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ſich ſchon als zarter Jüngling geſchworen, ein adeliges Fräulein oder gar keine zu heirathen. Nun ſtehe es aber bis auf dieſen Tag noch nicht feſt, ob das zu neun Zehn⸗ theilen verſtümmelte, aber unzweifelhaft adelige Wappen über der Thür des Hauſes in der Ufergaſſe wahr und wahrhaftig das Schmitz'ſche, oder, wie es dann wohl heißen müßte, das von Schmitz'ſche Wappen ſei, und ſo lange er darüber keine Gewißheit habe, müſſe er auf ein Glück ver⸗
zichten, deſſen er allerdings — er bekenne es aus reumü⸗ thigem Herzen — ſich auch außerdem gänzlich unwürdig fühle.
Tante Bella blieb dem gutmüthigen Spötter die Ant⸗ wort nicht ſchuldig.
„Ich will Ihnen mal was ſagen, Holmchen,“ antwor— tete ſie, „wenn Sie mich zur Frau nähmen, ſo wäre das wahrlich nicht der dummſte Streich, den Sie in Ihrem Leben begangen hätten. Ich bin freilich nicht ganz ſo ſchön, wie die italieniſche Gräfin, von der Sie uns in ſchwachen Stunden erzählt haben, auch wohl nicht ganz ſo jung; aber Holmchen, Sie ſind, ſeitdem Sie vor fünfundzwanzig Jahren in Rom waren, auch nicht jünger geworden und ſchöner auch nicht.“
„Ich rufe alle Götter zu Zeugen dieſes Frevels an!“ rief Holm, „nicht jünger! — das gebe ich zu — aber nicht ſchöner! Tante Bella, ich ſage Ihnen, daß ich ſo ſchön bin, wie ich es nie geweſen!“
„Möglich!“ ſagte Tante Bella, „aber, Holmchen, Sie haben trotz alledem nur noch einen Schritt vom Jungge⸗ ſellen zum Hageſtolz. Beſinnen Sie ſich, ſo lange es Zeit iſt! ich werde nicht ewig auf Sie warten können, denn endlich muß ich doch einmal unter meinen Freiern wählen; ich komme ſonſt am Ende auch noch über die Blüthe meiner Jahre hinaus.“
„Holdes Weſen,“ rief Holm, „hier mein Herz und meine Hand!“
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„Und wenn ich Sie nun vor allen dieſen Zeugen beim Wort nähme!“ rief Tante Bella mit einem ſcharfen Blick ihrer dunkeln Schmitz'ſchen Augen.
„Ihr Götter!“ rief Dr. Holm, die ausgeſtreckte Hand ſo ſchnell zurückziehend und ein ſo komiſch⸗verblüfftes Geſicht machend, daß Herr und Frau Rupertus, Peter Schmitz und ſelbſt Ottilie lächeln und lachen mußten.
Das Läuten eines vorüberfahrenden Dampfers drang durch die offenen Fenſter in den Gartenſaal. „Nun paſſen Sie auf, meine Herrſchaften, wie die Wellen ſogleich an's Ufer rauſchen werden!“ rief Herr Rupertus; „hören Sie wohl! iſt das nicht famos!“
In dieſem Augenblicke ertönte ein ängſtlicher Knaben⸗ ſchrei von dem Platze her, wo die Bööte am Ufer befeſtigt waren.
„Um Gott, wo ſind die Kinder!“ rief Clärchen Münzer aufſpringend.
Carl und Wilhelm waren längſt vom Tiſche aufge⸗ ſtanden; Niemand hatte darauf geachtet, daß ſie ſchon ſeit einer halben Stunde den Gartenſaal verlaſſen hatten.
Und wieder tönte der ängſtliche Schrei: Hülfe, Hülfe! durch das Rauſchen der vom Dampfer aufgewühlten Wogen, die ſich jetzt mit Macht zwiſchen den Weiden des Ufers brachen.
Frau Rupertus hatte der Schrecken gelähmt. Todten— bleich, zitternd an allen Gliedern, ſchwankte ſie aus ihrem Stuhl empor, um Tante Bella und Ottilien ohnmächtig in die Arme zu fallen. Aber Clärchen eilte nach der Thür, die Treppe hinab, ihr zur Seite Rupertus und Onkel Schmitz, während Dr. Holm ihnen ſo ſchnell folgte, als es bei ſeiner Lahmheit irgend möglich war.
(Fortſetzung folgt.)
Das „große Hchießen“ in Zürich von 1504.
Von Karl Morell.
Selten zeigt ſich ein Zeitraum in der Weltgeſchichte, der von reicherem geiſtigen uid äußeren Leben erfüllt iſt, als jene beiden Jahrzehnte, welche die Grenzſcheide des 15. und 16. Jahrhunderts bilden. Schon war eine neue Welt des Wiſſens entdeckt durch die Wiederaufnahme der Studien des klaſſiſchen Alterthums und in enger Verbin⸗ dung damit entwickelte ſich in Deutſchland ein neues reli— giöſes Leben durch das Zurückgehen auf die Quellen der chriſtlichen Lehre. Zu dieſer geiſtigen Wiedergeburt, weſent⸗ lich gefördert durch die große Erfindung Guttenbergs, hatte ſich die Entdeckung eines neuen Welttheils geſellt, dem un— ternehmenden Geiſte neue große Bahnen erſchließend, und den äußern Geſichtskreis der Menſchen unendlich erweiternd. Es war ein kühnes kräftiges Geſchlecht, das dieſe Erobe⸗ rungen in der äußern Welt und in der Welt des Geiſtes gemacht hatte und ein ausgedehnter Handel, der die ent— fernteſten Gegenden der damals bekannten Erde in lebhaf⸗ ten Verkehr ſetzte, half mit, die üppigen Säfte in geſunde, raſche Circulation zu ſetzen. Schon hatte der jugendlich friſche Geiſt jener Tage den Kampf mit jener ſtarren Macht begonnen, welche im Mittelalter die Welt beherrſchte, und bald ſollte der helle Lerchenruf Ulrich v. Hutten's erſchallen:
„O Jahrhundert! Die Studien blühen, die Geiſter erwachen; es iſt eine Luſt, zu leben.“
Jene Zeit, erfüllt von den Ahnungen eines neuen Gei— ſtesfrühlings und geſättigt von kerngeſundem, derbkräftigem Volksleben war es denn auch, in welcher eine haupt— ſächliche, ja wohl die kernhafteſte Offenbarung deſſelben bei dieſein waffenfreudigen Geſchlechte, die Pflege der edlen Schützenkunſt, in hoher Blüthe ſtand. Auch in dieſer Beziehung ſollte dieſe Periode einen Wendepunkt darſtellen, da neben den ſchon längſt beſtehenden Schießübungen mit der Armbruſt der Gebrauch der Handbüchſen, welche die Schweizer in den Burgunder- und italieniſchen Kriegen gründlich kennen gelernt hatten, ſich immer mehr zu ver⸗ breiten begann. Zwar nahm die Armbruſt bei den Schützen⸗ feſten im Anfang des 16. Jahrhunderts noch immer die erſte Stelle ein. Doch ſo ſehr hatten die Handbüchſen ſich ſchon Geltung errungen, daß für die Uebungen mit den— ſelben an den größeren Schützenfeſten eben ſo viel Tage angeſetzt waren, wie für jene, und daß in den Preiſen Beide gleich bedacht wurden. Es war ein Verhältniß zwi⸗ ſchen Armbruſt- und Büchſenſchützen, wie dasjenige, welches heute zwiſchen den Stand- und Feldſchützen beſteht, und


