Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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Wöchentlich eine Nummer von 1 ½ bis 2 Bogen gr. 40. Velinpapier; abwechſelnd mit Illuſtrationen. Preis für 13 Nummern vierteljährlich 20 Sgr. = ½ Thlr.

Die von Hohenſtein. Roman von Friedrich Spielhagen. Gortſetzung)

26.

DPr. Holm hatte in dem Schmitz'ſchen Wohnzimmer die ganze Familie beiſammengefunden. Peter, der erſt vor einer halben Stunde nach Hauſe gekommen war, durchmaß mit den Händen auf dem Rücken raſchen Schrittes die Länge des Zimmers von der alten Schwarzwälder Kukuks⸗ uhr auf der einen bis zum Portrait Waſhington's auf der anderen Seite, und vom Waſhington wieder bis zur Kukuks⸗ uhr; Tante Bella ſaß auf ihrem gewöhnlichen Platz im Erker, wie gewöhnlich ſtickend diesmal mit einer Docke ſchwarzen Stickgarns um den Hals ihr gegenüber Ottilie, die, wie es ſchien, der Tante geholfen hatte, in dieſem Augenblicke aber, wo Holm hereintrat, in ihren Stuhl zu rückgelehnt und den Kopf aufgeſtützt, in Nachdenken ver⸗ ſunken war. Es bedurfte keines großen Scharfblicks, um zu ſehen, daß eine ſchwere Wolke am Schmitz'ſchen Familien⸗ himmel ſtand. Die perpendikuläre Falte zwiſchen Peter Schmitz Augenbrauen war merkwürdig ausgeprägt; Ottilie hatte offenbar geweint, und die lebhaftere Röthe auf Tante Bella's Wangen und ein gewiſſer kriegeriſcher Ausdruck in ihren energiſchen Zügen deuteten darauf hin, daß die gute Dame ſo eben einen längeren Vortrag gehalten hatte, der durch Holm's Ankunft in der Mitte durchgeſchnitten war.

Seid mir gegrüßt mit freudigem Herzen und Freude ſei mit Euch! rief Dr. Holm, Petern die Hand ſchüttelnd und dann zu den Damen im Erker tretend, um Tante Bella ebenfalls die Hand zu reichen und ſich vor Fräulein Ottilie mit ſeiner liebenswürdigen Grandezza zu verneigen.

Freude! ſagte Tante Bella und dabei zuckte ein zor⸗ niger Blitz aus ihren großen dunkeln Schmitz'ſchen Augen; wahrhaftig, wir haben auch Urſache dazu!

Dieſes wäre mir lieb, doch gar nicht ſcheint es der Fall mir! erwiderte Holm, auf einem Stuhl in der Nähe des Fenſtertritts Platz nehmend und den breiträndrigen Strohhut auf dem Stock zwiſchen die Knie nehmend.

Was ſagen Sie denn zu dem armen Cajus? fragte Peter, ohne in ſeiner raſtloſen Wanderung zwiſchen Waſh⸗ ington und der Kukuksuhr inne zu halten.

Daß er ein Held iſt! erwiderte Holm mit Emphaſe und obligatem Aufſtampfen ſeines Stockes.

Daß er ein Narr iſt! ſagte Tante Bella

Narrorum? fragte Holm verwundert.

Iſt es etwa keine Narretei, mit einem gebrochenen Arm eine lange ausgeſchlagene Stunde dazuſitzen, um Euer gelehrtes Wiſchiwaſchi zu corrigiren, daß Doctor Brand ihm hernach den Aermel vom Leibe ſchneiden muß und ſelber ſagt: ſo etwas ſei ihm in ſeiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen? iſt es denn nicht eine eben ſo große Narretei, daß er nicht hier bei uns bleiben will, die wir Raum die Hülle und Fülle und Alles haben, was er braucht? daß er durchaus in ſeine elende Hofwohnung, in die weder Sonne noch Mond ſcheint, gebracht werden muß? daß er Niemand um ſich haben will, als eine alte tabak⸗ ſchnupfende Wartefrau? daß er kein Geld von Peter nehmen will und großartig erklärt: er habe immer ein paar Thaler für den Fall, wo er nicht arbeiten könne, übrig? Ich habe keine Geduld mehr mit allen dieſen Ueberſpanntheiten! ſagte Tante Bella, ihre Brille von der Naſe nehmend, in das Futteral ſteckend und das Futteral heftig in den Arbeitskorb werfend.

Sind Sie bei Cajus geweſen, Schmitzorum? fragte Holm, der Tante Bella, wenn ſie in ihrerGefechtsſtim⸗ mung wie er es nannte war, ungern widerſprach.

Ja, ſagte Schmitz,es iſt Alles ſo, wie Tante Bella es ſagt; er will auch Niemand ſehen, außer Münzer. Der Cajus iſt nicht klug.

Aber, Ihr lieben Leute, was wollt Ihr nur? rief Holm, beinahe ärgerlich, daß er auch von dieſer Seite auf Widerſpruch ſtieß.Man muß die Menſchen nehmen, wie ſie nun einmal ſind und das hält doch auch am Ende ſo ſchwer nicht, zumal wenn die Menſchen ihre Sonderlichkeiten

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