Aufsatz 
Zur Erinnerung an Lazarus Geiger / von Hermann Baerwald
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Schulnachrichten.

4A. Chronik.

Montag den 25. April wurde das neue Schuljahr eröffnet. Der Schulrath hatte beſchloſſen, während deſſelben längſt zum Bedürfniſſe gewordene bauliche Veränderungen im Schulhauſe zur Ausfüh⸗ rung zu bringen. Als Lehrer und Schüler ſich mit dem Beginne der Sommerferien am 30. Juni im tiefſten Frieden trennten, wurde der Bau unverzüglich mit aller Macht in Angriff genommen. Da erſcholl der Aufruf zur Vertheidigung des Vaterlandes, alle waffenfähige Mannſchaft eilte an die bedrohte, uns ſo nahe Grenze die Bauſtätte war verödet. Nur mit Mühe gelang es, den Bau ſo weit zu fördern, daß unter Benutzung der Turnhalle und des Phyſikſaales zu Klaſſenzimmern, ſowie durch Combination der beiden Abtheilungen der zweiten Knabenklaſſe, 14 Tage nach dem geſetzlichen Schluß der Sommer⸗ ferien der Unterricht wieder begonnen werden konnte.

Unter dem erhebenden Eindruck der erſten großen deutſchen Siege nahmen wir am 15. Auguſt unſere Schulthätigkeit wieder auf. Aus eigenem Antriebe hatten ſchon während der Ferien viele unſerer erwachſenen Schüler ſich dem Comité zur Verpflegung der durchziehenden Truppen zur Verfügung geſtellt. Jetzt wurden ſie in den Geſchichtsſtunden auf die Bedeutung der großen Ereigniſſe der Gegenwart hingewieſen, die Mädchen wurden in den Handarbeitsſtunden mit der Anfertigung von Lazarethbedürfniſſen beſchäftigt, Sammelbüchſen, am Eingange des Schulhauſes befeſtigt, mahnten Schüler und Schülerinnen zur Selbſt⸗ beſchränkung zu Gunſten der Verwundeten, endlich haben wir auch der Aufforderung, unſere Schüler und Schülerinnen zum Beſten unſerer auf dem Schlachtfelde nothleidenden Brüder bei einem Kinderconzerte mit⸗ wirken zu laſſen ſo erheblich auch unſere pädagogiſchen Bedenken dagegen waren uns nicht ent⸗ zogen. Geſchah ſo Alles, was geeignet war, die reichen Anregungen der Gegenwart zur richtigen Erkennt⸗ niß der großen geſchichtlichen Ereigniſſe und zur Hebung der vaterländiſchen Geſinnung in unſerer Jugend zu verwerthen, ſo hatte es ſich das Lehrer⸗Collegium zur Pflicht gemacht, hierbei das Maaß nie zu über⸗ ſchreiten und die nächſten Aufgaben der Schule und des Unterrichts in dieſen ereignißreichen Zeiten nur um ſo feſter im Auge zu behalten.

Ohnedies wurden wir nur zu bald und unerwartet durch ein erſchütterndes Ereigniß zur Samm⸗ lung für unſere beſonderen Aufgaben hingedrängt. Am 29. Auguſt ſtarb unſer College Lazarus Geiger. Was er gewirkt und geweſen, iſt in den den Schulnachrichten vorangeſchickten Blättern darzuthun verſucht worden. Seine Beerdigung fand am 1. September ſtatt. Sie gab ein Zeugniß davon, daß die Bedeutung dieſes ſeltenen Mannes hier doch in viel weiteren Kreiſen gewürdigt, oder doch geahnt worden iſt, als man bei der beſcheidenen Zurückgezogenheit, in der er lebte und bei dem Character ſeiner ſchriftſtelleriſchen Thätig⸗ keit hätte vermuthen dürfen. Die Schule war dabei durch die Schüler der oberen Klaſſen, das Lehrer⸗ Collegium und den Schulrath vertreten. Am Grabe ſprach der hochbetagte Vater des Verewigten ergreifende Worte, ſodann widmete der Unterzeichnete dem verehrten Collegen einen Nachruf. Noch im Monate Sep⸗ tember traten Freunde und Verehrer des Verſtorbenen, darunter die namhafteſten Gelehrten unſerer Stadt

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