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II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden.
18. Juli. Das Königliche Provinzial-Schul-Kollegium theilt einen Ministerialerlaß mit, nach dem denjenigen Abiturienten, die sich dem Maschinenbaufach widmen wollen, zu eröoffnen ist, daß sie vor Beginn des Studiums als Eleven Beschäftigung bei einer Eisenbahndirektion zu suchen haben, die unter der Leitung eines Königlichen Präsidenten steht.
10. August. Der Magistrat teilt ein neues Statut über Freischule mit, dessen wesentlichste Bestimmungen sind, daß vom 1. April 1892 an höchstens 10 Prozent der Schüler der eigentlichen Gymnasialklassen im Ganzen von der Schulgeldzahlung befreit werden dürfen, und daß in diese 10 Prozent alle früheren sogen. immunes und älteste von 3 oder mehreren Geschwistern einzurechnen sind, bei denen künftig nur Würdigkeit und Bedürftigkeit in Betracht gezogen werden soll.
5. Februar. Das Königliche Schul-Kollegium macht im Auftrage des Herrn Ministers auf Befolgung hygienischer Vorschriften in den Turnhallen aufmerksam.
12. Februar. Das Königliche Provinzial-Schal-Kollegium verfügt, daß beim Gesangunterrichte sowie bei Schulandachten möglichst die Konfession der Schüler zu berücksichtigen ist.
III. Chronik der Schule.
Das Schuljahr umfaßte den Zeitraum vom 6. April 1891 bis zum 9. April 1892.
Die sechs nationalen Gedenktage, welche nach Allerhöchster Bestimmung in der Schule gefeiert werden sollen, die Geburts- und Todestage der Kaiser Wilhelm Jund Friedrich, der Geburts- tag Sr. Majestät des regierenden Kaisers und der Tag von Sedan wurden in der üblichen Weise durch Gesang des Schülerchors und Festreden der Herren Dr. Habel, Pastor Günther, Subsenior Schwartz, Dr. Schiff, Prof. Seyler begangen. Dem Allerhöchsten Befehle zu einer Feier des 100 jährigen Geburtstages Theodor Körners am 27. September konnte, da die betreffende Ver- fügung des Königlichen Provinzial-Schul-Kollegiums erst an diesem Tage selbst einlief, nur in der Weise nachgekommen werden, daß Tags darauf die Lehrer des Deutschen in den einzelnen Klassen auf die Bedeutung Körners hinwiesen.
Der übliche Schulspaziergang fand am 27. Mai klassenweise unter Führung der Ordinarien und anderer Lehrer statt.
Vom 22. bis 27. Februar unterzog der Generalsuperintendent der Provinz Schlesien, Wirkliche Ober-Konsistorialrat Prof. Dr. Erdmann den evangelischen Religionsunterricht in allen Klassen des Gymnasiums und der Vorschule einer Revision.
Am 10. März wurde in der Aula wie in früheren Jahren eine musikalisch-deklamatorische Aufführung veranstaltet, wobei der Sängerchor unter Leitung des Gesanglehrers, Herrn Oberorganist Hiller, auftrat und eine Anzahl von Schülern aus den oberen Klassen die Rütliscene aus Schillers Wilhelm Telll darstellten. 1
Im Allgemeinen verfloß das Schuljahr in erfreulicher Ruhe ſund Ungestörtheit. Der Gesund- heitszustand der Schüler und Lehrer war im ganzen nicht ungünstig. Nur ein Lehrer, der Oberlehrer Depéene, mußte längere Zeit, von Ostern bis Pfingsten, wegen gefährlicher Erkrankung die Schule versäumen. Seine Vertretung, hauptsächlich durch den Kandidaten Dr. Schirdewahn, ordnete das Königliche Provinzial-Schul-Kollegium und die Patrionatsbehörde in promptester und zuvorkommendster Weise.
Von Schülern haben wir leider durch den Tod zwei verloren, den Abiturienten Karl von Wileke, der in frischer Jugendkraft zu den Ferien auf das Land gereist, nach wenigen Tagen dahin-


