41
III. Chronik des Gymnasiums.
Das abgelaufene Schuljahr brachte, wie das Vorjahr, eine beträchtliche Anzahl von Veränderungen im Lehrerkollegium. Am 18. Juli 1901 entschlief, herzlich betrauert von seinen Amtsgenossen, plötzlich und unerwartet Herr Dr. Heinrich Schäfer, an demselben Tage, wo er seine Ernennung zum Professor erhielt; er hat der Anstalt seit Michaelis 1880 angehört. Herr Oberlehrer Dr. Philipp Schäfer trat am 1. September auf seinen Antrag an das Königliche Gymnasium in Wiesbaden über, nachdem er Seit Ostern 1895 mit trefflichem Erfolge an unserer Schule gewirkt hatte. Am 31. Dezember trat Herr Professor Dr. Weidenmüller unter Verleihung des roten Adlerordens 4. Klasse in den Ruhestand; die Anstalt, der er seit Ostern 1879 angehört hat, empfindet schmerzlich den Verlust des hochverehrten Mannes. Gleichfalls scheidet Herr Professor Hohenthal mit Schluss des Jahres aus unserer Gemein- schaft, der er seit Ostern 1884 seine Arbeit gewidmet hat; wir bedauern aufrichtig, dass an- dauernde Kränklichkeit uns der Mitarbeit des hervorragenden Amtsgenossen beraubt. AIlen diesen Herren spricht der Berichterstatter noch eimmal den Dank der Anstalt für die ihr und der Jugend geleisteten treuen Dienste aus.
Es traten in das Kollegium ein: am 1. September Herr Oberlehrer Rasch, vorher am Hoffmannschen Institut in Goarshausen; am 1. November Herr Oberlehrer Ashelm, bisher am Königl. Gymnasium in Spandan; ferner zu Ostern 1902 Herr Oberlehrer Armbröster, bisher in Goarshausen, und Herr Oberlehrer Becker., bisher wissenschaftlicher Hülfslehrer an der Anstalt.
Otto Rasch, geboren am 26. November 1865 zu Vockerode im Kreise Eschwege, trat Ostern 1878 in die Quarta des Kgl. Gymnasiums zu Hersfeld ein, bestand daselbst Ostern 1885 die Reifeprüfung und studierte dann in Marburg, in München und wieder in Marburg klassische Philologie und Theologie. Nach bestandener Staatsprüfung wurde er im Oktober 1890 dem Kgl. Gymnasium in Marburg zur Ableistung des Seminarjahres und im Oktober 1891 dem Kgl. Kaiser Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt a. M. zur Ableistung des Probejahres zugewiesen. Hier blieb er nach erlangter Anstellungsfähigkeit noch 2 ½ Jahre, bis ihm im Mai 1895 eine Lehrerstelle an der berechtigten Realschule in St. Goarshausen a. Rhein über- tragen wurde. Von dort wurde er in den Staatsdienst berufen, und am 1. September 1901 trat er als Oberlehrer in das Lehrerkollegium des Kgl. Gymnasiums zu Marburg ein.
Ferdinand Ashelm wurde geboren zu Iusterburg am 17. September 1863. Seine Vorbildung erhielt er auf dem dortigen Gymnasium, das er am 20 h. September 1881 mit dem Zeugnis der Reife verlies. Nach Vollendung seiner philologischen Studien bestand er am
Juli 1886 in Berlin die Prüfung pro fac. doc. und absolvierte von Ostern 1888— 89 am kgl. Französischen Gymnasium zu Berlin das Probejahr. Alsdann war er an verschiedenen höheren Lehranstalten in Berlin, Charlottenburg und Gross-Lichterfelde als Hülfslehrer thätig, bis er im Jahre 1896 als Oberlehrer an das Kgl. Gymnasium in Spandau berufen wurde. Am 1. November 1901 wurde er an das hiesige Gymnasium versetzt.
Wilhelm Armbröster, am 11. Juli 1868 zu Cassel geboren, besuchte daselbst vom Herbste 1877 bis Ostern 1886 das Kgl. Friedrichs-Gymnasium und von Ostern bis Herbst 1886 das damals neugegründete Kgl. Wilhelms-Gymnasium. Vom Herbste 1886 bis ebendahin 1890 studierte er zu Marburg, Berlin und wieder zu Marburg klassische Philologie, Germanistik und Theologie und bestand am 22. Januar 1892 zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi. Nachdem er während des Sommerhalbjahrs 1892 an einer höheren Privatschule zu Cassel unterrichtet hatte, war er vom Herbste 1892 bis ebendahin 1893 Mitglied des Kgl. Pädagogischen Seminars zu Cassel und wührend dieser Zeit dem Kal. Wilhelms-Gymnasium daselbst zu—


