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gefüllt waren. „Da fing man, wie ein Choniſt erzählt, am Morgen an, aß Semmeln aus Malvaſier, darnach ge— ſottenes und gebratenes Fleiſch, wild und zahmes, und das trieb man bis in die Nacht.“
Doch neben dieſen materiellen Erfriſchungen war auch für mancherlei Kurzweil und Ergötzlichkeit des Gemüthes reich geſorgt. Da drängte ſich ſeitab in den Baumgängen längs der Limmat und dem Sihl noch ein buntes Volk, angezogen von der weitverbreiteten Kunde des großen Feſtes, das durch alle möglichen Gaukeleien die Neugierde der Menge anzulocken und auszubeuten ſuchte. Hier wurde ein lebendiger wohlabgerichteter Elephant, dort ein Auerochs und ein lebendiger Pelikan gezeigt. Anderwärts producir⸗ ten ſich Mißgeburten von Thieren. In einem großen Zelte zeigte man „einen Fabian (Pavian), ſo zierlich auf dem Seil getanzet und andere künſtliche Luftſprünge gemachet; und noch andere viele Fabians und Affen, redende Papa⸗ gayen und 7 indianiſche Pferdlein, das größte 1 ½ Ellen hoch; die ſprangen durch die Reife und machten andre ſchöne Sprünge mehr.“ Rieſen und Zwerge machten neben ſol— chen Wunderthieren als etwas höchſt Gewöhnliches ſchlechte Geſchäfte, denn Niemand frug ihnen nach. Daß es auch an einer Maſſe von Krämerbuden nicht fehlen durfte, in denen alle Herrlichkeiten dieſer Welt zum Verkauf ausge⸗ boten wurden, verſteht ſich von ſelbſt.
Die meiſte Lockung übte jedoch auf die zahlreichen Luſt— wandler ein reichgeſchmücktes Zelt, in welchem nach allge⸗ meiner Sitte jener Zeit der ſogenannte Glückshafen ſtand, in welchem die Regierung nach Edlibach 28 Geld— gaben im Geſammtbetrag von 446 Fl. gelegt hatte. So war, dem Charakter jener heiter-üppigen Zeit angemeſſen, für vielfaches Spiel und bunte Täuſchung wohl geſorgt, was freilich nicht im Sinn eines Jeden lag, da ſchon in jenen Tagen ein ſtrenger Sittenrichter in die herbe Klage ausbrach: „Viel Krämerei und eigennützige Kaufgeſellſchaf⸗ ten, viel Müßiggänger und nun Fenſterjunker, viel Kriegs⸗ leut und aller Gattung Buben, deren Mehrtheil jedoch und die Vornehmſten für wohlgeſchickt, witzig, redliche Ehrenleute ſind geachtet und gehalten nach Laut dieſes Reimens:
Wag's, lug um Geld, So kaufſt du d' Welt! Schlicht fromm ſchafft nüt; Liſt, falſch g'winnt d' Büt.
Die Zeit ſollte kommen, in welcher ein überſtrenger geiſtlicher und weltlicher Regenten-Eifer nicht nur die üppi— gen Ranken überſchießender Volksluſt beſchnitt, ſondern Alles aufbot, ſie mit Stumpf und Stiel auszurotten. Da⸗ mals jedoch, in den fröhlichen Auguſt—- und Septembertagen des Jahres 1504, ließ man ſich den derben Genuß des Augenblicks nicht durch ſolche Betrachtungen trüben. Min⸗ deſtens eine ganze Woche wurde gejubelt, bis man zur Ver⸗ theilung der Gaben ſchritt, womit das Feſt ſein Ende fand.
Daß aber bei all dieſem Jubiliren und ſinnlichen Be⸗ hagen die ernſte Bedeutung und der höhere politiſche Zweck dieſer Feſte den Männern jener Zeit nichts weniger fremd war, davon zeugen die folgenden naiv⸗herzlichen Verſe, mit welchen unſer Reimchroniſt die Beſchreibung des Feſtes von 1504 ſchließt:
Vil Lobs iſt wärth ein gutter Schütz, Beſonders in den Kriegen nütz,
Ihr Zürych⸗Schützen, thund euch fleißen, So wirt man Euch rein allwäg preiſen. Gott wöll, daß ihr mit frölchem Mut Lang ſchießend dem Vatterland zugut.
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In ſolcher Weiſe feierte das alte Zürich ſeine Feſte und ähnliche Erſcheinungen traten auch bei den Feſten der übrigen Schweizerſtädte zum Vorſchein, nirgends von friſche— rem Humor belebt, als bei jener Basler Faſtnacht von 1508, welche der Raub des heiteren Bruder Fritſchi durch die Basler veranlaßte, in Folge deſſen der Rath von Luzern einen in aller amtlichen Form abgefaßten Fehdebrief an den Rath von Baſel erließ, in welchem die Basler mit einem Streifzug der Luzerner bedroht wurden, „um ihren lieben alten Bürger Bruder Fatſchin wieder zu erobern und zu Handen zu bringen, nach welchem ſeine Freund— ſchaft mit ſamt ſeinen Zunftgeſellen ſo großen Reuen haben, daß es möglicher wäre, den Rhyn obſich zu kehren, denn ſeine Abweſenheit zu gedulden. Daher, weil aus dieſem Unternehmen ein großes Weinvergießen entſpringen möcht', ſo wolle es ſich ihnen nicht geziemen, unverwahrt ihrer Ehren ſolches fürzunehmen und verkünden daher, daß ſie auf Freitag nach des h. Kreuz Tag zu Pferd, zu Wagen und zu Fuß mit anderthalb hundert Mann ungefähr aus ihrer Stadt ausziehen und den nächſten Morgen am Samſtag zu frühem Nachtmal die Basler angreifen werden.“ Der Rath von Baſel erwiderte in gleich gutem Humor ſofort darauf, dieſe Warnung habe Baſel nicht erſchreckt, „ſondern ihnen herzliches Vergnügen gemacht. Von ihren Altvordern hätten ſie ſchon vernommen: „„Je mehr Feinde, je mehr Ehre.““ „Sie gedenken daher in ſtandhafter Be⸗ gierde den Stoß zu beſtehen mit ihrem beſten Zeug, das
in kleinen und großen Stücken tief verborgen liege und
welches ſie ſo richten wollen, daß Mancher genug empfangen werde. Sie möchten auch ihre Nachbarn zu dieſem Feld⸗ ſtreite berufen; mit gutem Gezug hoffen ſie alle zu be⸗ ſtreiten, es folge jetzt ein Weinvergießen und Stachelwetzen mit ſamt dem Halsabwürgen und Hühnerſtechen oder was man immer wolle.“
Es würde hier viel zu weit führen, all' das friſche, fröhliche und mannhafte Leben jener Zeit in der Auf⸗ zählung aller jener Volksfeſte, Sitten und Gebräuche auch nur flüchtig anzudeuten, wie ſie an allen Orten, bei allen Ständen, ja ſogar bei der Jugend in reicher Fülle vor⸗ handen waren. Das gegebene Beiſpiel mag für die übrigen einſtehen. Bald begann jedoch dies farbige Leben abzu⸗ blaſſen, wozu weſentlich jene kirchlich⸗reformatoriſche Bewe— gung beitrug, deren nächſte Wirkung auf eine kräftige Ent— wickelung des Volkslebens nach der hier beſprochenen Seite in doppelter Hinſicht von nachtheiligen Folgen war. Einer⸗ ſeits regte die geiſtige Pertiefung, welche durch die neue Lehre gewonnen war, durch ein ſtrengeres, geläutertes, ſitt— liches Bewußtſein an, welches gar Manches, worüber das Mittelalter in naiver Sorgloſigkeit hinweggegangen war, als Unrecht verdammte, zugleich aber, ſowie die friſchen Quellen teligiöſen Lebens, die in der Reformationszeit ſo reich ſprudelten, in einer todten, geiſtloſen Orthodoxie ver— ſumpften, auch ſeinerſeits in ſteife Pedanterie und äußer liches Formelweſen ausartete. Dann aber begünſtigte die Reformation außerordentlich die Machtentwickelung des Re⸗ giments, das immer mehr einen ariſtokratiſchen Charakter anzunehmen begann, welche Entwickelung zuſammenfiel mit der gleichzeitigen Abſchließung der ſtädtiſchen Bürgerrechte durch die beſtehenden Bürgerſchaften und der damit zu⸗ ſammenhängenden immer ſchroffer werdenden Haltung der Städte den Landgemeinden gegenüber. Jedes Jahrzehnt der zweiten Hälfte des 16. und der erſten Hälfte des 17. Jahrhunderts brachte Beſchlüſſe, durch welche der Kreis
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