Mofetten genannt) findet ebenfalls eine größere Aufhäufung von Kohlenſäure ſtatt. Trotz der ungeheuren Production dieſes für die Athmung ſo nachtheiligen Gaſes (Paris allein liefert innerhalb 24 Stunden durchſchnittlich 3 Millionen Kubikmeter Kohlenſäure, von denen etwa 51,000 durch die Reſpirationsthätigkeit der Thiere und Menſchen erzeugt wer⸗ den), kommt es doch in der freien Luft nur höchſt aus⸗ nahmsweiſe und an ganz beſchränkten Lokalitäten zu einer gefahrbringenden Anhäufung derſelben. Die beiden mäch⸗ tigen Regulatoren aber der beſchriebenen Luftconſtitution (ihrer nie wechſelnden Zuſammenſetzung aus Sauerſtoff und Stickſtoff und ihres faſt ebenſo conſtanten Kohlenſäure⸗ gehaltes) ſind der Athmungsprozeß der Thiere und Pflan⸗ zen und die Luftbewegung. Der thieriſche Organismus bedarf (wie wir ſpäter ausführlicher ſehen werden) unaus⸗ geſetzt des Sauerſtoffs zu ſeiner Erhaltung. Er athmet die aus dieſem und dem Stickſtoff zuſammengeſetzte Luft ein, behält den Sauerſtoff zu eigener Verwendung und athmet den Stickſtoff und die durch die Ernährungsvorgänge im Innern des Körpers erzeugte und für deſſen Oekonomie nicht weiter zu verwendende Kohlenſäure aus. Die Pflan⸗ zen hingegen haben gerade die entgegengeſetzten Bedürfniſſe; ſie ziehen durch ihre Poren mit Begier die Kohlenſäure ein, welche die thieriſchen Organismen als unbrauchbar auswer⸗ fen, zerlegen ſie in ihre Beſtandtheile, Kohlenſtoff und Sauer⸗ ſtoff, verwenden den erſteren zum Aufbau ihres Körpers (alle Pflanzentheile, namentlich aber die holzigen, beſtehen zum allergrößten Theil aus Kohlenſtoff) und geben den für
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ſie unbrauchbaren Sauerſtoff wieder ab. Dieſer Prozeß der Kohlenſäureaufnahme, der Zerlegung deſſelben und der Wie⸗ derabgabe des Sauerſtoffs geht unter dem Einfluſſe des Son⸗ nenlichtes am ſtärkſten vor ſich, daher die täglichen, obgleich geringen Schwankungen des Kohlenſäuregehaltes der Luft, der um den Mittag, wo alſo das Sonnenlicht energiſch wirkt, dem entſprechend am geringſten, des Nachts am größten iſt. So iſt alſo im großen Haushalt der Natur dafür geſorgt, daß es weder dem Menſchen noch dem Thiere einerfeits, ſowie der Pflanze andrerſeits an den zu ihrem Beſtehen und Wachs⸗ thum unbedingt nöthigen Luftarten fehle. Nichtsdeſtoweni⸗ ger würde aber doch zum Nachtheil der thieriſchen Organis⸗ men an einzelnen Orten, wo eine außeordentlich reichliche Production von Kohlenſäure, aber keine entſprechende Aus⸗ gleichung durch eine hinreichende Menge gegenwärtiger Pflan⸗ zen ſtattfindet (ſ. o. das Beiſpiel von Paris) eine gefährliche Anhäufung dieſes Gaſes ſtattfinden, wenn nicht durch die ununterbrochene, bald für unſere Sinne gar nicht bemerk— liche, bald als Wind und Sturm uns deutlich fühlbar wer⸗ dende Bewegung der Luft eine Ausgleichung und Verthei⸗ lung der beſprochenen Luftarten vor ſich ginge und daher kommt es, daß ſelbſt in den bevölkertſten Städten nie eine Ueberladung der Luft mit Kohlenſäure ſtattfindet. Da, wo dieſe Luftbewegung nicht hingelangen kann (geſchloſſene Räume) ſind wir darauf angewieſen, dieſelbe künſtlich ein⸗ zuleiten, zu „lüften“, worüber und über die zweckmäßigſte Weiſe der Lüftung (Ventilation) wir in einem ſpäteren Artikel (Wohnung ꝛc.) werden zu ſprechen haben.
Rückwanderung aus Amerika.
Von Karl Pflaume.
Mehrere Nachbaren, welche mir beim Aufladen gehol⸗ fen hatten, nahmen Abſchied.
Der Wagen fuhr mit Kiſten und Kaſten bepackt über die Klärung und wir folgten ihm. Als wir den Hügel, welcher dem Farmhauſe gegenüberliegt, hinan waren, machte ich mit meiner kleinen Familie Halt und betrachtete noch ein Mal mein bisheriges Eigenthum, den Acker, die Wieſe, den Bach, der wegen der Klarheit ſeines Waſſers der Sil⸗ berereek hieß, den Wald, und vor Allem da drüben auf dem Hügel inmitten des Gartens das freundliche weiße Haus, in welchem ich elf Jahre lang gewohnt, anfangs allein, dann mit meiner Frau, die ich mir aus Deutſchland geholt hatte, dann auch mit Kindern, die ſie mir gebar. Eilf Jahre! wie hatte ſich in dieſer Zeit Alles verändert! Als ich das Land kaufte, war Alles Wald und Nachts heulten die Wölfe das neue Haus in der Wildniß an, der Bär war ein beſtändiger Nachbar — und jetzt, wie licht war es geworden! man ſah von dem einen Punkte aus eine Anzahl einzeln liegender Anſiedlungen und man konnte ſo⸗ gar von einer Art Ausſicht oder Durchſicht reden, wenig⸗ ſtens nach der Seite zu, wo die Stadt lag. Die Stadt und das Land hatte ich wachſen ſehen und zu dem Wachs⸗ thum der Gegend das Meinige beigetragen. Manchen Acker Land hatte ich mit meiner Axt ſelbſt geklärt, ich hatte ge⸗ pflügt und gebrannt, geſäet und gepflanzt. Nun war mir die Klärung, ſo zu ſagen, über den Kopf gewachſen, meine Frau war zu ſchwach, meine Kinder zu klein zur Hülfe bei der Farmarbeit, die Sehnſucht nach Deutſchland wurde immer
größer; und was hatte ich hier Alles durchgemacht! Den⸗ noch überkam mich eine ſeltſame Rührung. Nicht, weil ich das Alles nun verließ, aber — meine Kinder waren da drüben in dem Häuschen geboren und gewachſen und hatten drin wie Vögelchen im Vogelbauer gezwitſchert. Es war ihr Erbe und nun verkauft! — „Seht's euch noch ein Mal an, Kinder, und dann kommt!“ „Nach Deutſchland!“ ſagte der Knabe und umhalſte mich mit ſeinen kleinen Armen. Auf der Road, wie man auch im Amerikaner-Deutſch ſagt, nämlich auf der Straße, welche ſich zwiſchen den Fenzen hinzieht, begegneten wir mehrern bekannten Farmerfrauen, die uns Glück auf die Reiſe wünſchten, hier und da hielten wir vor einem befreundeten Hauſe an und ſagten Ade. Einer rief mir nach: „Geht's nun fort?. ich komme auch bald nach!“ Wie Mancher hatte mir in den letzten Tagen die Hand gedrückt und geſagt ich wollte, ich könnte mit! Aber dazu gehört die Möglichkeit, ſein Beſitzthum zu ver⸗ kaufen, und wie ſelten gelingt dies jetzt, zumal in den neuen Anſiedlungen im Weſten. Wir hatten lange Jahre darauf gewartet und nur der feſte Entſchluß, die erſte Ge⸗ legenheit zum Verkauf um jeden Preis zu benutzen, konnte uns von der Scholle losmachen, auf welcher wir ſo lange Zeit wie angenagelt hatten ſitzen müſſen. Faſt Jedermann hat dort Land zu verkaufen, zumal jetzt, wo Vielen der Verluſt des Landes wegen Nichtbezahlung der Steuern droht, und nur Wenige kommen, um zu kaufen. Die Ein⸗ wanderung iſt für Amerika der befruchtende Strom, und dieſer Strom iſt in den letzten Jahren nur ſehr ſchwach


