Aufsatz 
Zur Erinnerung an Lazarus Geiger / von Hermann Baerwald
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die Abſtufung und ihre Folgen nicht, die einen traurigen Lehrling, einen launigen Commis und endlich einen abgeſtumpften, für das Schöne wie abgeſtorbenen Kaufherrn macht. Syſtematiſch und folgerecht wird Kunſt⸗ wie Menſchenliebe dem jungen Handlungsbefliſſenen von ſeinen Vorgeſetzten ausgetrieben und es liegt nicht an ihnen ſelbſt, wenn man den Kaufleuten, größtentheils mit Recht, Hartherzigkeit, Geldliebe vorwirft. Und denkſt Du wirklich, daß ich, wenn ich dieſe Stadien durchlaufen, noch Gedanken und Liebe für Wiſſenſchaft übrig haben ſollte, und iſt es Dein Ernſt, wenn Du der tiefen, würdigen Erforſchung des menſchlichen Geiſtes und ſeines Abglanzes, eine leere Jagdliebe zur Seite ſtellſt? Iſt Forſtwiſſenſchaft etwas anders als eine der Allgemeinheit zugewandte Landwirthſchaft? Und was iſt es, warum Du Dein Auge zudrückſt und blos Licht genug einläſſeſt für die glänzenden Truggeſtalten, die verſchwinden würden, wie Du den Blick der Wahrheit öffneteſt? Du ſiehſt mich im Glanz und Reichthum meine Pflichten als Menſch, Bürger, Familienglied erfüllen. Meine Commis ſagen mir zwar jetzt, daß es mir ſehr ſchwer fallen würde, in Frankfurt ein Sortimentsgeſchäft zu errichten, wo es ſchon 21 Buch⸗ händler gibt, aber ich will es gar nicht verſuchen, Dir irgend Nachtheile und Schattenſeiten des Buch⸗ handels vorzuhalten, denn es fragt ſich nicht, warum ich nicht Buchhändler, ſondern warum ich nicht Philolog werde. Ich ſolle mich prüfen, ob ich Buchhändler werden könne, ſagſt Du? Wenn ich mich genau prüfe, ſo kann ich auch Korbflechter werden, aber Du begreifſt, was ich vorziehe. Als Gegenſtück führſt Du mir mit vieler Wahrheit das Bild des Elendes eines ſchändlich und ohne Schuld vom Staate verlaſſenen Dorfſchulmeiſters vor. Du willſt alſo durchaus mich zu überzeugen ſuchen, daß ich als Kauf⸗ mann nichts als Glück, als Gelehrter nichts als Unglück vor mir liegen habe. Aber ein Kaufmann kann durch eines betrügeriſchen Handelsfreundes Schuld um ſein Vermögen gebracht werden, durch irgend einen Umſtand(etwa die Confeſſion, zu der er ſich bekennt), die Gunſt des Publikums verlieren oder nicht ge⸗ winnen, und es iſt um ihn geſchehen. Von ſolchen Zufällen und Aeußerlichkeiten iſt der Gelehrte ver⸗ ſchont und er braucht auf nichts zu bauen als auf ſein Talent. Ich will Dir auch keineswegs verſchweigen, was mir ein befreundeter Buchhändler auf meine Fragen verfloſſenen Donnerſtag antwortete: Du wirſt Privatdozent werden und wirſt es lange bleiben müſſen, wenn Du Dich nicht auszeichneſt(und wenn ich mir ſchmeichle, dies ja zu thun?), daß ſie Dich aus der Mitte der andern hervorziehen und Dir einen Lehrſtuhl anweiſen. Bis dahin wird der Kreis Deiner Zuhörer klein ſein und Du wirſt von dem, was Dir Deine Vorleſungen einbringen, leben, und davon( trootz der Aufregung, die hier der Kampf des innern mit dem äußern Geſchick in mir hervorbrachte, konnte ich mich doch kaum eines Lächelns über den Stolz enthalten, mit dem er fortfuhr:) was ihm die Buchhändler für etwaige Geiſtesprodukte zu⸗ fließen laſſen. Aber alles, was er mir ſagte, trifft eben ſo gut jeden Andern, wie mich, und es iſt nicht geſagt, daß ich nicht, wenn ich durch anhaltenden Fleiß, an dem es gewiß nicht fehlen wird, mein Talent benutze, eine Profeſſorenſtelle erlangen kann. Nun fragt es ſich nur noch, ob die Mittel um dies zu erreichen wirklich ſo groß ſind, wie Du ſagſt. Ob das ſo ſei, will ich mich erkundigen, ehe ich dem Vater davon etwas ſage, nicht aus Mangel an Vertrauen, ſondern weil ich vor der Ueberlegung überhaupt nicht handeln will. Ich will deshalb keinen Vermittler, ſondern blos einen Rathgeber, und ich glaube, daß mir darin beſſer der Herr Dr. Eberz als der liebe Onkel A. rathen kann; erſtens iſt er näher hier und ich brauche nicht erſt 14 Tage auf Antwort zu warten und zweitens wird ja wohl jener am beſten wiſſen, was für Grund er hatte, mir das Studium voriges Jahr ſo anzuempfehlen. Lies alſo gef. den einliegenden Brief, und wenn Du meine Maßregeln billigſt, ſo ſchicke ihn ſo ſchnell als möglich an ſeine Adreſſe. Die Antwort des Herrn Dr. kannſt Du denn auch, um Zeit zu ſparen, gleich erbrechen, mir ſie aber dann mit dem, was Du davon hältſt, unverzüglich zuſchicken. Billigſt Du aber das Ganze, oder einen Theil des Briefes nicht, ſo ſchreibe mir Deine Meinung, wenn ich bitten darf, ja ſogleich; denn, wie ich vergeſſen habe Dir zu ſagen, hat H. v. Z. ohne daß ich ihn darum gebeten hätte, mir Friſt gegeben, bis er aus der Cur(er war 3 Wochen krank) zurückkömmt, was etwa 4 Wochen