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wie ſie dort geſetzlich und landesüblich ſind, und er konnte geſichert und ungeſtört im Innern Wisconſin's der Jagd auf Prairiehühner nachgehen. Aber ſeit der großen Geld⸗ kriſis 1856 und 1857 änderte ſich das Ding, denn nun blieben die Zinſen aus und eine Mortgage nach der andern verfiel. So wurde er aus einem Kapitaliſten nothgedrungen nach und nach ein Eigenthümer von Land, von dem er nichts hatte und wofür doch Steuern bezahlt werden muß⸗ ten, aus einem Geldempfänger ein Geldauszahler. Gegen— wärtig machte er ein Geſchäft mit Holz, welches er von einigen ſeiner Ländereien abſchlagen ließ und bei den ſchlech⸗ ten Zeiten verwerthete, ſo gut es gehen wollte. Er meinte, er wäre auch wieder lieber drüben, könne aber nicht los.
Es war nur noch Zeit, einige nöthige Einkäufe zu be— ſorgen. Der Wagen holte uns um 31½ Uhr Nachmittags ab, denn um 4 Uhr ſollte der ſchöne, für die Ueberfahrt nach Grand-Haven bereitliegende Dampfer Detroit, mit dem wir fahren ſollten, abſegeln. Wir waren pünktlich an Bord, ich ließ mir gleich eine Cabin für mich und Familie geben und bekam eine ſolche in der Mitte des Schiffes, wo man den Schwankungen deſſelben, alſo der Seekrankheit, nicht ſo ſehr ausgeſetzt iſt. Es war ein großes, prachtvoll ein— gerichtetes Boot, deſſen große Cajüten mit Goldleiſten, feinen Möbeln, worunter ein Flügel, Spiegeln und Kupferſtichen reich ausgeſchmückt waren. Der Sunbeam war freilich, ſo hübſch er ſonſt war, im Vergleich dazu nur klein und unanſehnlich.
Die Geſellſchaft, in welche wir hier einmündeten, war zahlreich, denn hier zieht ein fortwährender Hauptreiſeſtrom dahin. Ladies und Gentlemen füllten die Sopha's in den Cajüten, anfänglich auch das Verdeck, um den herrlichen Blick auf Milwaukie noch eine Zeit lang zu genießen. Nach und nach breitete ſich die von der Abendſonne roth gefärbte See dazwiſchen, endlich verſchwand das ſchöne Bild in den Wellen, um nur noch in der Erinnerung fortzuleben. Ein immer ſtärker werdender Regen trieb Alle vom Verdeck. Die Herren fingen an Zeitungen zu leſen, die Ladie's ſaßen meiſtens ſtumm in ſchönen Kleidern da, Einzelne ziemlich bleich und angegriffen, bis eine nach der andern ſich in ihre Cabin zurückzog, denn Wind und Wellen erhoben ſich draußen immer ſtärker, und die Bewegung der Elemente theilte ſich dem Schiffe mit, und ging von dieſem auf die von ihm abhängigen menſchlichen, namentlich weiblichen Weſen oder wenigſtens auf deren Magen über. Meine Frau und Kinder hatten ſich auf meine Anordnung, noch ehe das Uebel eintrat, niedergelegt, und verließen dieſe Lage während der Fahrt gar nicht, ein Verfahren, welches nebſt großer Mäßigkeit im Eſſen ich für jede kurzdauernde Reiſe als erprobt empfehlen möchte, während es bei länger dauern— den Reiſen natürlich nicht durchzuführen iſt. Dann muß man ſich daran gewöhnen, das Verdeck behaupten und darf ſich durch keine Appetitloſigkeit u. ſ. w. vom Eſſen abhalten laſſen, um nicht von Kräften zu kommen.
Der Sturm erhob ſich draußen immer mehr, Blitz und Donnerſchlag folgten häufig und ſchnell aufeinander, das keuchende Dampfungeheuer, welches uns in ſeinen teppich⸗ belegten und gepolſterten Eingeweiden trug und vor den herabſtürzenden Regenſtrömen ſicherte, arbeitete hart mit den Wellen, das konnte man deutlich fühlen. Die Ladie's waren nun faſt alle verſchwunden, bis auf einige Wenige, die wie hingegoſſener Mondſchein zwiſchen Hüten und Man⸗ tillen auf den Polſtern längs der Wände lagerten. Doch waren auch zwei oder drei handfeſte Hinterwäldlerinnen dazwiſchen, die ſich aufrecht hielten und den ganzen Lärm
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wenig anfechten ließen. Aber auch Männer lagen wie um⸗ geknickte Bäume da, und überhaupt hatte das Geklapper mit Tellern, Meſſern, Gabeln u. ſ. w., wodurch ſich das Decken zum Souper ankündigte, für die Mehrzahl wenig oder gar keinen Reiz; Andern, die ſich thörichter Weiſe locken ließen, bekam es ſehr ſchlecht, nur Wenige ließen es ſich gut ſchmecken. So that ich und trug dann den Meinigen einen gehäuften Teller voll Speiſe in die Cabin, wo ich ſie fütterte wie ein Vogel ſeine Jungen im Neſte, mich ganz gemüthlich fühlend, daß ich dies Mal ſchlauer als Viele von den ſchlauen Yankees geweſen war und mich bei Zeiten in meinen vier engen Wänden häuslich eingerichtet hatte. Das Gewitter tobte immer ärger und dauerte wäh⸗ rend der ganzen Ueberfahrt; ich las in unſerer Cabin, das Licht einer im Gange hängenden Lampe benutzend. Aber dieſe holte ein tückiſcher Steward plötzlich weg, wahrſchein— lich, damit ich mir die Augen nicht verderben ſollte; ich ging daher mit meiner Zeitung wieder in die Cajüte und fand einen Platz unter dem skylight, aber hier fing es an durchzuregnen und ſo legte ich mich denn zu Bett und ließ mich vom Schiffe auf ein paar Stunden in ſanften Schlum⸗ mer wiegen. Es war 11 Uhr, als mich das Hin- und Herlaufen auf dem Verdeck und das veränderte Tempo des Schiffes erweckte; wir waren im Begriff zu landen. Von Milwaukie bis hierher waren 75 engliſche Meilen. Da unſer Koffer gecheckt, d. h. mit einem Blechzeichen verſehen war, deſſen Zwillingsbruder ich in der Brieftaſche hatte, ſo brauchten wir uns um ſeine Verpackung in die Wagen nicht groß zu kümmern, wir verpackten alſo nur unſere Kinder tüchtig in Mäntel und Tücher gegen die Nachtluft, ich nahm den Kleinen auf den Arm und die Reiſetaſche in die Hand, während meine Frau das Mädchen führte, und ſo ſtiegen wir an's Pier und eilten dem Menſchenzuge nach zu den am Ufer bereits harrenden Eiſenbahnwagen. Die Nacht war dunkel, ſo daß wir von New-Haven nicht viel ſehen konnten; es iſt jedenfalls nur noch der Embryo einer künf⸗ tigen Stadt. Jedoch echellten die Blitze die nächſte Um— gebung ſo viel, daß man die kahlen Sandhügel am Ufer deutlich genug wahrzunehmen vermochte. Der Regen hatte aufgehört. Nachdem wir unſere Sitze eingenommen hatten, heulte die Locomotive und fort ging es durch die Nacht und durch den Urwald, denn daß wir dieſen um uns hatten, zeigten uns einige gelegentliche Blitze, die das ſich zurück— ziehende Gewitter noch nachträglich aufleuchten ließ. Als der Morgen graute, belehrte mich der erſte Blick, daß der Boden in der Mitte des Staates Michigan ziemlich mager ſein müſſe. Der Wald ſah ärmlich aus und die wenigen Farmanfänge, welche ſich in weiten Zwiſchenräumen den Augen darboten, zeigten ein hungriges, mehr oder weniger ſandiges Ausſehen. Der ſüdliche Theil dieſes Staates, den ich früher ein Mal paſſirte, iſt fruchtbarer. Nach und nach, je mehr wir uns Detroit näherten, wurde es auch hier beſſer, und als die Morgenſonne heraufleuchtete, ſchimmerte ſie über reiches Laubwerk, welches um ſo üppiger ausſah, da es ſich unter der Schwere der vom Gewitterregen zu⸗ rückgebliebenen glitzernden Regentropfen wie geſegnet nieder⸗ beugte. Freundliche, wohlhäbig ausſehende Farmen mit niedlich gebauten Farmhäuſern reiheten ſich nun aneinander, als Erzeugniſſe des fetten Bodens. „Zart Gedicht wie Regenbogen, Wird nur auf dunklem Grund gezogen“,
ſagte Göthe, und dachte gewiß nicht, als er die Verſe ſchrieb, daß ſie einem Deutſchen mitten in Amerika beim Anblick


