Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
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20 Dinder Helmaetgseschichte

Theotrud ³) et campis, pratris, aquis, aquarum decursibus ⁰) excul- tum seu incultum, mobilibus seu immobilibus, quod genitor meus et genetrix mea morientes mihi dereliquerunt et quod germana mea mihi tradidit, intus murum castello Pingense vel foris murum seu in ipsa marca et illa mancipia cum omni suppellectili ¹⁰) eorum et cum omni integritate, sicut nos visi sumus habere omnia. Et similiter dono in alio loco nuncupante ¹¹) in villa, que dicitur Thruhtmaresheim ¹²), aream ¹) unam cum casa cum omni stabi- litate. Haec sunt adfines ¹⁴) de una parte Hildoini ¹⁵), de alia parte sancti Luitgarii ¹⁶), tertia parte via publica, quarta parte iterum via publica. Et dono araturia iugura ¹⁷) XXV in ipsa marca Thruht- maresheim. Sicut inter nos complacuit atque convenit inter ¹⁸), auro et argento de pretio sancti Bonifacii martyris ¹⁹) probatas ²⁰) atque pensantes ²¹) numero libras ²²) XXXVII dedimus tibi; ita tamen, ut ab[hac] die habendi, tenendi seu commutandi vel, quidquid exinde facere volueritis, liberam ac firmissimam in omnibus habeatis potestatem. Et, quod fieri non credo, si quis ex hoc ullo umquam tempore pulsare voluerit aut fortasse evicerit²³), noverit ²⁴) a me vel a heredibus meis vobis vel heredibus vestris tantum et alte- rum tantum ²⁸) vel, quantum ipsa res meliorata valere poterit, se esse rediturum. Stipulatione ²⁶) firmitatis subnixa ²*⁴). Actum Mogon- tie civitatis s) publice. Facta vendicio sub die V. kal. septembris

s) mancipium= Leibeigener, Sklaxye.— Zum ersten Male erscheinen hier die wohlklingenden altdeutschen Namen einiger Pinber Bürger. Viele dieser Namen haben den Bestandteil Wolf(olf, ulf); der Wolf war ein hei- liges, glückverheiftendes Tier, das den Wotan beFisNtete; der Bestandteil vin bedeutet Freund, Geliebter; et, ot bedeutet Besitz, Gut; praht= der Prächtige; theo, the hängt mit diot= Volk zusammen.(Vergl. Weiden- bach, Rhein. Antiq. II, 19, S. 776 ff.) ³²) aquarum decursus= Wasserlauf. ¹) supſp)ellex, ctilis f= Hausrat. ¹¹) nuncupare= henennen; anstatt des

art. praes. act. wäre zu erwarten partic. fut. pass. oder perf. pass. also„an hem noch zu benennenden Ort“. ¹²) Thruhtmaresheim= Heim des Thruht- mar(des durch sein Gefolge Berühmten). ¹³) area f= Platz, Grundfläche, insbesondere Bauplatz. ¹⁴) adfinis= angrenzend, benachbart. ¹⁸) Hildoini: zu ergänzen agri oder vineae(des Hil dinh ¹6) Luitgarii= wohl Ludger; der angrenzende Besitz gehörte also einer Kirche oder einem Kloster, das einem hl. Ludger geweiht war. ¹*) iugerum n= ein Morgen Landes, Juchert. ¹8) convenit inter: erg. lnos], es ist vereinbart, man kam üſberein. 16) de pretio sancti Bonifacii= also vom Fuldaischem Geld und wohl auch für das Kloster Fulda. Ohne daft es besonders angegeben wird, folgt hier ein Wechsel der sprechenden Person; es ist jetzt Lullus, der in der 1. Person Plur. seine Gegenleistungen angibt. ²⁶²) probatus= auf Echtheit geprüft. 21) pensare= eins geßen das andere abwägen, gegenrechnen, bezahlen. ²*) libra = Ptund(ital. lira). Der Wert des Pfundes Gold oder Silber wechselt natur- gemäft in den verschiedenen Jahrhunderten, sodaft eine Reduktion sehr schwie- rig ist. Das Münzgewicht der damaligen Zeit war das karolingische Pfund von 5376,2 g, das in 15 Unzen zerfiel und aus dem 240 Denare geprägt wur- den mit einem Normalgewicht von 1,53 g. In der Did nisc kardligiachen Münzreform wurde die Goldwährung verlassen und die Silberwährung zu einem für das ganze Reich einheitlichen Münzfuſt und zu einheitlicher Aus-

hfum mit dem Namen des Herrschers durchgeführt. Die Feststellung der

ollständigkeit des Pfundes(„probatas“) erfolgt durch die Zählung der Geld- stücke(„numero pensantes“); es ist also ein Zählpfund. ²³) noverit= der soll wissen.*) alterum tantum= ein zweites Soviel, noch einmal soviel. ²6) stipulatio= Angelobung, Handgelöbnis.*²⁷) subniti= unterstützen, dazu- treten. ²⁸) civitas= Stadt.