Aufsatz 
Das Grab des Königs Konrad I. in der Basilika zu Fulda / von Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Fuldensis p. 61 ebenfalls an. Es iſt klar, daß man es hier nur mit Wahrſcheinlichkeiten und Vermutungen zu thun hat, die jedoch nicht einmal über den eigentlichen erſten Platz der Beerdigung eine beſtimmte Nachricht bringen. Auffallend iſt es nur, daß Brower ſo unbeſtimmt im weiteren ſich über den Kreuz⸗ altar ſelbſt ausſpricht, indem er hinzufügt, er verſetze dieſen Altar in die alte Baſilika. Es folgt daraus, daß zur Zeit Browers der Kreuzaltar nicht mehr vorhanden geweſen ſei, wie wir das ſpäter genauer noch begründen werden, denn jedenfalls würde er ſich ganz anders ausgedrückt haben, wenn bis 1586 dieſer Altar noch geſtanden hätte. Man ſieht daraus, daß ſelbſt in Fulda Ende des 16. Jahrhunderts keine zu⸗ verläſſige Erinnerung an das Denkmal und den Platz, wo König Konrad I. begraben lag, vorhanden war. Schannat in ſeiner historia Fuldensis I. 119 bezieht ſich einfach auf den Chroniſten Marianus Scotus, der den Kreuzaltar in der Basilica maior geſehen habe. Wir kennen die Stelle aus Marianus bereits und wiſſen, daß er nur einfach ſagt in monasterio, wofür man hier wohl die basilica maior als identiſch anſehen kann, aber damit iſt auch nicht die geringſte Andeutung über die eigentliche Lage des Kreuzaltars gegeben. Schannat ſchrieb ſein Werk im Anfange des vorigen Jahrhunderts, wo allerdings der Kreuzaltar, wie wir ſpäter nachweiſen werden, nicht mehr beſtand, ja die alte Baſilika ſelbſt niedergelegt und der jetzige Dom erbaut war. Ebenſo ſind die andern neueſten Lokalhiſtoriker, wie Schlereth, Gößmann, Arnd, Nick, Schleichert, über die Lage des Kreuzaltars ohne jegliche Nachricht. Gradezu irreführend iſt jedoch die Nachricht, welche der Verfaſſer des Domes zu Fulda S. 66 giebt, wo⸗ bei er ſich auf eine Ueberlieferung bezieht, welche ſich in einer angeſehenen Bürgerfamilie erhalten habe, wonach dem im ſüdlichen Seitenſchiffe des jetzigen Doms gelegenen Martinusaltare ¹) (Plan, Nr. 11) gegenüber, vor dem neben dem Fürſtenſtuhle ſtehenden Hauptpfeiler das Grab des Königs Konrad I. geweſen ſein ſoll.(Plan, Nr. 12.) Wie wenig jedoch der Verfaſſer mit Recht auf dieſe Ueberlieferung, die, weil ohne jeglichen Anhalt, beſſer ganz weggeblieben wäre, vertraut, beweiſt der Umſtand, daß er unmittelbar daran die Anſicht eines verſtorbenen, wie er ſagt, in der vaterländiſchen Geſchichte ſehr bewanderten Fuldaers anführt, wonach die Stelle des Grabes des Königs Konrad I. in dem an den Dom grenzenden vorderen Garten der ehemaligen Dom⸗ dechanei zu ſuchen ſei.(Plan, Nr. 13.) Wir werden ſehen, daß beide Anſichten nur haltloſe Ver⸗ mutungen ſind. Stein, in ſeinem Könige Konrad I. S. 282, läßt ſich auf eine weitere Unterſuchung über die Grabſtätte nicht ein und ſagt nur, daß zwar im jetzigen Dome ſich noch der Altar zum hl. Kreuze befinde, aber nicht mehr das Grabmal. Darin hat er allerdings Recht, aber der jetzige im ſüdlichen Seitenſchiffe unterhalb des Querſchiffes neben dem Presbyterium gelegene Kreuzaltar(Plan, Nr. 8) iſt durchaus nicht mit dem Kreuzaltare der alten Baſilika zu verwechſeln. Der jetzige Kreuzaltar iſt ein Seitenſtück zu dem im nördlichen Seitenſchiffe gerade gegenüberſtehenden Simpliciusaltare(Plan, Nr. 14). Beide Altäre ſtammen aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts, wie überhaupt nur zwei Altäre, darunter der durch ſeine Schnitzarbeit und reiche Vergoldung ſich auszeichnende Altar auf dem weſt⸗ lichen Chore(Plan, Nr. 5) noch aus der vorigen Stiftskirche und der Drei⸗Königsaltar(Plan, Nr. 15), am Eingange in das ſüdliche Seitenſchiff, aus der alten, außerhalb der Hauptkirche auf ihrer ſüdlichen Seite gelegenen Drei⸗Königskapelle ſtammt, woſelbſt ihn Fürſtabt Placidus von Droſte(1678— 1700), deſſen Wappen er trägt, während alle andere Altäre den Wappenſchild Adalberts von Schleifras führen, hatte errichten laſſen. Placidus war es, der durch ſeine Sparſamkeit ſeinem Nachfolger die

¹) Man ſehe⸗S. 13 die hierher gehörige Abbildung einer Skizze des Grundriſſes des Domes; im Texte kurzweg mit Plan bezeichnet.