Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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eines ſchwarzen Humus und der daraus erblühenden farben⸗ reichen Ackerkultur einfallen würden.

Hier und da ein Anhaltepunkt bei einer Village, wo faſt immer Soldaten aufſtiegen. Es waren zur Armee zu⸗ rückberufene Beurlaubte, von denen, wie man mir ſagte, über 50,000 in den nördlichen Staaten zerſtreut ſein ſollen; das wäre arg. Zwei Offiziere erregten wegen ihrer Wun⸗ den allgemeine theilnehmende Aufmerkſamkeit. Sie waren Beide noch jung, aber der unaffectirte Ernſt ihrer Geſichts⸗ züge gab ihnen ein würdiges Anſehen. Der Eine war lahm geſchoſſen und half ſich nur beſchwerlich auf zwei Krücken fort, der Andere hatte ein paar furchtbare Narben im Geſicht, welche die eine Seite deſſelben ganz verdunkel⸗ ten, und wovon es zweifelhaft blieb, ob ſie von zerfleiſchen— den Säbelhieben herrührten, oder ob ſie durch Kugeln hin⸗ eingeriſſen oder gepflügt wären. Zwar hatte ich Derartiges nun ſchon öfter geſehen, aber es war doch erfreulich wahr⸗ zunehmen, daß man mit Achtung auf dieſe Tapfern hin⸗ blickte, welche für ihr Land und für eine gerechte Sache mit dem Leben eingeſtanden und ſich ſolche Ehrenzeichen aus den wilden Flammen des Kampfes für Freiheit geholt hatten.

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Das Land gewann nun ein immer freundlicheres An⸗ ſehen. Die zwiſchen reichem Gebüſch und Baumgruppen hervorblickenden ſchönen Landhäuſer wurden häufiger und verkündigten uns die Nähe von Detroit, deſſen Häuſer— maſſen und Thürme wir aus ſeiner grünen Umgebung em⸗ porragen ſahen, während ſeitwärts im Hintergrunde die blanke Fläche des Erieſee's hervorſchimmerte. Der Zug fährt bis in die Nähe des ſogenannten Rivers, welcher den Abfluß des St. Clair⸗, des Huronen-, des Oberen—- und des Michiganſee's in den Erieſen bildet, und den Staat Mi⸗ chigan von Canada ſcheidet. Ausſteigen und ſich mit den Mitreiſenden im langen Zuge nach dem Ufer in Bewegung ſetzen, wo das Ferryboot zur Ueberfahrt nach Canada war⸗ tet, iſt Eins. Das gellende Geſchrei der Runner, welche haufenweiſe daſtehen und unermüdlich die Namen ihrer Hotels ausrufen, läßt Einen, der Land und Leute aus langjähriger Erfahrung kennt, natürlich ungerührt; man zieht, bepackt mit Kind und Reiſeſack, kaltblütig an der bellenden Seylla vorüber, wie in einer wandernden Zigeu⸗ nerhorde, immer nur beſorgt, die Seinigen im gedrängten Menſchenſtrome bei einander zu halten.

(Fortſetzung folgt.)

wiſchen den Garben.

Die Wolken. Von Karl Pflaume.

Die Wolken gingen wandern, Sprach Eine zu der Andern: Nun iſt es wieder trübe

Auf Erden, meine Liebe;

Wir hüllten ſie in Flor,

Weit mehr, als je zuvor.

Ach, was iſt das doch prächtig, So herrſchen ſtolz und mächtig!

Den Himmel zu beſitzen,

Zu donnern und zu blitzen,

Und mit dem Monde ſcherzen, Dem Freund nach unſerm Herzen, Deß frommes Angeſicht Beſcheiden ſtrahlt, und nicht Anmaßend, wie die Sonne;

Ha, das iſt eine Wonne!

Ja, ſprach noch eine Dritte, Der Mond verſteht auch Sitte, Weiß ſich in allen Stücken

In alle Welt zu ſchicken;

Iſt hinten bald und vorn, Vald mit, bald ohne Horn; Mit ihm iſt gut verkehren,

Den Mann muß man verehren.

So ſprachen ſie im Fliegen, — Der Mond lacht vor Vergnügen — Gleich heuchleriſchen Pfaffen,

Die Teufeleien ſchaffen.

Doch höret, was geſchah!

Kaum kam die Sonne nah,

So muß der Mond erbleichen,

Und Nacht und Wolken weichen.

Wenn Heuchler triumphiren,

Mit fremdem Schein ſich zieren, Wenn ſchwarze Seelen munkeln Und faſt die Welt verdunkeln — Menſch, hoffe auf das Licht,

Laß von der Wahrheit nicht!

Nur ſie bringt Wärm' und Wonne; Es giebt nur eine Sonne.

Beitrag zur Geſchichte der Narren und Zwerge. Obgleich auch noch heut zu Tage an manchen Höfen manches När⸗ riſche producirt werden ſoll, ſo iſt doch die Zeit vorüber, wo die Producenten ſothaner Narretheien officielle Hofnarren waren und auch dieſen Titel vor aller Welt führten. Freilich iſt das noch nicht ſo lange her. Das Narrenhalten erſtreckte ſich an einzelnen deut⸗ ſchen Höfen und in einzelnen ariſtokratiſchen Geſellſchaften — denn auch dieſe beſoldeten zuweilen einem officiellen Narren — bis in den Anfang des vorigen Jahrhunderts. In einem, 1689 von dem Bür⸗ germeiſter Heinrich von Kirchring herausgegebenen Verzeichniß der adeligen Familien der Zirkelgeſellſchaft zu Lübeck, findet ſich auch der Name des letzten Schalksnarren dieſer alten und höchſtfürnehmen Geſellſchaft verzeichnet. Der Mann hieß Peter Tirjack. Noch jetzt bedeutet das plattdeutſche Wort tirjacken ſoviel, als Jemanden hän⸗ ſeln oder narren. In Mecklenburg hielt den letzten Hofnarren der Herzog Friedrich Wilhelm zu Schwerin und Güſtrow (1692— 1713). — Als die Narren mit Kogel und Pritſche, in Folge der in den vornehmen Kreiſen einreißenden franzöſiſchen Sitten, unmodiſch wur⸗

den, kamen die Hofzwerge auf. Im mecklenburgiſchen Staatskalender

von 1785 findet ſich unter andern Hoſchargirten Ihrer Durchlaucht der regierenden Frau Herzogin auch eine „Zwergin“ verzeichnet, Namens Ilſe Catharine Schacht. Obſchon ihr Name in einer Ru⸗ brik mit denen der „Hof⸗Dames“ ſich findet, muß ihr Poſten doch kein ſehr angeſehener geweſen ſein, denn ihrem Namen iſt weder das Prädikat: Fräulein, noch Frau, Demoiſelle oder Jungfer vor⸗ geſetzt, und doch ſind ſelbſt die Kammermädchen der Hof⸗Dames im Staatskalender: „Jungfers.“

Strodtmann's Orion. Das neneſte Heft (4.) bringt wie⸗ der eine reiche Auswahl trefflicher poetiſcher Beiträge und kritiſcher Arbeiten; unter andern: Lyriſch⸗ſatyriſche Gedichte von Georg Her⸗ wegh, von denen das eine auf einen bekannten Münchener Hofpoeten beſonders gelungen iſt; die Technik des Drama's von G. Freytag, beurtheilt von Rudolph Gottſchall; Hebbel's Nibelungen von Eduard Kulke u. ſ. w. — Die bekannte Dispüte zwiſchen A. Schöll und B. Auerbach hat ihr Ende noch nicht erreicht. Des erſteren Erwi⸗ derung auf des Letzteren Erklärung ging der Redaction nicht früh genug zu, um im vorliegenden Heft Aufnahme zu finden; doch wird der Abdruck im nächſten Heft erfolgen.

Verantwortlicher Redarteur: Fr. Bpielhagen in Perlin. Verlag von Ptto Zanhe's Deutſcher Wochenſchriſt (Otto Zanke & Co.) in Perlin.

Druck von Otto Janke in Berlin.

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