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II. Aus der Schul⸗Chronik.
Das Schullahr 187771s ſchloß am 10. April; das neu Sculjahr begann am 25, Ahpril mit der Einführung der Nodizen. Wie dasſelbe ein Jahr teffter Betrübniß für das geſammte Vaterland, denn die Tage der 11. Mai und der 2. Junt mit ihren fluchwundigen Attentaten auf unſern lieben Kaiſer und Konig ſezen ja unausliſchlich in den Blättern preußſſcher Geſchihte, ſo iſt dasſelbe außerdem für die Schule ein Jahr der Trauer geworden, da ſie in demſelben zvei Lehrer und zwei Schüler zu Grabe geleiten mußte⸗ Der Oberlehrer Herr Dr. Reinhold Fock, welcher der Anſtalt ſet ihrer Griindung angehürte und der ſchon ſchwer krank mit Aufbietung ſeiner Kräſte ſiinem Amte vorſtand, wurde unmittellar nach Wiederanfang der Lectionen am 30 Apeil uns plötlich durch den Tod entriſen und der ordentliche Lehrer Herr Dr. Sylpeſter Heröſt folgt ihm etenſo unerwartet am Schluſſe der Hundztegsſeren 7. Jun im Tode nach Beden eſrie bewahrt die Schule ein dankbares Gedenken!, Ebenſo betrauern wir den Tod des leben, zu ganz deſondern Hoſſtungen berechtigenden Ober Tertianers Paul lemk, welcher am 22. Juni 1878 im elterlichen Hauſe ſtard, und des Unter⸗Tertianers Max Meinke, des einzigen Kindes ſeiner tief trauernden Cltern, welcher am 2l. Frbruar 1870 nach nur lurzer Krankheit verſchied. Wie das Gedächtniß, der uns entriſenen Sollegen in beſonderen Trauerandachten geſeiert wurde, ſo gedachten wir auch der beden liehen Schüler in den Morgenandachten, welche die Schule nach ihrem Tobe wider verſammelt ſahen. Max⸗ Meinke geleiteten der Ordinarius und die Mitſchller zum Grabe. Schenke ihnen allen der gnädige Gott eine fröhliche Auferſtehung! In dieſer durch den Verluſt der Lehrkräfte ſchweren Zeit. ſtand uns Herr Paſtor Bindemann treu belſend zar Seite; für ſeine Aushülfe ſei ihm auch an dieſer Stelle berzlicerr Danl geſgt. Von anderen Störungen des Unterrichts abgeſehen ſei noch ervähnt, daß Herr Proſtſſor Krahmer zum Gebrauch einer Bavehenenen dedehnuhiſen leldn rhat ſoie daf der leneicneit dundzſhner Ertmunund geͤuungen, ſeinem Amte vier Wochen hindurch fern bleiben mußte „ee Die vacanten Lehrerſtellen wurden nach dem Beſchluß des Hochedlen Raths durch Ascenſion beſebtz die aufrlckenden Lehrer ſyrachen dem Patrone ihren herglihſten Dank aus, der auch hier noch wiederolt wird In die vorletze ordentliche Lehrerſtelle rückte der aus Prenzlau berufene wiſſenſchaftliche Hilſslehrer Herr Dr. Ferdinand Bäker), deſſen Emführung in ſein Amt am 14. Octber erſolgte; vereidigt wurde er am 11. December. Für die noch zu beſebenden Stund die Unter⸗Seeunda war füͤr das Schuliahr gelheilt worden— wurden die Schulamts Candidaten Herren Eick, Herfarth und Zobſt gewonnen. In den Tagen vam 24. bis 26. Aund unterzog der Geheime Regierungs⸗ und Prouinzal⸗Schulrath Herr Dr. Wehrmann die Anſtalt einer eingehenden Reviſion. Er wohnte dem Unterricht in allen Klaſſen und deden wefen ineriheenänden ei ſt Ralſſon, Deuſaz Fraaiſt, Aitenatt Shemi, ghnene lla Poyſit. Botanik; II. Latein, Deutſcht ll A. Religion, Franzeſiſch; AII B. Engliſch Arithmetik; 1yA. Religion, Recmen; IV B. Religon, Geſchichte, Rechnen, Naturgeſchichte; J K. Franzbſüſch, Geographie; VB. Schreiben; VIA. Rechnen; VIB. Jatein), ah die Arbeiten der Primaner im Laboratorium und die Turm und ſchen Uebungen der Schule auf dem Turnplatz. Ebenſo ſchenkte er uns ſeine Gegemwart bei der Enthülungsfeier der nen in der Auſs aufgeſtelten Biſten von Luher und Melanchthon und hielt am Schluſſeerſelben eine egreifende Anſprache an die Schiler. Am Cnde der Reuſion ſprach er in einer brſonderen Conferenz, welcher auch der weoſcholarch der Schult, dier Geheimralh Denhard, anmohnte, iber ſeine Wahrnehmungen und das eſammt Ergebniß der Rrviſton. Für die mannichfache Anregung, ſowie fir das Wohlwallen, welches der Wßla Commiſſarins reichem Maße der Anſtalt bewies, ſind wir demſelben zu herzlichen Danke verpilihtet Die Mehrzahl der Schller der Primg, Ober und Unter Seeunda unternahm in den Tagen 24. big 26. Auguft unter Leitung der Herren Forſter und Kirchhoff eine Rügemvanderung, die übrigen Klaſſen uniernahmen lleinere Ausftlge „e Am 2. Sepiember feierten wir das Stdaufeſt, in gewohnter Weiſe, Der Unterzeichete ſchloß im Hinblick auf dſe Attentate ſeine Anſprache an die Schler mit der Frage: Mit welchen Empfindungen ſeierm wir im Jahre der Schmach den Sedantage
*) Jerdinand Friedric Gottfriedn
aler wurde am 1a. December 1852 zu Ahelam geboren, beſuchte das Gyunmaſtum ſeiner Vaterſnde, beſtnd 1871 das Abllurkenten⸗Eruuen ſtudierte ln reiſswaid Phlologie, wurde Sſen 1875 zuns Bactar der uſohs deene uſcie es ſan Sſauts fnnnt alſethe ein Kabelahe an haneſun zu
repiow, war von Oſern 1878 bis Mitnells als wiſenſchafticher Dütſstehier am unnaſiunn zu Prenzlau beſchäſigt und wurde von dort aus in ſein hieſges Amt beruſen.


