Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
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22 Binger Heimatgeschichte

donationem venire ¹⁴) temptaverit aut infrangere ¹⁵) voluerit, iram Dei omnipotentis incurrat et ab omni loco sanctorum excommu- nis ¹6) appareat et insuper inferat fisci dicionibus ¹⁷) argenti pon- dera IIII, auri unicas II ¹⁸) coactus exsolvat et nec sic, quod repetit, evindicare ¹⁹) non valeat, sed presens donatio hec omni tempore firma et stabilis permaneat stipulatione subnixa. Facta donatio hec sub die Vlidus maias anno XXV regnante domino nostro Karolo, gloriosissimo rege. Ego Hiltibaldus rogatus a Gundbercto hanc kartulam donationis scripsi. Sign. Gundbercti, qui hanc kartulam donationis fieri atque firmare rogavit,+† Uualurammi, † Gund- rammi, †+ Marcrati, † Asbercti, † Cristani, † Remmingi, † Ercan- bercti, † Hiltibaldi.

Donatio Isnardi in Binger marca ¹) (1. August 767. Cod. Lauresh., Mannheim, 1768, 2, 177)

In Christi nomine sub die kalendas Aug. anno XV Pippini regis ego lsnardus dono ad sanctum Nazarium martyrem etc. vineam unam in pago Wormat. ²) in Binger marca etc.

Donatio Achilberti (10. August 767, Cod. Lauresh. 2, 357)

In Christo nomine sub die X mensis Augusti anno XV Pip- pini regis ego Achilbertus dono ad monasterium sancti Nazarii

¹⁴) contra aliquid venire= gegen etwas angehen. ¹⁸) infrangere= ein- brechen, zunichte machen. ¹⁶½) excommunis= ausgeschlossen aus der Ge- meinschaft(der Kirche). ¹⁷) fiscus, i= Korb. Kiste, Staatskasse, Fiscus; dicio= Macht eines Herrn, Behörde. ¹⁸) Vgl. Urkunde des Leidrat Anm. 22, unica f= Unze. ¹⁰⁹) evindicare= in Anspruch nehmen, gerichtlich durchsetzen.

Schenkungen an das Kloster Lorsch. ¹) Das Kloster Lorsch, das für unsere Gegend eine groffe Bedlentung fwaun. wurde im jJahre 764 von dem Gra- fen Cancor und seiner Mutter Williswinda gestiftet. Die geistliche Verwaltung hatten die Stifter ihrem Verwandten, dem hochangesehenen Bischof Chrode-

ang von Metz, einem Schwestersohn Pipins, übertragen. Er berief aus déem loster Gorze bei Metz 16 Mönche und richtete das Kloster nach der Regel des hl. Benedikt ein, stand ihm zuerst als Abt vor. Die Kirche weihte er dem hl. Petrus und schenkte ihr den vom Papste erhaltenen Leichnam des heili- Ben Nazarius, eines Glaubenszeugen aus der diokletianischen Zeit(765). Sehr ald erwies sich eine Vergröfterung und Verlegung des Klosters als notwen- dig. 774 war der Neubau vollendet und wurde am 1. September von Erz- bischof Lullus von Mainz feierlich eingeweiht. Bei dieser Feier war Karl der Groffe zugegen. Eine Flut von Gunstbezeugungen und Geschenken ging da- mals und später über das Kloster nieder. Der Abt wurde aus der Gewalt des Mainzer Erzbischofs, dem er eigentlich unterstellt war, herausgenommen und den Reichsfürsten an Rang gleichgestellt. Als das 10. Jahrhundert begann, reichten die Besitzungen des Klosters von den Niederlanden bis zur Schweiz, vom Elsaf bis nach Thüringen und lagen über 85 deutsche Gaue verteilt. Später wurde das Kloster von schweren Schicksalsschlägen getroffen, und 1231 verlor es seine Selbständigkeit. Schon in die Anfangszeit des Klosters fällt die Schenkung des Isnard in der Binger Mark. Die Datierung der Urkunden wurde vorgenommen nach dem ersten Band der Neuausgabe des Codex Laureshamensis von Karl Glöckner(Darmstadt 1920), während für den Text selber noch die alte Ausgabe von Lamey(Mannheim 1768) zugrunde gelegt Horden onte. ²) Ueber die Gauzugehörigkeit Bingen s. Urk. des Leidrat nm. 5, S. 19. 191