XVI
V. Ordnung der Schulfeier.
Nächsten Freitag, den 14. September, wird der Stiftungstag hiesiger Landesschule in gewohnter Weise gefeiert werden:
Vormittags um 7 Uhr beginnt in der Klosterkirche ein feierlicher Gottesdienst, um dem Höchsten durch Predigt und Gesang Dank und Verehrung für die im vergangenen Jahre der Landesschule und ihren Bewohnern erwiesenen Wohlthaten darzubringen.
Nach der kirchlichen Feier tritt eine Pause von einer halben Stunde ein. Sodann nimmt auf ein mit der Schulglocke gegebenes Zeichen in der Aula Scholae der Redeactus seinen Anfang, wobei einige Schüler der ersten Classe mit selbstverfassten Versuchen von Reden und Gedichten auftreten werden.
ZLuerst wird der Extraneer Hans Leopold von Globig aus Dresden in einem Deut- schen Vortrage einen Rückblick auf den Zustand unseres Landes und Folkes thun zu der Zeit, wo unsere Schule gegründet awurde.
Ilierauf werden drei Alumnen, welche nach rühmlich bestandenem Maturitäts-Examen zur Universität abgehen, in Deutschen Gedichten von Lehrern und Schülern Abschied neh- men, zuvor aber noch folgende Vorträge halten:
Gustav Ernst Sehwähbe aus Dresden wird eine Lateinische Ode im Versmaass des Al- cäus über den Ausspruch des Seneca Epist. 79.§. 12.: illastrat Fortuna, quos vexut, vortragen.
Robert William Fritzsche aus Leipzig wird Lateinisch sprechen: de causis, cur Homeri carmina legentes miro quodam modo alliciant allectosque teneant.
Johann Carl Eduard Wilsdorf aus Döbeln wird in einer Lateinischen Rede zeigen: IIi- storiam evi medii nobis potissimum Germanis magnam suuvitatis commenduationem habere.
Diesen drei Alumnen wird hierauf der Unterzeichnete die Maturitäts-Zeugnisse zur Akademie aushändigen, und sodann die Namen derjenigen Alumnen bekannt machen, welchen diesmal vom Schulcollegium Stipendien und Prämien zuerkannt worden sind.
Zuletzt wird der Primaner Adolph MWachsmulh aus Kiel am Schlusse seiner Lateini- schen Rede: de litterarum artiumhue Graecarum apud Romanos studiis eorumque in- erementis, das dankbare Andenken an die edlen Stifter jener Stipendien und Prämien feiern, und zugleich den scheidenden Freunden zu ihrem ehrenvollen Abgange von der Schule in einem Deutschen Gedichte Glück wünschen. Gesang wird diesen Actus beschliessen.
Zur geneigten Theilnahme an dieser Schulfeier werden hierdurch sämmtliche Gönner und Freunde hiesiger Anstalt aus der Nähe und Ferne ehrerbietig und tergebenst eingeladen.
Königl. Sächs. Landesschule zu Grimma am 9. September 1838.
M. August Weichert.


