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2. Januar. Während derselben wurde uns ein sehr braver Schüler, Ferdinand Schedtler aus Rauisch-Holzhausen, durch den Tod entrissen. Geboren den 5. September 1853 trat er am 15. April 1863 in die Sexta ein und war bis nach Tertia B gelangt, als er an der Rachenbräune starb. Am 29. December wurde die Leiche unter dem Geleite der Lehrer und der hier anwesenden Schüler zur Erde bestattet.
Am 22. Januar machte Dr. Schimmelpfeng die Anzeige, dass seine Berufung zur 6. Professor-Stelle an der Landesschule zu Pforta von Seiner Excellenz dem Minister des geistlichen— Unterrichts— und Medicinal-Angelegenheiten durch Rescript vom 10. Januar genehmigt worden sei, und dass er in Folge dessen mit dem Schluss des Schuljahres unsere Anstalt verlassen werde. Dr. Schimmelpfeng wurde zu Ostern 1853 mit Aushülfe im Unterricht am hiesigen Gymnasium beauftragt und trat noch im Laufe des Jahres in die volle Thätigkeit eines Gymnasiallehrers ein. Erst durch allerhöchstes Rescript vom 9. Mai 1860 wurde er zum Hülfslehrer und durch allerhöchstes Rescript vom 12. August 1863 zum ordentlichen Lehrer ernannt. Vierzehn Jahre lang hat er also dem hiesigen Gymnasium angehört, eine Zeit, in der er sich als Lehrer und als Erzieher um unsere Jugend sehr verdient gemacht und mit seinen Collegen in ununterbrochener Eintracht zusammen gewirkt hat. Sein Name wird am Gymnasium in dankbarem Andenken fortleben.
Nachdem am 25. Februar der unterzeichnete Director auf hiesiger Königlicher Regierung dem neuen Landesherrn den Diensteid geschworen hatte, fand Donnerstags den 14. Merz zufolge Verfügung Königlicher Administration vom 1. Merz durch die Gymnasial- Verwaltungs-Commission die Vereidigung der übrigen Gymnasiallehrer einschliesslich der Practicanten in der Aula des Gymnasiums statt.
Der schriftliche Theil der Maturitäts-Prüfung begann am 11. Merz; die mündliche Prüfung wurde Donnerstags und Freitags den 28. und 29. Merz abgehalten. Die Ergeb- nisse sind am Ende der statistischen Uebersicht mitgetheilt.
Die Bibliothek des Gymnasiums sowie dessen übrige Sammlungen sind aus Staats- mitteln in herkömmlicher Weise vermehrt worden. Ausserdem erhielt sie mehrere Gaben von Privaten, namentlich hat Herr Buchhändler Elawert dahier der Bibliothek von jedem der in seinem Verlage erschienenen Werke ein Exemplar geschenkt und sich damit um dieselbe besonders verdient gemacht.
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