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palaſtartigen Häuſer, die öffentlichen Gebäude, namentlich die große Domkirche und die Thürme geben der Stadt ein ſtattliches Anſehen, und obgleich die Höhen nicht ſo bedeu— tend ſind wie die um die nördliche Bucht des adriatiſchen Meeres, ſo erinnert doch die Bauart, Färbung und amphi⸗ theatraliſche Lage der Stadt an Trieſt, nur nimmt Mil— waukie einen weit größeren Umfang für ſich in Anſpruch. Es ſtreckt ſeine Häuſerreihen wie weithin ausgebreitete Arme faſt um die ganze weite Bucht. Vor noch nicht 40 Jahren ſtanden an Stelle jener ſchönen Stadt nichts weiter als ein paar Blockhäuſer, in welchem ein deutſcher Büchſenmacher Stein die Gewehre der hier herumſtreifenden Indianer aus⸗ beſſerte; Alles war noch Wald und lag wüſt. Ein Herr Juneau erwarb den Strich und legte die Stadt an oder aus, wie man im Weſten ſagt. Das Auslegen einer Stadt beſteht anfangs nur in der Entwerfung eines Planes zu einer ſolchen, d. h. die Straßen und öffentlichen Plätze werden vorgezeichnet. Wenn der Platz nun gut gewählt war und Einwanderung bekommt, ſo wird es eine Stadt, wenn nicht, bleibt ſie auf dem Papiere ſtehen, wo denn die Stadt Nichts der Stadt Etwas ſo ähnlich ſieht wie ein Ei dem andern. Hier wurde ſie in die Wirklichkeit übertragen. Chicago übrigens, welches eine noch beſſere Handelslage hat, machte ſeit ſeinem Entſtehen auch noch wunderbarere Fort— ſchritte.
Wir fuhren in den River, der als Hafen dient, hinein, an einer Anzahl ankernder Schiffe vorüber und legten an. Von einem daneben liegenden deutſchen Dampfer, der eben zur Abfahrt bereit war, erſchollen deutſche Walzer und Märſche. Sie rührten von einer Muſikbande her, welche von der Direction des Schiffes gemiethet worden war, um dem reiſenden Publikum unterwegs auch einen muſikaliſchen Genuß zu verſchaffen. Wir hatten dieſen Tag 90 engliſche Meilen zurückgelegt.
Die Sachen, bis auf Reiſetaſche und Reiſekoffer, worin unſere Reiſeutenſilien ſich befanden, vorläufig an Bord laſſend, nahmen wir einen Einſpänner und fuhren nach Vogelgeſangs Hotel, einem der beſſeren deutſchen Gaſthöfe. Da er vom Hafen etwas entfernt liegt und wir, um hin— zugelangen, den ſchönſten Theil der Stadt, die Eaſtwater— ſtreet, paſſiren mußten, ſo hatten wir Gelegenheit, die Rei⸗ hen von Prachtgebäuden zu bewundern, zwiſchen welchen wir dahinfuhren; ich zumal, der das Innere von Milwaukie vor etwa 10 Jahren zuletzt geſehen hatte, war überraſcht von den ſeitdem eingetretenen großartigen Veränderungen. Damals noch ſtanden unten am Hafen auf weiten und leeren ſumpfigen Strecken einzelne kleine Holzhäuſer, wo jetzt rieſige Lagerhäuſer ſich erhoben, die ganze Front mit ellenhohen Buchſtaben beſchrieben. Damals noch ſtanden viele einzelne unſcheinbare zweiſtöckige Häuſer in der Haupt— ſtraße neben Gebäuden von größeren Dimenſionen, jetzt drängte ſich Palaſt an Palaſt, manche ganz von Eiſen und Backſtein erbaut. Auf den letztern, der eine eigenthümliche mattgelbliche Farbe beſitzt, ſind die Milwaukier beſonders ſtolz. Nur einzelne Kennzeichen, an denen ich mich aus dem alten Milwaukie im Gedächtniß in das jetzige wirkliche hineinorientiren konnte, fand ich wieder. Dort das rieſige Schloß, welches eine große Eiſenwaarenhandlung anzeigte, war ſchon vor 11 Jahren an jenem Hauſe zu ſehen, da oben die alte Markthalle mit ihrem etwas fabelhaft aus⸗ ſehenden Thurme ſtand auch noch. Sonſt war aber faſt Alles neu, anders und großſtädtiſcher als damals; auch der Menſchenverkehr, denn die Einwohnerzahl hatte ſich in die⸗
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ſem Zeitraume mindeſtens verdoppelt, ſie war von etwa 25,000 auf mehr als 60,000 geſtiegen. Wir bogen links ab und fuhren über den Fluß nach der Weſtſeite hinüber, welche faſt ganz von Deutſchen bewohnt iſt. Auch die Brücken hatten ſich gebeſſert, oder vielmehr es waren neue gebaut an Stelle der alten, welche damals nicht ohne Le⸗ bensgefahr zu paſſiren waren. Die Weſtſeite fand ich im Vergleich gegen früher ebenfalls im äußeren Anſehen ge⸗ hoben, jedoch ſieht man ihr das Werden immer noch mehr an als der Oſtſeite, wo durch die Nähe des Hafens der Mittelpunkt des Verkehrs ſich befindet. Je näher dem Herzen, je größer die Adern.
Das Hotel Vogelgeſang, ein großes, ſtattliches Gebäude, nahm uns gaſtlich auf. Vor kurzer Zeit war es gleich allen übrigen ähnlichen Lokalen und vielen Privathäuſern wie ein ſummender Bienenkorb mit Fremden angefüllt geweſen, als in der Stadt ein großes mass meeting zur energiſchen Fortſetzung des Krieges gehalten wurde. Mehr als 30,000 Auswärtige ſollen zugegen geweſen ſein. Die ganze Stadt war mit Flaggen überflattert, Muſik und Kanonade, auf— regende Reden, unzählige Taſchentücher von ſchönen Hän⸗ den geſchwungen, und Alles das um Hekuba! um nicht mehr, als, ich glaube 22 Freiwillige für den Krieg zu ge⸗ winnen! Freilich hatte damals ſchon das Vertrauen auf eine energiſche Kriegsführung durch die ſchwankende Politik der Regierung harte Stöße erlitten. Neuerdings hat man einen andern beſſeren Weg eingeſchlagen; man hat die Sclavenemanzipation erklärt, ein Conſcriptionsgeſetz und eins über Kaperbriefe iſt erlaſſen, und hoffen wir, daß der nun ſich klar herausſtellende Kampf der Principien zum baldigen Siege der Menſchlichkeit und Freiheit über Scla⸗ verei und Barbarei führe.
Andern Morgens ſah ich mich nach meinen Kiſten um, welche bereits in einem ware house untergebracht waren, und gab ſie dem Agenten Herrn Niemeyer in Spedi⸗ tion bis nach meinem Heimathsorte in Deutſchland, wo ich ſie auch richtig etwa vier Wochen nach meiner Ankunft erhalten habe. Von Herrn Niemeyer erfuhr ich denn auch, daß am 9. Auguſt das der Hamburg⸗Amerikaniſchen Packet⸗ Compagnie gehörige Dampfſchiff Saxonia von New-York abgehen werde; ich nahm bei ihm ſowohl für die Seereiſe wie auch für die Tour bis New⸗York Paſſage, mit der Be⸗ dingung, ein anderes Dampfſchiff wählen zu können, wenn ich jenes wegen unvorhergeſehener Umſtände während der Landreiſe etwa verfehlen ſollte. Wir hatten ſchon den 4. Auguſt und noch lagen zwiſchen uns und New-York etwa 200 deutſche Meilen, es war alſo keine Zeit zu ver⸗ ſäumen. Die Paſſage bis New⸗York koſtete für die Perſon 24 Dollar, für beide Kinder zuſammen 12 Dollar, von New⸗York bis Hamburg für die Perſon 70 Dollar, Kinder die Hälfte.
Während ich noch einen Gang zu dem Agenten machte, wurde ich plötzlich bei Namen gerufen und fand mich beim Umdrehen einem Landsmann gegenüber, mit dem ich meine erſte Reiſe nach Amerika zuſammen gemacht hatte. Recht erfreut, uns ſo unverhofft wieder zu finden, nachdem ich ſeinen Bruder, den ich hier am Orte befindlich wußte, ver— gebens aufgeſucht hatte, lud ich Freund H. ein, mich in meinen Gaſthof zu begleiten, wo wir ein Stündchen ver⸗ plauderten. Er klagte auch, obgleich er ein hübſches Kapi⸗ tal mit nach Amerika genommen und vorſichtig gegen gute Hypotheken (mortgages) angelegt hatte. Anfänglich bekam er ſeine Zinſen gut ausgezahlt, 12 Procent, 10 Procent,
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