Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
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24 Binser Helmatseschichte

incendia et interfectiones hominum ubique sine miseratione agen- tes ²). Oppidum quoque Bingionum tunc ab alia parte fluminis Nahae situm ⁴) in planitie verticis montis⁵) iniecto igne funditus destruxerunt cunctis habitatoribus, qui antea in nemora non fuge- rant, crudeliter interemptis. Post Nortmannorum recessum, qui remanserant in nemoribus, cives ad oppidum reversi desolatum penitus ⁶) invenerunt. Habito inter se consilio non in eodem loco, sed trans fluvium Naham reaedificare oppidum statuerunt, quo inter praedictum fluvium et Rhenum, ut hodie cernitur, positum direptioni amplius facile non pateat inimicorum. Porro Nortmanni a Bingionibus moventes exercitum Castellum Ducis quondam s. Ruperti, quod Osterburgium) dicebatur, in Nagavio situm iuxta villam Stauronesum ⁵), vulgariter Creüzenach, capientes simili furia destruxerunt omnesque in circuitu vicos in favillam redegerunt ⁵).

die er in Sponheim gründete und unter langjährigen Mühen und Opfern durch den Erwerh der seltensten Werke in 12 verschiedenen Sprachen zu einer in Deutschland einzig dastehenden Sammlung erhob. Die Zahl der von ihm verfaſt- ten Werke geht in die Hunderte, vieles von ihm ist noch unveröffentlicht. Wird auch der Wert seiner Werke beeinträchtigt durch Mangel an Kritik, Flichtigkeit, Willkür in Benutzung von Quellen und Erdichtungen, so ist doch das, was er für seine Zeit, insbesondere auch über Binger Begebenheiten berichtet, recht wertvoll. Um das Jahr 1402 begann Trithemius die Geschichte seiner Abtei Sponheim zu schreiben, welche er aber erst im Jahre 1506 in Annalen- form zu Würzburg vollendete. Diese Sponheimer Chronik enthält die Ge- schichte der Gründung des Klosters, das Wirken der 24 ihm vorausgegange- nen Aebte und sehr ausführlich die Regierung des Trithemius selbst. Auffer- dem werden die wichtigsten Ereignisse in Deutschland während dieses Zeit- raumes unter dem betreffenden Jahre aufgeführt. Die Sponheimer Chronik hat zum groſten Teil Aufnahme gefunden in der Chronik des Klosters Hirsau (im Schwarzwald), die Trithemius, während er noch an der Sponheimer Chronik arbeitete, auf Bitten des befreundeten Abtes Blasius zu schreiben begann. Da aber Blasius im Jahre 1503 starb und Trithemius selbst nachher Sponheim verlieft, so blieb diese Hirsauer Chronik unvollendet in Sponheim zuriick und wurde erst im Jahre 1601 von Marquard Freher mit anderen historischen Werken herausgegeben(Klein. Hirsauer Chronik). Erst im Jahre 1509 nahm Trithemius in Würzburg diese Arbeit wieder auf und zerlegte sie nunmehr in zwei Teile. Der erste Teil, die Geschichte des Klosters Hirsau von 830 bis zum Jahre 1265, wurde in dieser neuen Fassung im jJahre 1511, der zweite Teil, der bis 1514 geht, im Jahre 1514 vollendet.(Große Hirsauer Chronih, gewöhnlich nur Hirsauer Chronik zitiert). In diesen Hirsauer Chro- niken gibt der Verfasser nicht nur die Geschichte des Klosters Hirsau und seiner Aebte, sondern er führt auch die wichtigsten Weltbegebenheiten, alle denkwürdigen Ereignisse in Deutschland und die berühmtesten Persönlich- keiten vor Augen. ²) Das Jahr 893, das Trithemius für den Normannenein- fall angibt, kann nicht stimmen; denn im jJahre 801 hatte Arnulf von Kärn- then durch seinen Sieg bei Löwen an der Dijle dem weiteren Eindringen der Normannen ein Ende gemacht; wohl aber wissen wir, daf etwa ein habrzelmt vorher die Normannen den Rhein heraufkamen und Koblenz und

rier zerstörten und 885 in Burgund Winterquartiere bezogen. ³) Das Zeugma praedam, incendia et interfectiones agentes ist freier wiederzugeben. ¹) Vgl. dariber die Erläuterungen in der Rupertusvita Anm. 44, S. 16. ⁵) in planitie verticis montis= auf der Hockfläche eines Berges. ⁶) desolatus penitus = gänzlich verödet.*) Osterburgium= Distrikt in der Nähe von Kreuz- nach, erscheint in späteren Urkunden als„Osterburger Gericht. ³) Stau- ronesum(graecisiert)= Kreuznach.*) in favillam redigere= in Asche legen.