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Vierter Band (1812) Kurze Darstellung der Napoleonischen Civil-Gesetzgebung in Beziehung auf die Rezeption des Code Napoléon in teutschen Landen 1809
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ſeyn. Abweſenheitserklaͤrungen können auch ſo haͤu⸗ ſig nicht vorfallen, daß dadurch der Geſchaͤftskreis der Hoſgerichte betraͤchtlich koͤnnte erweitert werden.

2) Dem Procureur impérial mußte das Tribu⸗ nal bei jedem einzelnen Abweſenden(nicht in jedem einzelnen Fall) einen Curator ad hoc ſubſtituiren.

Man darf hier den beſondern Character des Ver⸗ fahrens des Code Napoléon bei der Abweſenheits⸗ erklaͤrung nicht aus dem Geſicht verlieren. Das Ge⸗ ſetz denkt ſich den Abweſenden in einer doppelten, con⸗ tradietoriſchen Lage; einmal als Verſtorbenen, zwei⸗ tens als Lebenden. Rach der erſten Hypotheſe wird der Praͤſumtiv⸗Erbe in den Beſitz des Vermoͤgens des Abweſenden eingeſetzt. Nach der zweiten wird das Intereſſe deſſelben vom Ministére public ver⸗ treten

Beide Hypotheſen werden eontradictoriſch von zwei entgegengeſetzten Parteien verfochten; der Rich⸗ ter ſteht in der Mitte und entſcheidet. Dieſes Ver⸗ haͤltniß dauert bis zu dem den envoy definitif ver⸗ ordnenden Urtheil fort.

Um das Geſetz in ſeinem Geiſt ohne Einfuͤh⸗ rung der franzoͤſiſchen Gerichtsverfaſſung anzuwen⸗ den, muß dem Procureur impérial, ſo wie von der Exiſtenz eines Praͤſumtiv⸗Abweſenden die Rede iſt, ſo wie ein Glaͤubiger oder Intereſſent die Beſtel⸗ lung einer Curatel, um gegen ſie ſeine Klage richten zu koͤnnen, nachgeſucht, ein rechtskundiger Geſchäfts⸗ mann ſubſtituirt werden. Die Wahl deſſelben bleibt voͤllig dem Tribunal uͤberlaſſen. Nur darf ſie nie den bei der Hypotheſe des Ablebens des Abweſenden, intereſſirten Praͤſumtiv⸗Erben treffen. Denn die⸗ ſer wird bei dem Verfahren uͤber die Abweſenheits⸗ erklaͤrung der Gegner des Curators. Unter dieſer Vorausſetzung koͤnnen alle in dem Geſetz uͤber Abwe