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beabſichtigte Umwandlung des Realprogymnaſiums in eine Realſchule unter der Vorausſetzung, daß dabei an dem zwiſchen dem Staate und der Stadt abgeſchloſſenen Vertrage über den aus der Staatskaſſe zu leiſtenden Zuſchuß nichts geändert werde befürwortet haben.“
Hierauf hat uns der Herr Miniſter mittelſt Erlaß
von Oſtern d. J. ab in der Sexta, und ſodann in jedem weiteren Jahre aufſteigend in den folgenden Klaſſen den Lehrplan der lateiniſchen Realſchule zur Einführung zu bringen, auch den ſtädtiſchen Behörden daſelbſt in Ausſicht zu ſtellen, daß bei Einführung des Realſchul⸗ Lehrplanes in Klaſſe III, vorausſichtlich zu Oſtern 1895, erforderlichenfalls ein fakulativer Lateinunterricht ein⸗
vom 29. v. Mts ermächtigt, an dem Realprogymnaſium gerichtet werde.
III. Chronik.
Das ebenverfloſſene Schuljahr Oſtern 1891 bis Oſtern 1892 begann am 7. April v. J. Es wurde an dieſem Tage in gewohnter Weiſe in gemeinſamer Verſammlung der Lehrer und Schüler mit Geſang, Gebet und Anſprache eröffnet. Hierauf wurden 43 neu⸗ eintretende Schüler, welche am Tage zuvor die Aufnahme⸗ Prüfung beſtanden hatten, in die Anſtalt aufgenommen. Sie wurden mit der Schulordnung in vorſchriftsmäßiger Weiſe bekannt gemacht und durch Handgelöbnis zur treuen Befolgung verpflichtet. Auch die älteren Schüler wurden hierbei an ihr zur Zeit gegebenes gleiches Ver⸗ ſprechen erinnert und insbeſondere auf das Verbot der Schülerverbindungen aufmerkſam gemacht und vor der Teilnahme an dieſen ernſtlich gewarnt.
Da eine Veränderung im Kuratorium und Lehrerperſonal nicht vorgekommen, ſo erlaubt ſich der Unterzeichnete, auf den reſp. Abſchnitt in der Geſchichte der Anſtalt(S. 33), ſowie auf den vor⸗ anſtehenden Unterrichtsverteilungsplan zu verweiſen.
Mit dem Schluſſe des Schuljahres wird uns jedoch Herr Kollege Fladung verlaſſen, um eine Lehrerſtelle an einer Realſchule in Frankfurt zu übernehmen. Für ſeine unſerer Anſtalt ſeit mehreren Jahren geleiſtete erfolgreiche Hilfe wird ihm dieſe ſtets zu Dank ver⸗ pflichtet ſein.
Die in herkömmlicher Weiſe abgehaltenen Schulfeiern am 9. März, 22. März, 15. Juni und 18. Oktober waren dem pietätvollen Andenken der beiden für immer unvergeßlichen Kaiſer Wilhelm I. und Friedrich III. gewidmet.
Auch am 2. September und 31. Oktober wurden Erinnerungsfeiern an die mit dieſen Tagen in Verbin⸗ dung ſtehenden hiſtoriſchen Ereigniſſe veranſtaltet.
Am 23. Sept. fand in der letzten Unterrichtsſtunde eine Schulfeier zum Andenken an den 100 jährigen Geburts⸗ tag des deutſchen Dichters Theodor Körner ſtatt. Der Lehrer des Deutſchen in den oberen Klaſſen, Herr Leimbach, ſchilderte, ausgehend von der glorreichen Zeit der deutſchen Freiheitskriege und den hervor⸗ ragendſten deutſchen Vaterlandsſängern, den Schülern den Sänger und Held in lebendigſter Weiſe, indem er in den Lebens⸗ und Entwickelungsgang desſelben die treffendſten Stellen aus Körners Liedern und Dramen einlegte, ſodaß ihnen dieſer als das Ideal eines deutſchen Jünglings vor die Seele geſtellt wurde: fromm und friſch, ſtark und treu, tapfer und demütig, ehrlich und gerade. Redner ſchloß mit dem Wunſche:„Möchte doch
die deutſche Jugend dem edlen Beiſpiele des Jünglings, dem deutſchen„Sängerhelden“ und„Heldenſänger“, folgen und gleich ihm mit unerſchrockenem Mute und rückhaltloſer Hingebung für die wahre Freiheit und Wohlfahrt des Vaterlandes eintreten.“— Vor und nach der Rede deklamierten die Schüler der oberen Klaſſen eine Reihe der ſchönſten Körner'ſchen Gedichte.
Der Sängerchor trug mehrere Lieder des gefeierten Dichters mit den ergreifenden, dem Inhalt wunderbar entſprechenden Molodien in exakter Weiſe vor, ſodaß die Teilnehmer von der Bedeutung des Tages ſichtlich ergriffen waren.
Eine öffentliche Schulfeier mit Gebet, Ge⸗ ſang und Deklamationen von patriotiſchen Liedern und Gedichten fand am 27. Januar c., am allerhöchſten Geburtstage Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs Wilhelm II. ſtatt. Die Feſtrede hielt Herr Hölzer⸗ kopf, in der er über die Entwickelung des deutſchen Nationalbewußtſeins durch die Hohenzollern ſprach.
Am 4. Juni v. J. fand die jährliche Turnfahrt ſtatt. Die Herren Böhmel und Schindewolf unternahmen mit der UlII und IV unter teilweiſer Be⸗ nutzung der Eiſenbahn die Tour nach Wetzlar, Kloſter Altenberg und Braunsfels.
Herr Dute führte die V. über Fronhauſen und Gleiberg nach Gießen und fuhr mit den Schülern per Bahn zurück. 9
Die VI. ging mit Herrn Haaſe nach dem Rimberg, der Wichtelhäuſern und Caldern; zurück wurde die Bahn enutzt.
d. anderen Lehrer gaben an dem Tage des Morgens Unterricht in II und Olll.
Am 5. September unternahmen die Herren Dr. Schäfer, Fladung und der Unterzeichnete mit dieſen beiden Klaſſen eine Reiſe nach Frankfurt, um dieſe Stadt und insbeſondere die elektro⸗techniſche Ausſtellung kennen zu lernen. Durch eine Verſchiebung der Reiſe in den September hoffte man die Kraftüber⸗ tragung von Lauffen am Neckar in Betrieb ſehen zu können. Die Beſichtigung der elektriſchen Ausſtellung vertagte man auf den Nachmittag und den Abend und benutzte den Morgen und Mittag um die Sehens⸗ würdigkeiten der Stadt: die Mainanlagen,(Nizza und Hafen), das Gutenberg⸗, Göthe⸗ und Schillerdenkmal, die Zeil, die Markthalle, den Dom, das ſtädtiſche Muſeum, den Römer— die beiden letzteren durch die Güte der Herren Vorſtände Dr. Cornill und Fiſcher


