Aufsatz 
Das Grab des Königs Konrad I. in der Basilika zu Fulda / von Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Der Herausgeber dieſer Chronik Kerler verweiſt(S. 93 Anm. 2) auf vita St. Mar. Scoti und (S. 91) auf dieſelbe vita in Bollandus, Acta S. S. Febr. II. p. 365— 372. Es ſcheint hier, worauf Hugo, Graf von Walderdorff, in einer Abhandlung„St. Mercherdach und St. Marian und die An⸗ fänge der Schottenklöſter zu Regensburg“ in den Verhandlungen des hiſtoriſchen Vereins von Regensburg(Band XXXIV. S. 226) aufmerkſam gemacht hat, eine Verwechslung mit untergelaufen zu ſein, da dieſe vita, worauf der Herausgeber verweiſt, keine Silbe von dem erwähnt, was Meiſterlin an der fraglichen Stelle angibt. Das Büchlein, das Meiſterlin im Schottenkloſter zu Regensburg ge⸗ ſehen hat, iſt nicht identiſch mit der vita Mariani Scoti in den Act. S. S. II. 365, ſondern wahr⸗ ſcheinlich mit einer ungedruckten fabelhaften Chronik des Schottenkloſters in Regensburg. Welche Nachrichten und Aufſchlüſſe Meiſterlin darin über die mit einem Diademe geſchmückte Hirnſchale König Konrads zu Fulda gefunden hat, gibt er nicht an. Möglicherweiſe mag in dieſem„Büechlein“ über Tod und Begräbnis eines Kaiſers Konrad etwas geſtanden haben, aber es kann dies nur der Staufer Konrad III. ſein, der im Dome zu Bamberg begraben liegt und von Meiſterlin mit dem Franken⸗ König Konrad I. verwechſelt iſt ¹).

Es würdeſich nun fragen, wann Meiſterlin das Haupt des Königs Konrad I., denn von einem andern kann doch die Rede nicht ſein, in Fulda geſehen habe? Meiſterlin iſt in den erſten Decennien des 15. Jahrhunderts geboren. Derſelbe war Mönch im Benediktinerkloſter zu St. Ulrich und Afra in Augsburg; 1476 Prediger an der Kathedralkirche zu Würzburg, ſodann 1481 Pfarrer in der Nähe von Miltenberg und 1488 in einem Dorfe in der Nähe von Nürnberg, wo er zeitweilig eine Predigerſtelle an der Sebalduskirche verſah. In dieſe Zeit fallen ſeine wiederholten Wanderungen in Bayern, Schwaben und Franken, er beſuchte die Klöſter, um das Material zu dem ihm von dem Rate der Stadt Nürnberg gegebenen Auftrage, eine Chronik der Stadt zu ſchreiben, zu ſammeln. Das ſagenhafte Element iſt in ſeiner Chronik vorherrſchend, er dichtet auch zuweilen hinzu und ſeine Geſchichtſchreibung zeigt wenig Spuren von Kritik. Eine kurze vorgefundene Notiz erweitert er durch eigene Dichtung zu einer breiten Darſtellung. Man ſieht aus dieſen wenigen Zügen, welch geringes Gewicht auf die Nachricht zu legen iſt, daß er in Fulda das Haupt des Königs Konrad I. geſehen habe; denn erſtlich denkt er nur an den Staufen König Konrad III., deſſen Hirnſchale er in Fulda mit einem Königs⸗Diademe geſehen haben will, der doch in Bamberg begraben liegt; zweitens zählt er im zehnten Kapitel„aller Könige Namen, von dem Namen Caroli magni bis auf den großen Otto,“ auf, wo er den deutſchen König Arnulf, ein neuer Beweis ſeiner hiſtoriſchen Ungenauigkeiten und falſchen Angaben, mit dem bayriſchen Herzoge Arnulf verwechſelt, den König Konrad I. aber gar nicht erwähnt, und drittens fällt auf, daß Meiſterlin zweimal eine Ueber⸗ ſicht ſeiner Reiſen(I. 2, S. 43 und S. 81) gibt und ein Verzeichnis aller Klöſter aufſtellt, die er be⸗ ſucht habe; darunter iſt aber beidemal Fulda nicht genannt. Man muß daher annehmen, daß die ganze Erzählung von einem mit Diadem geſchmückten Königshaupte nicht bloß eine Verwechslung, ſondern vielleicht ſogar eine gedankenloſe Erfindung des Verfaſſers iſt, deren man noch viele in der Chronik findet.

Wollte man übrigens annehmen, daß Meiſterlin in Fulda geweſen ſei, ſo findet ſich nirgends eine Nachricht, daß man das Haupt des Königs Konrad I. von dem Körper getrennt aufbewahrt habe; es iſt immer nur ganz im allgemeinen davon die Rede, daß König Konrad I. in Fulda begraben ſei; auch von einem Grabmale, einem tumulus oder einem epitaphium, wird in den älteſten Quellen nirgends etwas

¹) Im Anfange des 4. Capitels iſt von Lothar dem Sachſen und am Ende desſelben von Konrad dem III. die Rede und im 5. Capitel geht es mit Friedrich Barbaroſſa weiter. 2*⅔