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3 (1859)
Entstehung
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und der Gewalt des Wurfes durchſchüttert, zur Erde, aber wie durch ein Wunder war ſie völlig unverletzt geblieben. Ihr Unfall beſchleunigte nur den Sieg der Franzöſiſchen Waffen. Deun, von neuer Glaubenskraft geſtählt, erhob ſie ſich alsbald wieder und rief mit Prophetenſtimme den Ihrigen zu:Freunde! Freunde! hinauf! hinauf! Unſer Herrgott hat die Engländer ver⸗ ſtoßen. Zu dieſer Stunde ſind ſie unſer. Seid getroſtes Muthess². Das war der Glaubens⸗ ruf, deſſen Zauber die Franzoſen ſchon ſo oft zu den äußerſten Kraftauſtrengungen fortgerißen hatte. Unaufhaltſam drangen ſie vor, nach wenigen Minuten waren die Befeſtigungswerke er⸗ klommen, Jargeau erobert. Im ganzen hatte der Sturm nicht weniger, als drei bis vier Stunden gedauertss.

Als der Herzog von Suffolk jede Hoffnung geſchwunden ſah, die Stadt gegen die herein⸗ brechenden Feindesſcharen zu behaupten, zog er ſich mit ſeinen beiden Brüdern und den Ueber⸗ bleibſeln ſeiner Truppen nach dem Brückenbollwerk zurück, welches den Uebergang zu dem rech⸗ ten Loireufer beherrſchtes. Auf der Flucht aber fiel ſein Bruder Alexander Pole von dem Schwerte der Verfolgerss, und die Brückenfeſte ergab ſich beim erſten Anlaufsé. Hundert ſechzehn Engländer wurden auf der Brücke von den ergrimmten Siegern erbarmungslos niedergemetzelt, nur wenige gefangen genommens:. Zu den letztern gehörte der Graf von Suffolk ſelbſt ſowie ſein Bruder Johann Pole nebſt mehreren vornehmen Engländern, denen man das Leben nur deshalb ſchenkte, um ihnen ein ſchweres Löſegeld abzupreſſen. Der Graf ergab ſich einem jungen Kriegs⸗ helden, Wilhelm Regnault, von Auvergne.Biſt du ein Edelmann? fragte der Graf, als W. Regnault auf ihn einſtürmte.Ja, antwortete er.Auch ein Ritter? fragte Suffolk weiter.Nein, erwiderte jener. Da hieß ihn der Graf naͤher treten, ertheilte ihm den Ritterſchlag und reichte ihm dann ſein Schwert zum Zeichen der Ergebungss.

Ebenſo ſchonungslos, wie die Engländer, wurden die Bürger von Jargeau behandelt, welche die Waffen gegen ihren rechtmäßigen König getragen hatten. Dafür zeugt die Maſſe der Ge⸗ tödteten, deren Geſammtzahl mehr als elfhundert beträgt, während nach der höchſten Angabe nur ſechshundert Engländer ihr Leben eingebüßt habenss. Auch die übrigen Bewohner von Jargeau, welche dem Blutbade entrannen, wurden für ihre Untreue ſchwer gezüchtigt. Die ganze Stadt wurde ausgeplündert, und ſelbſt die Kirche, in welcher man eine Menge von Gütern geborgen hatte, dldeb nicht verſchontso. Die Leidenſchaften der Rachſucht und Habgier ſtachelten die Krieger, insbeſondere die Bürgerwehrleute zu mancherlei Unthaten der Grauſam⸗ keit. Die funfzig bis ſechszig vornehmen Engländer, welche man des Löſegeldes halber zu Ge⸗ fangenen gemacht hatte, wurden aus Neid und Misgunſt gröſtentheils unter den Händen ihrer Beſitzer hingeſchlachtet, ſo daß die Jungfrau und der Herzog von Alencon ſich genöthigt ſahen, den Grafen von Suffolk mit ſeinem Bruder und andern Engliſchen Herrn zu Schiffe nach Orleans abführen zu laßen, um ſie vor dem gleichen Schickſale zu bewahrenél.

Der ganze Verluſt, womit die Franzoſen dieſen großen Sieg erkauften, ſoll nur ſechzehn bis zwanzig Menſchenleben betragen habené². Eine Franzöſiſche Beſatzung wurde in der ab⸗ trünnigen Stadt zurückgelaßen. Die übrige Armee marſchierte noch an demſelben Tage(13. Juni) wieder nach Orleans, wo ſie mit großem Jubel empfangen und namentlich Johanna mit gleicher Begeiſterung gefeiert wurde, wie in den Glanztagen der Befreiung der Stadt. Denn ſie war es allein, der man dieſen neuen Sieg zu verdanken glaubte, und der neue Sieg ward als neue Bürgſchaft betrachtet, daß Gott ſie erwählt habe, um den König in den Voll⸗ beſitz des Reiches zu ſetzen. Alsbald nach der Ankunft in Orleans, wurde dem König die Einnahme von Jargeau gemeldetés. Die Freude über dieſe Botſchaft bewog ihn, den ſchon früher gefaßten Entſchluß, ſeinen Aufenthalt in der Nähe des Kriegsſchauplatzes zu nehnien, nunmehr in Ausführung zu bringen. Er wählte die zwiſchen Jargeau und Gien gelegene Stadt Sully, welche unter Lehnsherrſchaft des Herrn von La Trémouille ſtand, zum Hoflager und ſandte Boten nach allen Richtungen aus, um ſeine Getreuen in die Reihen des Befreiungs⸗

heeres zu berufens¹. 4