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T. 1 (1908) Starkenburg
Entstehung
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funden wie Kalkspat(Doppelspat), Granat, Turmalin, Wollastonit, Epidot etc. Die Zahl der Mineralspecies beträgt etwa 75.1 Aus den grossen Marmorblöcken werden Grabsteine hergestellt, und die kleineren Stücke finden als Platten und Einfassungssteine Ver- wendung; ein grosser Teil des Gesteins wird gemahlen und in chemischen Fabriken zur Darstellung von Kohlensäure benützt; der weniger reine Marmor wird in grossen Oefen gebrannt und dient dann zur Mörtelbereitung und als Düngmittel.

War der wichtigste Bestandteil des kristallinen Odenwaldes der Granit, so lernen wir nun im Diorit und Gabbro die Tiefen- gesteine kennen, die der Verbreitung nach an zweiter Stelle kommen. Der Diorit ist ein meist dunkelgrünes Gestein, das vornehmlich aus Kalknatronfeldspat(Plagioklas) und Hornblende besteht. Diorit und Hornblendegranit werden seit altersher in der Odenwälder Steinindustrie irrtümlich als Syenit bezeichnet. Dieser, der Haupt- sache nach ein Gemenge von Feldspat(Orthoklas) und Hornblende, kommt im Odenwald aber so gut wie gar nicht vor.

Der Gabbro ist grünlichgrau und enthält als Hauptgemeng- teile Kalknatronfeldspat und Diallag.

Beide Gesteine stehen in enger Beziehung zu einander und zeigen oft Übergänge. Bei einer Wanderung durch das Mühltal von Eberstadt aus können wir den sog. Hornblendegabbro im Steinbruch am Felsenkeller neben anderem Gestein beobachten. Weiter talaufwärts sind in einem Bruche links der Modau in der Nähe des kühlen Grundes Diorit und Gabbro mit einem Gang- gestein, dem Odinit, gut aufgeschlossen. Dort, wo sich das Tal erweitert, mündet der Papiermühle gegenüber der Ludwigs- resp. Papiermüllerweg, kurz vor seinem Ende steht an der(östlichen) Böschung Diorit mit durchsetzenden Granitadern an. Geht man den Ludwigsweg weiter, so kommt man am Bordenberg und Ludwigsbrunnen vorüber, woselbst schöne Blöcke einer Hornblende- granitart liegen und erreicht bald darauf am Schnittpunkt der neuen Bogen- und Wieselschneise einen kleinen Steinbruch, der in einem Aplitgang angelegt ist.

Ein wichtiges Gabbrogebiet ist der Frankensteiner Höhenzug mit seinen Ausläufern über Waschenbach nach Oberramstadt. Durch diese Gabbromasse erstrecken sich drei Züge eines schwarzgrünen Gesteins, das neben den Bestandteilen des gewöhnlichen Gabbro noch Olivinkörner und Magneteisen enthält und der ersteren wegen

¹ Greim, Die Mineralien des Grossherzogtums Hessen, Giessen 1895.