schul⸗ jahres durch den Eintritt einer erſt jetzt gewonnenen jungen Lehrkraft definitiv beſetzt werden. Unmittel⸗ bar nach ſeinem Tode übernahm Herr Dr. Trieber den dreiſtündigen hebräiſchen Unterricht in der IV. Klaſſe, Herr Dr. Auerbach, durch Combination mit II, 2, den hebräiſchen Unterricht in II, 1. Herr Dr. Löwe den fünfſtündigen deutſchen Unterricht in der II. Klaſſe Abth. 1.(vom Auguſt bis October in Com⸗ bination mit II, 2), Herr Dr. Zirndorfer(bis October) den einſtündigen Unterricht in mathematiſcher Geographie in der I. Mädchenklaſſe und der Unterzeichnete den vierſtündigen deutſchen Unterricht in der I. Klaſſe der Realſchule, ſowie ſeit October den einſtündigen geographiſchen Unterricht in der I. Mädchen⸗ klaſſe.

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