Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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II. Chronik des Gymnasiums.

Der Cursus des Schuljahres 1878 79 begann am 29. April 1878. An demselben Tage wurde der durch Verf. Kgl. Prov. Schulc. vom 8. Januar 1878 als dritter ordentlicher Lehrer an das hiesige Gymnasium berufene Lehrer an der höheren Bürgerschule zu

Biedenkopf, Dr. Otto Wackermann(s. Programm von 1878 pag. 13) in sein neues Amt eingeführt.

Otto Wackermann, geboren am 5. Februar 1848 zu Quedlinburg, erhielt seine wissenschaftliche Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, welches er Michaelis 1866 mit dem Zeugniss der Reife verliess, um sich zuerst in Berlin, wo er zugleich seiner Militairpflicht genügte, dann in Halle dem Studium der classischen und deutschen Philologie sowie der Geschichte zu widmen. Bei Ausbruch des deutsch-französichen Kriegs zu den Fahnen berufen, nahm er an dem Feldzuge, während dessen er zum Seconde-Lieutenant der Res. befördert wurde, bis zum Ende des- selben Theil. Im Juni des Jahres 1871 wieder in die Heimath zurückgekehrt, nahm er seine unterbrochenen Studien wieder auf und bestand im November 1872 zu Halle das Examen pro facultate docendi. Nachdem er eine ihm unmittelbar darauf angetragene Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Delitzsch bis Ostern 1873 versehen, wurde er durch Verf. Kgl. Prov. Schulcoll. zu Cassel, welchem er sich zur Disposition gestellt, an die höhere Bürger- schule zu Biedenkopf berufen, an der er ein Jahr lang als Hülfslehrer, dann als ordentlicher Lehrer wirkte. Im October des Jahres 1874 wurde er auf Grund einer wissenschaftlichen Abhandlung:Dialogus qui de oratoribus inscribitur quo jure Tacito abjudicetur von der philosophischen Fakultät zu Rostock zum Doctor phil. promovirt. Durch die oben genannte Verfügung wurde er dann an das hiesige Gymnasium berufen.

Durch Verf. Kgl. Prov. Schulc. vom 23. April wurde der bisherige wissenschaftl. Hülfslehrer Albert Leiss(S Progr. v. 1876 pag. 16) als ordentlicher Lehrer an dem Fürstl. Waldeckischen Gymnasium in Corbach angestellt. Durch Verf. vom gleichen Tage wurde der bis dahin als cand. probandus an dem genannten Gymnasium beschäftigt gevesene Dr. August Eigenbrodt zur Fort- setzung seines Probejahrs sowie zur Aushülfeleistung für das Sommersemester dem hiesigen Gymna- sium überwiesen. Derselbe begann seine hiesigen Functionen am 2. Mai.

August Eigenbrodt, geboren am 1. Januar 1852 zu Dornheim bei Darmstadt, besuchte das Gymnasium zu Darmstadt, studirte dann nach bestandener Maturitätsprüfung von Herbst 1869 bis ôstern 1874 in Giessen und Leipzig classische Philologie und Geschichte und promovirte im October 1873 an letzterer Universität mit der Disser- tationde magistratuum Romanorum jure intercedendi. Nachdem er dann Ostern 1874 ebendaselbst die Prüfung für das höhere Lehrfach bestanden hatte, setzte er zunächst seine wissenschaftlichen Studien weiter fort und veröffent- lichte im Frühjahr 1875 die Schriftde magistratuum Romanorum juribus, quibus pro pari et majore potestate inter se utebantur, imprimis de tribunorum plebis potestate. Im Herbst 1877 wurde er nach Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesundheit von Kgl. Prov. Schulc. zu Cassel zur Ableistung des Probejahrs dem Gymnasium zu Corbach öberwiesen, von da Ostern 1878 zur Fortsetzung desselben sowie zur Aushülfe an das hiesige Gymnasium versetzt.

Am 6. Juni verstarb in Folge eines Hirnschlags der Oberlehrer Anton Lichtschlag im Alter von 38 Jahren, nachdem derselbe nur 2 ½ Jahre an unserer Anstalt thätig gewesen war(s. Pro- gramm von 1876 pag. 16). Am Morgen des 8. Juni geleiteten ihn Lehrer und Schüler zur letzten

Ruhestätte.