Druckschrift 
3 (1830) Quaestionum scenicarum specimen tertium : Quo Publici Examinis D. VII. April. A MDCCCXXX. in Regio Gymnasio Ioachimico instituendi solennia indicit / Augustus Meineke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

VIII

Anstalt beibehalten. An seine Stelle trat der Königl. Seminarist und Schul-Amts-Can- didat Ziegler.

Zu Michaelis verlieſsen uns der Alumnen-Inspector Dr. Neydecker und der Königl. Seminarist Salomon. Jener wurde als ordentlicher Lehrer an der Ritter-Acade- mie zu Brandenburg, dieser als ordentlicher Lehrer an dem hiesigen Friedrich-Wilhelms- Gymnasium angestellt. Die Stelle des Dr. Neydecker wurde mit dem Schulamts-Can- didaten Biese wieder besetzt.

4) Am 1. Februar betrauerten wir den Tod eines unserer Collegen, des Professor Kannegiefser. Schon seit Zeit mit igfachen Leiden kämpfend und seit Michaelis aufser Stande seinen II- icht f lag er endlich dem Andrange zunehmender Schwäche und entschlief sanft und ohne Schmerzen am 1. Februar d. J. Die musterhafte Gewissenhaftigkeit, mit welcher er sein Amt verwaliete, der ausgezeichnete Erfolg, welcher seinen Unterricht begleitete, endlich die anspruchlose Einfachheit seines ganzen Wesens und die Güte und Reinheit seines Charakters haben ihm ein unauslösch- liches Andenken in den Herzen seiner Mitlehrer und zahlreichen Schüler gesichert. Sanft ruhe seine Asche!

Ueber die frühern Lebens-Verhältnisse unseres Freundes füge ich noch folgende Notizen hinzu, welche mir der Schwager desselben, Herr Klaeden, mitzutheilen die Güte gehabt hat.

Johann Christoph Kannegiefser, wurde geboren den 17. März 1788 zu Wende- mark, einem Dorfe in der Altmark, wo sein Vater, der nachherige Inspector(Superinten- dent) zu Werben, Prediger war. Seinen ersten Schulunterricht erhielt er auf dem Gymna- sium zu Stendal, wo vornehmlich der damalige Lehrer Hanstein, jetzt Prediger zu Pots- dam, ein Bruder des verstorbenen Probstes, seine Liebe zum mathematischen Studio weckte und belebte, so daſs Kannegiefser sogleich nach dem Tode seines Vaters, welcher ihn für das juristische Fach bestimmt hatte, sich ganz der Mathematil widmete. Den 13. April 1805 erhielt er die Matricul, welche ihn befähigte den Collegien der hiesigen Dau-Akademie beizuwohnen. In demselben Jahre meldete er sich zum Feldmesser-Examen, wurde am 12. October ej. an. geprüft und in Folge dessen am 21. Mai 4806 vereidet. Im März 1812 wurde er von der wi- haftlichen Commissi. zu Berlin geprüft und am 3. April 1812 zum Oberlehrer an der Kathedralschule in Marienwerder ernannt. Nach 3 Jahren(den 24. März 1815) wurde ihm die Stelle eines Inspectors der Alumnen des Joachimsthalschen Gymnasii conferirt. Die Bestallung als Oberlehrer desselben Gymnasii und Mitglied des Concilium Proſesgonum erhielt er den 15. November 1815. Im folgenden

Jahre wurde ihm der Professor-Titel ertheilt. In d T Jahre 1816 verheiratl er sich mit der einzigen Tochter des Prediger Klaeden zu Seehausen in der Alimark, die er jetzt mit 4 ündigen Kindern hinterl. hat.