Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
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28 Bingser Heimatgeschlchte

kiresfelt ¹²), ab illa autem platea in fontem, qui dicitur Heinbach ¹⁹), a capite eius deorsum usque in Rhrenum, Rhenum autem sursum usque ad Murgam.

Hunc predictum forestum, ut diximus, ad altare sancti Martini donavimus ea ratione ¹⁴), ut nemo mortalium in eodem foresto venari vel feras inquietare audeat, nisi ab eiusdem ecclesie prothopresule ¹⁵) licentiam accipiat.

Signum Domini Ottonis invictissimi Imperatoris Augusti. Hildebaldus episcopus et cancellarius vice Willigisi archicappelani ¹⁶) recognovi.

Datum VIII. Idus Novembris. Anno Dominice incarnationis DCCCCXCVI indictione IX, anno autem tertii Ottonis regnantis XIIII ¹⁷), imperii I. feliciter. Amen.

3. Die Hattosage ¹) (Trithemius, Chron. Hirsaug. ad annum 973, I, 116.)

De Hattone vulgo recitatur historia, quam huic quoque inserere compilationi ²) nostrae haud absonum iudicamus ³). Fertur

¹²) sursum= aufwärts, deorsum= abwärts. ¹³⁸) Eskiresfeld: heute nicht mehr nachweisbar. ¹¹⁴) Heinbach= Heimbach. ¹⁵) ea ratione= in der Weise, mit der Mafgabe, daft. ¹⁶) prothopresul= Vorsteher. ¹⁷) archicapellanus= Erz- kaplan; der Mainzer Bischof war Erzkaplan und Erzkanzler des Reiches. ¹s) Otto III. war auf dem Reichstag zu Verona(s. vorherg. Urkunde) zum König gewählt worden.

Hattosage. ¹) Ueber die Mäuseturmsage zusammenfassend mit weiteren Literaturangaben J. Kohl in„Volk und Scholle“, Heimatzeitschrift für beide Hessen usw. 1928, S. 253 ff.— 455b. 8. Die zahlreichen Doppelgänger der Mäusesagen in verschiedenen Gauen unseres Vaterlandes, in England und Dänemark, in Polen und Böhmen. in Ungarn und Rumänien legen die Ver- mutung nahe, daf die Mäuseturmsage indogermanischen Ursprungs ist und ihr ein urater Naturmythus zugrunde liegt. Die Mäuse waren ursprünglich das Symbol für Blitz- und Sturmgeister, die über den Gott der Dürre und Sonnenglut herfallen und ihn vernichten. Später wandelte sich die Sage in eine Geschichte mit moralischem Ausgang: die Mäuse versinnbilden die Seelen der Gemordeten, die an dem Mörder grausame Rache nehmen; sie sind, gleich den griechischen Erinnyen. ein Bild der Gewissensqualen, gegen die sich auch der mächtigste Verbrecher nicht schützen kann. Die ersten Berichte mittelalterlicher Chronisten, daf hochgestellte Persönlichkeiten von Mäusen gefressen wurden, begegnen uns im Sachsenland, und zwar sind es insbeson- dere fränkische Bischöfe, denen der Tod durch Mäuse angedichtet wird. Die Sachsen hatten es nicht vergessen, daft die Franken sie mit Gewalt und Grau- samkeit unterworfen und ihnen einen neuen Glauben aufgezwungen hatten. Der Priester Siegfried von Meiften berichtet uns als erster, daft der Mainzer Erz- bischof Hatto von den Mäusen getressen worden sei, und zwar meint er damit Hatto I., der von 891— 913 auf dem erzbischöflichen Stuhle von Mainz safl. Dieser machtvolle Kirchenfürst kämpfte unter drei deutschen Königen, Arnulf von Kärnthen, Ludwig dem Kind und Konrad I. von Franken, für die Rechte des Königs gegen aufrührerische Herzöge. Insbesondere hatten Adalbert von Babenberg und Herzog Heinrich von Sachsen, der später König Heinrich I., unter Hattos Gegnerschaft zu leiden. Da er wegen gewalttätigen Vorgehens in der Meinung des Volkes zum Verräter gestempelt wurde, so ward ihm bald auch die entsprechende Sühne in der Form eines Todes durch Mäuse- bisse angedichtet. Erst später wurde auch sein Namensvetter Hatto II., der von 968- 970 den erzbischöflichen Sruhl von Mainz innehatte, mit der Mäuse- sage in Verbindung gebracht. Die mittelalterlichen Chronisten glaubten an die Wahrheit der Geschichte. Der erste, der gelinden Zweifel äufterte, war Trithemius. ibSerers compilationi= der Zusammenstellung, der Darstellung einfügen. ³) absonum iudicare= für unangebracht halten.