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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
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genden Falle jedoch kann der Grundeigenthuͤmer nicht fo⸗ dern, daß dergleichen Anlagen weggeſchafft werden: wenn ſie nemlich von einem Dritten gemacht ſind, der den Grund durch Eviction verloren hat, und dabei nicht zur Wieder⸗ erſtattung der Fruͤchte iſt verurtheilt worden, weil er ein redlicher Beſitzer war. In dieſem Falle hat aber der Grundeigenthuͤmer die Wahl, ob er den Werth der Ma⸗ terialien und den Arbeitslohn erſetzen, oder ob er den Betrag bezahlen wolle, um den der Werth des Grundes geſtiegen iſt..

556. Wenn ſich fremde Erdtheile allmaͤhlig und un⸗ merklich an die Ufergruͤnde eines Fluſſes oder Stromes anſetzen, und auf ſolche Art dieſelben vergroͤßern: ſo nennt man dieſen Zuwachs Anſpuͤlung oder Alluvion.

Eine ſolche Anſpuͤlung oder Alluvion kommt dem zu gut, welchem der Ufergrund gehoͤrt, und zwar in allen Faͤllen, die Rede mag von einem Strome oder Fluſſe, der ſchiffbar oder floͤßbar iſt, oder nicht, ſeyn. Nur muß der Eigenthuͤmer des Ufergrundes im erſten Falle*) den Lein⸗ pfad, den daruͤber beſtehenden Verordnungen gemaͤß, frei laſſen.

557. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit den trockenen Gruͤn⸗ den, welche das Stromwaſſer bildet, wenn es ſich allmaͤh⸗ lig von einem ſeiner Ufer auf das andere zieht. Dem Eigenthuͤmer des entbloͤßten Ufers kommt die Alluvion zu gut, und der Eigenthuͤmer des gegenuͤberliegenden Ufer⸗ grundes hat kein Recht, den Grund in Anſpruch zu neh⸗ men, den er verloren hat.

In Anſehung jener Stellen, welche das zuruͤcktreten⸗ de Meer entbloͤßt laͤßt, hat dieſes Recht nicht Statt.

558. Auch bei Seen und Teichen findet dieſes Recht keine Anwendung. Der Eigenthuͤmer derſelben behaͤlt im⸗ mer den Grund, den das Waſſer bedeckt, wenn es auf die Hoͤhe kommt, wo es abfließt, und er behaͤlt jenen Grund auch dann, wenn das Waſſer unter dieſe Hoͤhe faͤllt.

Dagegen erlangt aber auch der Eigenthuͤmer des Tei⸗ ches kein Recht auf die Ufergruͤnde dadurch, daß ſein Waß ſer dieſelben bei ungewoͤhnlichem Anwuchs bedeckt.

*) Wenn näamlich der Fluß oder Strom ſchiffbar oder floßbar iſt.