26 Begnadigungsgeſuche betreffend.
vorſaͤtzliche Verdrehung des Fak⸗
tums, oder auf jare andere muth⸗
willige und boshafte Art, ſich das
Armenrecht zum Nachtheil der
Gegenpartei erſchlichen hat; ſo verurtheilt es dieſelbe in die Er⸗ ſtattung der Koſten ſelbſt durch koͤr⸗ perliche Haft und uͤberdies zu ei⸗ ner Gefaͤngnißſtrafe von 8 Tagen bis zu einem Monate.— Dieſe Erkenntniſſe ſind nur dann der Ap⸗ pellation und dem Kaſſationsge⸗ ſuche unterworfen, wann das ÜUr⸗ theil über die Hauptſache ſelbſt es ſeyn kann.— Die in den Ar⸗ tikein 1, 2, 3 enthaltenen Verfü⸗ gungen, ſind auch bei Klagſachen, ie zur Kompetenz des Friedens⸗ gerichts gehören, anwendbar. Nur iſt in dieſem Falle alles, was dort dem Staatsprokurator und dem Kreisgerichte uͤbertragen wurde, dem Friedensrichter überlaſſen, ſo wie die Vollziehung der Artikel
4, 5, 7 und 8 in ſo weit ſie auf 1
das Verfahren bei dem Friedeus⸗ gerichte anwendbar ſind, mit der Einſchraͤnkung jedoch, daß die im Art. 8 erwaͤhnte Gefaͤngnißſtrafe hier unr von 3 bis 14 Tage ver⸗ häͤngt werden kann. 9) Im Falle das Armenrecht bei der Inſtanz vor dem Kreisgericht nicht nachge⸗ ſucht oder nicht verwilligt worden wäre, und bei der Fortſetzung des Prozeſſes bei der hoͤheren Inſtanz darum angeſucht wird, verfaͤhrt dieſe Inſtanz in Ertheilung des Armenrechtes auf dieſelbe Art wie bei dem Kreisgerichte.— Ge⸗ genwaͤrtige Verordnung wird durch
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das Amtsblatt zur allgemeinnn ahen
Kenntniß gebrachh. faser usnaih den 19. November Die K. K. öſter. und K. baier. ge⸗ meinſchaftliche Landesadminiſtra⸗ tionskommiſſion.
VI. Die Begnadigungsgeſuche betreffend.
— Maximilian Joſeph ꝛc.
Um einerſeits den aus dem Rheinkreiſe an Uns gerichteten Geſuchen um Nachlaß oder Mil⸗ derung der von den Gerichten ausgeſprochenen Strafen, in ſo ferne denſelben hinreichende Mo⸗ tive zum Grunde liegen, die bil⸗ lige Wurdigung nicht zu entziehen, andern Seits aber die muthwilli⸗ gen Vorſtellungen dieſer Art zu entfernen, haben Wir in lleber⸗ einſtimmung mit den in den uͤb⸗ rigen Kreiſen beſtehenden Vor⸗ ſchriften zu verfüͤgen beſchloſſen, wie folgt: 1) Alle Begnadigungs⸗ geſuche ſollen von einem rezipirten oͤffentlichen Anwalde verfaßt, oder wenigſtens unterzeichnet ſeyn, in
welchem letztern Falle der unter⸗
ſchriebene Anwald fuͤr den Inhalt der Vorſtellung haftet. 2) Wird um Nachlaß oder Milderung ei⸗
ner vor einem Zuchtpolizeigerichte
erkannten Strafe gebeten, ſo muß eine Abſchrift des Erkenntniſſes beigelegt werden. 3) Iſt der um
Begnadigung Anſuchende arm, ſo
hat er ſeine Armuth durch ein von der Kreisdirektion beglaubigtes Zeugniß des Ortsvorſtandes zu beſcheinigen, auf welches Zengniß die Gerichtsſchreiberei demſelben die Abſchrift des Erkenntniſſes ge⸗ gen Entrichtung der bloßen Ab⸗ ſchreibgebuͤhr unverſchieblich ver⸗ abfolgen zu laſſen hat. 4) Man⸗ Pelt es den Vorſtellungen an den
rforderniſſen 1 oder 2, ſo wer⸗
den ſolche ohne Entſchlieſſung zu den Akten gelegt.— Die Regie⸗ rung des Rheinkreiſes, Kammer des Innern, hat dieſe Verfuͤgung durch das Amtsblatt zu Jeder⸗
manns Wiſſenſchaft bekannt zu
machen. Muͤnchen, den 26. Nov. 1817.
4.
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