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Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre : 2. Teil / von Hermann Unbescheid
Entstehung
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2. Schulchronik.

Das Schuljahr 1885/86 wurde Dienstag, den 14. April, mit der Aufnahme der neuen Schüler eröffnet. Von denselben, deren Zahl sich auf 101 belief, wurden je einer der Unterprima und Ober- sekunda, 2 der Untersekunda, 7 der Obertertia, 4 der Untertertia, 5 der Quarta, 14 der Quinta und 67 der Sexta zugeteilt. Während des Schuljahres traten noch in Unterprima, Obertertia und Unter- tertia je einer, in Quinta 3 und in Sexta 6, in Summa 12 ein, so dass die Gesamtzahl der in diesem Schuljahre aufgenommenen Schüler 113 beträgt.

Mit dem Beginne des neuen Schuljahres rückte der bisherige provisorische Oberlehrer Herr Dr. Ernst Emil Schelle in die 19. ständige Oberlehrerstelle auf.

Zu gleicher Zeit trat Herr Kandidat des höheren Schulamtes Alwin Jacobson als Probandus ein. Derselbe übernahm, nachdem er eine Zeit lang hospitiert hatte, lateinischen Unterricht in Obertertia und Geschichtsunterricht in Untersekunda.

Durch die Gnade Sr. Majestät des Königs Albert wurde dem Berichterstatter am 22. April das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens verliehen.

Am 23. April vormittags 10 Uhr fand die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs statt. Nachdem dieselbe durch den gemeinsamen Gesang eines Chorals und durch ein von Herrn Oberlehrer Flemming gesprochenes Gebet eingeleitet worden war, trugen folgende Schüler nach- benannte Gedichte vor: Quintaner A. Wolf:Thietmar von Wolf, Quintaner E. von Bernewitz: »Heinrich der Vogler von Vogl, Quintaner H. Schurz:Kaiser Heinrich von Gruppe, Unter- tertianer P. Raffelt:Heinrichs Tod von Böttger, Obertertianer H. Stiefelhagen:Eine Königs- wahl von Sturm. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Lyon über das Thema:Der deutsche Stil in seiner geschichtlichen Entwickelung. Ausgehend von der ältesten Gestalt unserer hoch- deutschen Sprache, schilderte Redner die Entstehung unserer deutschen Litteratursprache unter Kar! dem Grossen und wies besonders auf die klassische Vollendung derselben im mittelhochdeutschen Zeitalter hin; er hob sowohl die sinnliche Kraft und Schönheit der mittelhochdeutschen Sprache, als auch die Durchsichtigkeit und Geschmeidigkeit des Satzbaues und Stiles hervor, legte dann die Entwickelung der neuhochdeutschen Schriftsprache in der Kürze dar und schloss mit einer Darstellung des von Luther geschaffenen deutschen Prosastiles und dessen Entwickelung zur höchsten Reinheit und Schönheit in den Werken Schillers und Goethes. Vor der Festrede trug der Sängerchor Das Gebet für den König von A. Lwoff, vierstimmig von A. Morin, am Schlusse der Feier den Chor ausJudas Makkabäus von Händel vor.

Ende Mai traf die Annenschule, wie sämtliche Realgymnasien und Realschulen des Landes, dadurch ein schwerer Verlust, dass der Referent für das Realschulwesen bei dem Königl. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Herr Geheimer Rat Dr. Schlömilch, in den Ruhestand trat. Der Berichterstatter begab sich am 31. Mai in die Wohnung des Scheidenden, um sich von demselben zu verabschieden und ihm im Namen des Lehrerkollegiums für das allezeit bewiesene Wohlwollen und die vielfach gegebene Anregung den innigsten Dank ehrerbietigst abzustatten. In gleicher Weise hatte er bald darauf die Ehre Herrn Geheimen Schulrat Dr. Vogel, dem neben der Leitung des Gymnasialwesens auch das Referat über die Angelegenheiten der Realgymnasien über- tragen worden war, namens der Schule als neuen Vorgesetzten zu begrüssen und ihm die besten Wünsche für eine glückliche Amtsführung gehorsamst darzubringen.

Auch in diesem Jahre wurde die Feier des 2. September durch einen Festaktus begangen. Dem Gesange der ersten Strophen des ChoralsAus meines Herzens Grunde folgten Vorträge deutscher Gedichte durch Quartaner M. Hofmann(Am 19. Juli 1870 von Hesekiel), Untertertianer R. Thieme(Der Überfall im Wildbad von Jensen) und Obertertianer H. Bolten(1814 1870 von Jensen). Selbstverfasste Gedichte trugen vor: Unterprimaner G. Wobst(Germania auf dem Meere), Unterprimaner W. Oertel(Die deutschen Farben) und Oberprimaner H. Köhler(Im Kyffhäuser). Nachdem sodann der Oberprimaner H. Metzke einenAbriss der Schlacht von Sedan verlesen hatte, behandelte Herr Oberlehrer Dr. Kell in der FestredeDie Thätigkeit der Feldpost im letzten deutsch-französischen Kriege. Redner schilderte an einer Anzahl von Beispielen die