Druckschrift 
2 (1907)
Entstehung
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26

Kein Kunſtgriff war ſo neu, ſo wußt und übt ich ihn;

10 Ich kannte ſchon das Blatt, eh noch das Blatt erſchien,

Und ſelten wird ein Mann, auf dieſe Kunſt befliſſen,

Mit Volten meiner Art, ein Blatt zu legen wiſſen.

Mein Glück blieb wandelbar; bald hatt ich nichts, bald viel, Und ob ichs oft verſchwur: ſo ließ ich nie das Spiel.

15 Im Spielen ſtarb ich auch; denn mitten im Verlieren, Gleich da das Coeur- fiel, muß mich ein Schlagfluß rühren. Wahr iſt es, meine Zeit ward übel zugebracht;

Allein ich bin nicht ſchuld; der, der die Karten macht, Verdient beſtraft zu ſeyn, und mag den Spruch erwarten.

20 Hier griff er in den Rock und ſuchte ſeine Karten,

Und fand ſie unverſehrt, und miſcht und mengte friſch, Lud ſelbſt den Minos ein und bath um Stuhl und Tiſch. Gut! hub drauf Minos an, hier menge ſtets vom friſchen, Denn ſpielen ſollſt du nie, wohl aber ewig miſchen.

25 So ſteht denn ſeine Hand zu keiner Stunde ſtill. Stets kömmt ein Geiſterheer, das pointiren willl. Doch wenns der Spieler wagt, einmal ein Blatt zu ziehen; So iſt die Müh umſonſt, denn alle Geiſter fliehen: O Unglück! ruft er ſtets, hat denn kein Menſch hier Geld? 30 Verſteht kein Menſch das Spiel? Was iſt doch eine Welt, Wo kein Coffeehaus iſt? o Brüder, bleibt auf Erden, Da kann ein braver Mann mit Ruhm ein Spieler werden!

Der Anbedacht.(Bel. 1744 B, S. 288.) Durch ein gemein Geboth, wie die Geſchichte ſagt, Ward einſt der Unbedacht aus unſrer Welt verjagt. Kein Weiſer und kein Held, kein Kaufmann wollt ihn dulden; Dort bracht er Irrthum vor, und hier Verluſt und Schulden. 5 Er floh zum Jupiter in ängſtlicher Geſtalt Und bath um ſichern Aufenthalt. Mercur erhielt Befehl, dem Armen bey zu ſpringen; Schnell war Mercur bereit, ihn an den Mann zu bringen. Er gieng; doch dieß iſt falſch. Gehn wird Mercur nicht ſehr, 10 So lang er Flügel hat. So flog er denn vielmehr Mit ihm zum Liebesgott. Hier, ſprach er, kannſt du bleiben. Ein Gott, der niemals ſieht, wird niemals dich vertreiben; Und ſeit der Zeit, da dieß geſchehn, Läßt ſich der Unbedacht auch bey der Liebe ſehn. 15 Oft geht er vor ihr her mit Pfeilen auf dem Rücken; Und eh die Liebe kömmt: ſo pflegt er loszudrücken.