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Das Winterhalbjahr begann am Montag den 9. Oktober. Mit dem Beginn desſelben trat an Stelle des zum Oberlehrer an dem Realprogymnaſium zu Biedenkopf ernannten Dr. Schneider als wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer Baumann.
Ludwig Baumann, geboren am 16. September 1860 zu Herborn, Reg.⸗Bez. Wiesbaden, beſuchte das
Gymnaſium zu Dillenburg, das er Oſtern 1881 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er ſtudierte in Berlin, München
und Marburg eklaſſiſche Philologie und beſtand an letzterer Univerſität am 12. Februar 1886 die Prüfung pro
facultate docendi. Das pädagogiſche Probejahr leiſtete er von Oſtern 1886 bis dahin 1887 am Königl. Gymnaſium zu Wiesbaden ab, woſelbſt er noch bis Oſtern 1891 als unbeſoldeter wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer thätig war. Von da bis Herbſt 1891 war er am Königl. Gymnaſium zu Hanau, von Herbſt 1891 bis Oſtern 1892 am Königl.
Gymnaſium zu Hersfeld, von Oſtern 1892 bis Herbſt 1893 am Königl. Realprogymnaſium zu Biedenkopf als
wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer beſchäftigt und wurde Herbſt 1893 in gleicher Eigenſchaft dem hieſigen Friedrichs⸗
Gymnaſium überwieſen.
Zu derſelben Zeit kehrte Kandidat Auth, nachdem er ſein Probejahr in Wiesbaden an dem Realgymnaſium abſolviert hatte, an das Friedrichsgymnaſium zurück und wurde mit der Erteilung einiger Unterrichtsſtunden betraut. Als Seminarkandidaten traten ein die Kandidaten des höheren Lehramtes Pohl aus Caſſel und Jäckel aus Görlitz.
Mit Vertretung des zum Reichstagsabgeordneten gewählten Prof. Hüpeden wurde vom 13. November ab Kandidat Homburg aus Hersfeld, zuvor in Hanau, beauftragt.
Am 12. November fand eine gemeinſchaftliche Abendmahlsfeier evangeliſcher Lehrer und Schüler des Gymnaſiums in der St. Martinskirche ſtatt.
Am 23. Dezember 11 Uhr wurde zum Schulſchluß bei brennenden Weihnachtsbäumen eine liturgiſche Weihnachtsandacht abgehalten. Die Ferien dauerten bis zum Dienſtag den 9. Januar.
Am 18. Januar ſtarb der hier als Penſionär lebende hochverdiente frühere Lehrer der Anſtalt Dr. Johann Karl Flügel. Er war ſeit der Reorganiſation unſeres Gymnaſiums im Jahre 1835 bis Michaelis 1870 Lehrer des Lyceum Fridericianum geweſen. Bei ſeinem Abgange wurde von dank⸗ baren Schülern zur dauernden Erinnerung an ſein ſegensreiches Wirken als Lehrer die„Flügelſtiftung“ begründet. Der Direktor ſprach zu ſeinem Gedächtniſſe in der Andacht am 20. Dezember, am Nach⸗ mittage desſelben Tages geleiteten ihn die Lehrer und die Prima des Gymnaſiums, ſowie zahlreiche frühere Schüler zu ſeiner letzten Ruheſtätte. Er vermachte der Anſtalt eine große Photographie von ſich, drei Album, enthaltend Photographien von früheren Schülern, eine größere Anzahl von Mannſkripten, beſonders Geſchichtstabellen, und für die Flügelſtiftung ein Kapital von 3000 Mark..
Am 27. Januar wurde die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs feſtlich begangen durch einen öffentlichen Schulaktus, beſtehend in Chorgeſängen, Deklamationen, dem Rede⸗ verſuche des Unterprimaners Clermont über„Richard Wagner als Patriot“ und einer Feſtrede des Oberlehrers Dr. Heermann über die„Verdienſte der Deutſchen um die Himmelskunde.“
Die ſchriftliche Reifeprüfung für den Oſtertermin fand ſtatt in der Zeit vom 22. bis 26. Januar, die mündliche unter dem Vorſitze des Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer am 17. Februar.
An Stelle des zum Kaplan in Hersfeld ernannten Kaplan Jeſtädt wurde von Anfang Februar ab Kaplan Gruß dahier mit der Erteilung des katholiſchen Religionsunterrichts an beiden Gymnaſien beauftragt.
Am 24. Februar fand in einer öffentlichen Feier die Entlaſſung der Abiturienten ſtatt. Der Primus derſelben, Chriſtian Kaup, hielt eine Abſchiedsrede über das Thema:„Warum würdigt die Nachwelt große Männer beſſer als die Mitwelt?“ Ihm überreichte der Direktor nach ſeiner Ent⸗ laſſungsrede die Richterſche Denkmünze. Se. Durchlaucht der Fürſt zu Wied ließ tags darauf durch ſeinen Sohn, den Erbprinzen Friedrich, dem Direktor den Betrag von 300 Mark für die Gideon⸗


