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II. Buch. III. Tit. Von Contraeten und Verbindlichkeiten.
welches in Tit. Cod. de formulis et impetrationibus aotionum sublatis die erſte Stelle einnimmt. Juris formulæ, ſagt dieſer Kaiſer, aucupatione labarum insidiantes, cunctorum
actibus radiatus amputentur.
Es iſt dieſemnach auffallend, daß man die römiſchen Geſetzbücher noch mit allen dieſen Formalitäten, und allen dieſen Diſtinctionen angefüllt findet, die doch lange vor Fuſtinian außer Gebrauch gekominen waren. Dieß rührt aber daher, weil er a) ſeinem Kanzler vorgeſchrieben hatte, ſelbſt den Text der alten Rechtsgelehrten beyzubehalten, aus deren auserleſenen Entſcheidungen die Pandecten gebildet wer⸗ den ſollten, weil b) dieſes unermeßliche Werk binnen drey Jahren zu Stande gebracht worden iſt, dieſe Umſtände aber den Verfaſſern nicht erlaubten, einen gründlichen und wohl geordneten Auszug aus den vortrefflichen Grundlehren, die ſie bey den Alten antrafen, durch Abſonderung alles deſſen zu machen, was außer Gebrauch gekommen war⸗ und zu weiter nichts dienen konnte, als die Rechts⸗Liebhaber in Ver⸗ wirrung und Verlegenheit zu ſetzen. S. die beyden Verord⸗ nungen Juſtinians, de conceptione und de confirmatione digestorum, von den Jahren 530 und 333. Immer habe ich übrigens bedauert, daß Herr Pothier, anſtatt eine vollſtän⸗ dige Sammlung zu machen, ſich nicht damit beſchäftigt habe, alles dasjenige, was aus den römiſchen Geſetzbchern ſich auf unſere Sitten anwenden läßt, mit Auslaſſung alles uͤbrigen in Ordnung zu bringen: auf dieſe Weiſe ließe ſich ein Werk machen, das die Wiſſenſchaft des Gerechten und Ungerechten zur hoͤchſten Stufe von Vollkommenheit bringen wuͤrde.*)
*) Verſchiedene Bemerkungen waͤren wohl hie und da bey der vor⸗ liegenden Einleitung zu machen; ich übergehe ſie aus der Urſache⸗ weil die Quellen, woraus Berichtigungen dieſer Art geſchöpft werden können, und worunter Webers ſyſtematiſche Entwicke⸗ lung der Lehre von der natuͤrlichen Verbindlichkeit und deren gerichtlichen Wirkung eine vorzügliche Stelle einnimmt, zuver⸗ läßig in den Händen der Leſer exiſtiren.


