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Das Winterhalbijahr begann am Montag den 14. Oktober. Mit dieſem Tage trat als Oberlehrer bei der Anſtalt ein Dr. Heinrich Schotten, der von Schmalkalden hierher berufen wurde. Dr. phil. Heinrich Schotten, geb. zu Marburg am 3. Juli 1856, beſtand die Reifeprüfung am Gymnaſium zu St. Nikolai in Leipzig Oſtern 1876, beſuchte die Univerſitäten Leipzig, Breslau, Berlin, Marburg und legte die Staatsprüfung Juni 1882 in Marburg ab. Dort erwarb er ſich auch im Juli 1883 die akademiſche Doktorwürde auf Grund der Diſſertation:„Über einige bemerkenswerte Gattungen von Hypocyeloiden“. Nach Vollendung des Probejahrs am Lyceum Fridericianum zu Kaſſel war er als Hülfs⸗ lehrer dort und in Hersfeld thätig; 1888 definitiv in Hersfeld angeſtellt, folgte er Oſtern 1890 einem Rufe an das Realprogymnaſium zu Schmalkalden und Michaelis 1895 einem ſolchen an das Kgl. Friedrichsgymnaſium zu Kaſſel. Oktober 1894 wurde er zum Mitglied der Kaiſerl. Leop.⸗Carol. Akademie ernannt. Außer der ſchon erwähnten Diſſertation, mehreren Programmabhandlungen und Aufſätzen in Zeit⸗ ſchriften, ſowie zahlreichen Rezenſionen wiſſenſchaftlicher und pädagogiſcher Werfe erſchien von ihm:„Inhalt und Methode des planimetriſchen Unterrichts. Eine vergleichende Planimetrie“, Leipzig Teubner, Bd. I. 1890, Bd. II. 1893.— Seit 1895 iſt ihm die Herausgabe der im Groteſchen Verlag erſchienenen Reidtſchen Werke übertragen, von denen bisher„Stereometrie“ und„Planimetrie“ in neuer Auflage herausgegeben wurden. Ebenfalls 1895 erſchien„Der Koordinatenbegriff und die analytiſche Geometrie der Kegelſchnitte. Ein Leit⸗ faden für höhere Lehranſtalten.“ Zufolge Verfügung vom 10. Oktober traten mit dem Wiederbeginn des Unterrichts die Kandidaten des höheren Schulamts Julius Freund und Dr. Ludwig Ziehen ihr Seminarjahr hier an. Von Mitte November an wurde in Prima und Oberſekunda eine ſiebente Lateinſtunde eingeſezt. Am 17. November fand die gemeinſame Abendmahlsfeier der evangeliſchen Lehrer und Schüler in der St. Martinskirche ſtatt. Vom 1. Dezember an wurde der Reichstagsabgeordnete Prof. Hüpeden wieder durch den Kan⸗ didaten Homburg vertreten(vgl. Jahresbericht von 1894 und 1895).
Zum Weihnachtsfeſte wurde der Anſtalt von Sr. Majeſtät dem Kaiſer und König ein Exemplar des nach dem allerhöchſtem Entwurf Sr. Majeſtät von Prof. Knackfuß ausgeführten allegoriſchen Bildes „Völker Europas, wahrt eure heiligſten Güter“, mit der allerhöchſteigenen Unterſchrift Sr. Majeſtät „Meinem alten Gymnaſium“ verſehen, huldvollſt zugeſandt. Bei Gelegenheit der am 23. Dezember 11 Uhr zum Schulſchluß bei brennenden Weihnachtsbäumen abgehaltenen liturgiſchen Weihnachtsandacht wurde dasſelbe den Schülern zuerſt gezeigt und von dem Direktor in ſeinen Einzelheiten erklärt. Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer wohnte der Feier bei. Es hängt in der Aula als eine beſondere Zierde derſelben und den Lehrern und Schülern ein dauernder Beweis Kaiſerlicher Huld und Gnade.
Die Weihnachtsferien dauerten bis 6. Januar.
Durch Verfügung vom 7. Januar wurde dem inzwiſchen hierher zurückgekehrten Kandidaten Pellens geſtattet, wieder als unbeſoldeter Hülfslehrer an der Anſtalt beſchäftigt zu werden.
Am 18. Januar fand zur Erinnerung der Kaiſerproklamation eine Feſtfeier in der Aula des Gymnaſiums ſtatt, beſtehend in Feſtgeſängen, Deklamation und einer Feſtrede des Direktors. Ein bei Gelegenheit dieſer Feier angekauftes Bild, eine photogr. Darſtellung der Kaiſerproklamation von A. v. Werner, wurde den Schülern hier zuerſt gezeigt und ſpäter in der Aula aufgehängt. Zugleich wurde eine Anzahl Schriften, welche von der vorgeſetzten Behörde zur Verteilung an würdige Schüler über⸗ ſandt waren, ſolchen eingehändigt. Geheimrat Dr. Lahmeyer wohnte der Feier bei. Am Abend war das Gymnaſium illuminiert.
Am 27. Januar fand zur Feier des allerhöchſten Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Künigs eine öffentliche Schulfeier in der Aula ſtatt, beſtehend in einem Redeverſuch des Unter⸗


