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Der Sinn des Avers iſt: der Franzoſe hat im Würfelſpiel ſchon drei Feſtungen verloren, auch Douay wird ihm abgenommen; ihm gehört noch Arras und Paris. Die Angabe pacem spernentibus iſt darauf zu beſchränken, daß Ludwig XIV, der ſelbſt um Frieden bat, auf die zu harten Forderungen nicht einging.
Spottmedaille auf dasſelbe Ereigniß 43 M. ſchön:
PHILISTER UBER DIR SIMSON: Anna als Delila ſchneidet dem König, der zwiſchen Kriegs⸗ geräth auf einem Pulverfaß ſitzt und ſich auf den franzöſiſchen Schild ſtützt, die Haare ab; hinter ihr kommen zwei Philiſter mit Feſſeln; links bombardirte Stadt. Im Abſchnitt POST VARIAS VRBES]ET DVACVM GALLIS EREPTVM D 27 IVN 1710—
Il faut s»'accommoder aur Dames. Ludwig mit zwei Stöcken tanzt, während Anna die Harfe ſpielt. Im Abſchnitt LUDOVICi ANNA ILLO MAGNæ MAIOR(zu verbinden magnus illo maior, die unterſte Zeile geht im Bogen, und darüber ſteht illo in der Mitte)
Das Tanzen iſt ein boshafter Hohn auf Ludwigs Hinken; die Harfe iſt das Wappen von Irland. In dem Wort Dvacvm ſind die beiden Buchſtaben C und V vor M vertieft; wie es ſcheint, wurde ein anfänglicher Fehler des Stempels dadurch abgeändert.
Zinnmedaille 43 M. von Chr. Wermuth zum Reformationsjubiläum 1717:
MENTE DEO CONCORS AEVO RENOVATVR IN IPSO(Chron.) Verſchiedene Gruppen, vorn wird eine Gans(Huß) ans Feuer gebracht, links ſchreibt ein Mönch an die Kirche mit langer Feder, die einen Löwen ins Ohr ſticht(die Theſes); dazu als Überſchrift SOMXN FRIDER'SAP-EL SAXNOCT-O-AD 31·00T: 1517.(somnium Friderici sapientis electoris Saxoniae nocte) und im Abſchnitt IN MEMOR-IVBEVANG. SECVND4OCT. C. W.(memoriam iubilaei evangelici secundi)— 5
PROPHETABVNTJFILII VESTRI ET'FILIAE VESTRAE!SENES VESTRI] SOMNIA ET IVVENES VESTRI]VISIONES]VIDEBVNT.IOELIS II. 28:(Chron.)
Der Kurfürſt Friedrich der Weiſe hatte auf ſeinem Schloſſe zu Schweinitz einen Traum, den er alſo beſchrieb:„Nach Mitternacht träumte mir, wie der allmächtige Gott einen Mönch zu mir ſchickte, der hatte zu Gefährten alle liebe Heiligen, die ſollten dem Mönch ein Zeugniß geben, daß er ein wahrhaftiger Geſandter Gottes ſei, und Gott ließ mir gebieten, ich ſollte dem Mönch geſtatten, daß er mir etwas an meine Schloßkapelle ſchreiben dürfe, es würde mich nicht gereuen. Ich ließ ihm nun ſagen, er möchte ſchreiben, was ihm geboten würde. Darauf fing der Mönch an zu ſchreiben und machte ſo grobe Schrift, daß ich ſie hier zu Schweinitz— acht Stunden von Witten⸗ berg— erkennen konnte. Er führte auch eine ſo lange Feder, daß ihr oberes Ende bis gen Rom reichte und einen Löwen, der zu Rom lag, in ein Ohr ſtach, auch die päpſtliche dreifache Krone erſchütterte, daß ſie anfing zu wackeln und herunterfallen wollte. Darüber brüllte der Löwe ſo greulich, daß alles herbeilief, um zu erfahren, was geſchehen wäre, und der Papſt begehrte, ich ſollte dem Mönch wehren, weil er ſich in meinem Lande aufhalte. Wir bemühten uns nun ſehr dieſes Mönches Feder zu brechen; aber je mehr wir uns bemühten, deſto mehr ſtarrte und knarrte ſie, wie wenn ſie von Eiſen wäre, alſo daß es mir in den Ohren wehe that und durchs Herz ging.


