Druckschrift 
Wie sind auf Gymnasien neuhochdeutsche Classiker zu lesen? / beantwortet von dem Oberlehrer K. Richter
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32 F. 13. Bei der Reflexion auf Stoff und Form, wie wir ſie nothwendig fanden, kann es nicht ſehlen, daß einzelne Schuler bald ein eigenes, gegründetes Urtheil abgeben, bald nicht ganz unwichtige Folgerungen und Zuſätze zu machen wiſſen. Das müſſen dieſe Schüler zu Hauſe aufſchreiben, um es nochmals überdenken zu koönnen, um es ganz beſtimmt abzufaſſen und um ſich das Andenken eigener löblicher Kraftäußerung, die der Lehrer anfangs immer als ſolche bezeichnet hat, aufzubewahren. Auch wenn, wie§. 11. am Ende geſagt iſt, die Entwickelung eines Gedankens in des Schülers Weiſe vom Lehrer veranlaßt, wenn ein Gedanke modificirt oder gar verworfen und das Gegentheil behauptet worden iſt; kurz, wenn der Lehrer eine für den Schüler ſchwere, aber ſehr wichtige Bemerkung oder Erlaͤuterung gegeben hat: ſo muß der Schuͤler gleich die Entwickelung, das Amendement, die Widerlegung des falſchen und Begruͤndung des wahren Satzes klar und beſtimmte zu Hauſe aufſchreiben. Denn dieſes alles muß der Schüler mehrmals überdenken und alſo auch zu Hauſe immer von neuem vornehmen können. Kein Jugendlehrer wird die Ausführbarkeit beſtreiten. Nur wenige Bogen reichen für jedes Jahr hin und geben eine Collectaneen⸗Sammlung, zum leichteren Auffinden nach dem Alphabethe geordner, die auch noch in ſpäteren Jahren nützlich und intereſſant bleibt. Solche Collectaneen können auch allein in Ehren bleiben; alles, was man ſonſt darunter verſteht, iſt ſchon lange mit Recht verworfen. Übrigens wird der Lehrer von Anfange durchaus beſtimmen müſſen, was aufzuſchreiben iſt, und ſich auch nicht die Mühe verdrießen laſſen, bald dieſes, bald jenes Schülers Heft anzuſehen. Später mag der Schuͤler ſeinen eigenen Willen hierin haben, da er auch zu Hauſe für ſich leſen und nach der fruheren Anleitung etwas eintragen darf. Roch ein Anderes darf ich nicht übergehen. Ausgezeichnete Stellen in den gele⸗ ſenen Werken muß der Schuͤler leicht wieder finden können; darum ſoll er dieſe mit einem Sternchen im Buche ſelber bezeichnen. Man kann das keinesweges als eine Unart anſehen, wenn es nur recht ſauber gemacht wird; oder thun und haben es nicht die Gelehrten in den alten claſſiſchen Schriften ebenfalls gethan?