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munterer Knaben, jeder mit einer Armbruſt bewaffnet, mit der er ſchon trefflich umzugehen wußte. Auf ſie folgten die Spielleute der Stadt Zürich und unmittelbar auf Letz⸗ tere die Fähnlein der verſchiedenen Geſellſchaften, denen ein rieſig'r, in die Farben der Stadt Zürich gekleideter Burſche vorausging, der das Banner der Stadt trug. Mit würdevollem Ernſt ſchritten die Bürgermeiſter und Depu⸗ tationen der Räthe und Zünfte einher, unter ihnen der Stadtſchreiber Ludwig Ammann. In geringer Diſtanz von dieſem trat dann mit feſtem, breitſpurigen Schritte der ſtattliche Schützenmeiſter von Zürich einher, ausgezeichnet durch ſeine prachtvolle ſchwarzſeidene, in langen Streifen aufgeſchnittene Kleidung, über welche eine vierfach geſchlun⸗ gene goldene Kette hing. Auf dem Haupt trug er das ritter— liche Barret, mit ſchneeweißen Straußenfedern geſchmückt,
die ſeinen in Locken herabfallenden Bart umzitterten und
auf ihn folgte dann in guter Ordnung die ganze ſtattliche Logenſchützenſchaar, die das Feſt eröffnen ſollte. Unter den
hellen Klängen der Spielleute bewegte ſich der Zug durch
die Gaſſen der ſogenannten mehreren Stadt, an den hoch⸗ giebligen Häuſern vorbei, aus deren Fenſtern fröhliche Ge⸗ ſichter herausſahen und manch heller Gruß den Schützen zugeſendet wurde, die denn auch nicht ermangelten, dieſe Grüße freundlich zu erwidern, beſonders wenn ein lockig Mädchenhaupt in der Nähe war.
Nach Durchwanderung der Hauptgaſſen der größeren Stadt ſenkte ſich der Zug wieder über die Limmatbrücke hinab, um über dieſelbe direct durch die kleine Stadt und das Rennwegthor auf den Schützenplatz zu ziehen, der auf der weiten Matte zwiſchen Sihl und Limmat an der Stelle des jetzigen Bahnhofs ſich befand, wo, durch eine ſtarke Mauer vor der Limmat geſchützt, das alte Schützenhaus ſtand, welches oben mit einer freien Laube verſehen war. Auf beiden Seiten deſſelben ſtanden alte reichbelaubte Lin— den, die ihre Aeſte und Zweige über die luftige Laube hin zu einem weiten grünen Dache verſchränkten, unter dem es ſich gar heiter auf den freien Platz und in die gute Stadt Zürich hinüberſehen ließ. Ueberaus ſchmuck ſah an dieſem Tage der weite Schützenplatz aus, auf welchem Zelte und Hütten in bunten Reihen hingeſäet waren. Beſonders ſtach ein großes reichgeſchmücktes Zelt in den Augen, das, nach einer Seite weit offen, um einen jungen Lindenbaum ge⸗ zogen war, an deſſen Aeſten und Zweigen bunte Fähnchen dutzendweis befeſtigt waren, von deren Saum die Geld⸗ gewinnſte in geſtickten Beutelchen herabhingen. Eine zahl⸗ loſe Menſchenmaſſe bewegte ſich ſchon auf dem Platze her⸗ um, im reichen Farbenſpiele der ſchmucken Trachten jener Zeit.
Zuerſt begann das Bogenſchießen und dauerte mehrere Tage fort, vom „Morgen früe, ſo die Glogg ſiben ſchlecht“ bis Abends 5 Uhr. Dann kam die Reihe an die Büchſen— ſchützen, die am Tage nach St. Epidien, d. h. am 2. Sep⸗ tember, ebenfalls in ſtattlichem Aufzuge zur Schießſtätte ſich begaben. Die weitaus größere Bedeutung, welche dieſe Waffe im Feld hatte, als die ſchon etwas veraltete Arm⸗ bruſt, ſowie das muntere Knallen der Büchſen, hatte eine noch viel größere Zahl von Zuſchauern und Schützen her⸗ beigezogen. Schon die Zahl der Doppler auf beiden Seiten giebt hierüber genauen Aufſchluß, da beim Bogenſchießen 236, beim Büchſenſchießen 401 Schützen den Doppel löſten.
So ging es luſtig vorwärts. Knall auf Knall ſchlug das Blei in die Scheiben und mit großer Behendigkeit zo⸗ gen die Nenner (Zeiger) die Schüſſe aus und lieferten die
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Treffer in das ſogenannte Schreibhaus ab. Neben den glücklichen gab es aber auch manchen unglücklichen Schützen, deſſen die in bunter Narrentracht mit Schellenkappen ge— zierten Peitſchenmeiſter ſich ſofort bemächtigten, ihr Geſpött mit ihm zu allgemeiner Kurzweil trieben, und einen beſon— ders Ungeſchickten ſogar nöthigten, knielings über eine Bank ſich zu ſtrecken, worauf ſie ihn mit ihren hölzernen Prit— ſchen kräftig bearbeiteten. Dieſe Pritſchmeiſter, deren Auf⸗ gabe darin beſtand, das Feſt durch ihre Poſſen und Schnur— ren zu beleben, wurden hierzu eigens gedungen, beſoldet und gewöhnlich mit einem ſchönen Kleide beſchenkt. Ob— ſchon jede bedeutendere Stadt ſolche Witzbolde ſelbſt beſaß, ſo trieben Andere nebenbei dieſe Beſchäftigung als Gewerbe, als ambulante Pritſchmeiſter; die allen ſolchen Feſten nach— zogen und, wenn ſie ſich durch ihren Witz und durch Reim— fertigkeit ſchon einigen Namen gemacht hatten, auch überall einer günſtigen Aufnahme gewiß ſein konnten.
Wie heutzutage, ſo fehlte aber auch in jener Zeit den Schützen nicht die Gabe, bei unglücklichen Schüſſen anzu— geben:
Was mancher für ein Urſach hat,
Daß er den Schutz nit treffen thät, und der wackere Reimchroniſt des Schießens von 1504 weiß nicht weniger als 142 ſolcher Entſchuldigungsgründe aufzu⸗ zählen.
Neben dieſen Entſchuldigungsgründen und Ausreden enthält jedoch unſer Büchlein noch einen Kernſpruch, der als „Schützentroſt im Mißgeſchick“ auch heute noch die warme Beherzigung eines jeden Schützen verdient. Er lautet:
Wer 's beſt nit g'wünnt, ſoll ſich nit ſchemmen, Es ſey im doch gleich wie im ſei,
Die gutte G'ſellſchaft war dabey.
Triff ich heut nichts ſo triff ich morgens, Bedarff deßhalb nit großes Sorgens. Bin ich nit wol im Schießen dran,
So hab ich doch mein Kurzweil than. Will mich auch üben ohn Verdrießen, Daß ich etwan mit meinem Schießen Dem Vatterland behifflich ſey,
Thun's darumb gern mit Willen frei.
Während ſo die Schützen den Wechſelfällen des Glückes anheim gegeben waren, bewegte ſich eine zahlloſe Menſchen— maſſe auf dem Schützenplatze herum und trug die üppige Kleiderpracht zur Schau, welche ſeit den Burgunderkriegen eingeriſſen war. Da ſtolzirte ein junger Burſche in ſchar⸗ lachnem Leibrock und breitem Bruſttuch, das auf der Achſel ausgeſchnitten und vorn mit engen Reihen ſilberner Knöpfe beſetzt war. Auf dem bockigen Haupte ſchwebte mehr als lag das quergeſchobene Sturmbanntli mit der wallenden Feder drauf. Auf der linken Seite hing der Degen, wäh⸗ rend rechts im Gürtel ein reich vergoldeter venetianiſcher Dolch ſtak. Die Frauen prangten in ſeidenen Gewändern, vom zierlichen Goller bis zu den weit ausgeſchnittenen, mit engen, langen, ebenfalls mit Seide belegten Aermeln ver— ſehenen Kitteln und wußten dabei gar zierlich mit ihrén rothen und braunen Stiefelchen einherzugehen. Für die vom vielen Sehen und Gehen Ermüdeten waren zugleich in verſchiedenen Zelten die mannigfaltigſten Erfriſchungen bereit und auch in den Schänken der Stadt bogen ſich die Tiſche unter der Maſſe aufgeſtellter Bratens und Wildpret, während für durſtige Seelen Kannen bereit ſtanden, die mit edlen Weinen und ſüßen Getränken rein Malvaſier, rother und weißer Veltliner, Claret Iyſikratz (Hippokras)


