Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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Bonpland fanden den prachtvollen Baum, der dieſe Früchte liefert, zuerſt an der Mündung des Caſſeguiare und in dem Waldmeere zwiſchen dem Orinoko und Amazonenſtrome. Er hat einen Durchmeſſer von 2 3 Fuß und erreicht eine Höhe von 100 120 Fuß. Die weitgeſtreckten Aeſte ſind nackt und nur an der Spitze mit dichten Büſcheln glänzen⸗ der, unterhalb ſilberfarbiger, zwei Fuß langer Blätter ge⸗ ſchmückt, unter deren Gewicht ſich die Zweige wie Palmen⸗ zweige zur Erde neigen. Nach der im März eintretenden Blüthe reifen Ende Mai die großen kugelförmigen, einen Fuß im Durchmeſſer haltenden Früchte, ſtürzen mit außer⸗ ordentlich Getöſe zur Erde und zerſtreuen aus der ge⸗ borſtenen Fruchthülle 15 22 loſe liegende dreikantige Nüſſe, deren großer mandelartiger Kern von ſo lieblichem Geſchmack iſt, daß dagegen der Kern der Cocosnuß nur als eine ſehr rohe Frucht erſcheint. Um die Zeit der Fruchtreife ziehen die Indianer des oberen Orinoko in Maſſen nach den Juviawäldern und ſammeln große Vorräthe für ihre ge⸗ wöhnliche Nahrung ein, und feiern dann ihre Ernteheim kehr mit jenen wüſten Feſten, die A. v. Humboldt ſo leb⸗ haft geſchildert hat. Die Kultur der Bertholletia ſcheint bis jetzt noch nirgends im Gange zu ſein, und kann doch denjenigen Regierungen nicht dringend genug empfohlen zu werden, welche ausgedehnte tropiſche Kolonien beſitzen. Dem ausgedehnteren Handel in Europa ſetzt das ſchnelle Ver⸗ derben der ſehr ölreichen Kerne ein natürliches Hinderniß entgegen.

Der Brodbaum.

Wer ſpricht heut noch vom Brodbaum? Und doch ſind es kaum achtzig Jahre her, als es die ganze gebildete euro⸗ päiſche Welt durchzuckte, da der große Weltumſegler Cook und unſer Forſter die Wundermähr von dem ſchönen Baum er⸗ zählten, demEins und Alles jener kindlich-frommen Südſee⸗ Inſulaner, unter deſſen ſchattenreichen Kronen ſie ihre leich⸗ ten friedlichen Hütten aufgeſchlagen hatten! Jung und Alt las und ſprach vom Brodbaum; in allen Zeitungen, in allen Akademien, in den Sälen der Miniſter und Staatsmänner, in allen Schenken, auf allen Straßen war vom Brodbaum die Rede. Das war in den traurigen Noth- und Hunger⸗ jahren, als in Deutſchland und Frankreich die kaum ent⸗ wickelte Kartoffelkultur noch keine Hülfe gewähren konnte; und es iſt wohl begreiflich, daß in ſoicher Zeit das Wort Cook's:Hat Jemand in ſeinem Leben nur zehn Brodbäume gepflanzt, ſo hat er ſeine Pflicht gegen ſein eignes und ge⸗ gen ſein nachfolgendes Geſchlecht eben ſo vollſtändig und reichlich erfüllt, als ein Einwohner unſeres rauhen Himmel⸗ ſtrichs, der ſein Leben hindurch in Kälte und Hitze gepflügt und geerntet und kümmerlich ſeinen Kindern eine kleine

(Artocarpus ineisa Forst.)

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Baarſchaft erſpart hat, einen ſchmerzlichen Wiederhall bei unſerer darbenden Bevölkerung finden mußte! Die erſten Entdecker fanden den Brodfruchtbaum auf allen zwiſchen den Wendekreiſen liegenden Inſelgruppen der Südſee, aber nirgends war mehr ein wilder oder herrenloſer Baum zu ſehen; der Umſtand, daß bereits eine Anzahl Abarten da waren, unter denen einige keinen Samen mehr in der gleich einer Ananas verwachſenen Frucht entwickelten, ließ auf eine uralte Kultur ſchließen. Bei der Geburt eines Kindes wurde ein Baum gepflanzt und dasTabu, d. h. die Er⸗ klärung des unantaſtbaren Eigenthums, darüber geſprochen. Die Frucht, welche in drei Vierteln des Jahres ſtets reif am Baume zu finden war, wurde ſelten roh gegeſſen, ſon⸗ dern das weiße mehlreiche Fruchtmark wurde in Blätter ge⸗ wickelt und zwiſchen platten heißen Steinen geröſtet, und duftete dann wie friſches Weizenbrod. Sonnerat, ein be⸗ kannter franzöſiſcher Reiſender, führte den Brodbaum im Auftrage ſeiner Regierung nach Jsle de France, deſſen ver⸗ dienſtvoller Gouverneur, Pierre Poivre, ſich ſeine Verbrei⸗ tung ſehr angelegen ſein ließ. Im Jahre 1787 hatten die engliſchen Koloniſten in Amerika eine Petition an die Re⸗ gierung des Mutterlandes gerichtet, in welcher ſie die Ein⸗ führung des Brodbaumes begehrten. Die Regierung will⸗ fahrte dieſem Wunſche und beauftragte den Capt. William Bligh mit dieſer Expedition. Schon war er im Sommer 1789 mit mehr als 1000 Stecklingen am Bord unter Beob⸗ achtung aller Vorſichtsmaßregeln unter Segel gegangen, als unter der Mannſchaft eine Meuterei ausbrach. Die Pflanzen wurden in's Meer geworfen, und er ſelbſt mit wenig ihm treu gebliebenen Leuten ausgeſetzt. Er entkam aber nach England, und hier wurde ihm das Commando einer zweiten Expedition übertragen, welche vom beſten Erfolge gekrönt war; im Januar 1793 landete er auf der St. Vincents⸗ Inſel 350 junge Brodbäume, die bald nach Jamaika und von da nach dem amerikaniſchen Feſtlande übergeführt wurden. William Bligh ſtarb in London am 17. De⸗ zember 1817. Nach der ſchönen von Linné begründeten Sitte, die Namen der um die Pflanzenkunde verdienten Männer in den Pflanzen ſelbſt zu verewigen, hat ihm Kö⸗ nig in der Blighia sapida, einer der koſtbarſten Tropen⸗ früchte, die im Jahre 1778 zufällig mit einem aus Guinea kommenden Sclavenſchiffe nach Jamaica geſchleppt und dort einheimiſch geworden war, ein Denkmal geſtiftet. Er hat übrigens die Brodfrucht auch in die engliſchen Gärten ge⸗ bracht, und zwar im Jahre ſeiner Rückkehr 1793. Zum erſten Male in Europa blühte der Baum im Jahre 1849 im Garten der Herzogin-Wittwe von Northumberland zu Syon in England. Ob er Früchte getragen, iſt mir nicht bekannt geworden.

Zwiſchen den Garben.

Aus den Epxcerpteheften von B. Z. (Siehe die vorhergehende Nummer.) 4. Vergebens iſt das Scheuen vor dem Leben,

Was menſchlich ſt, dem ſei der Menſch ergeben.

(A. v. Arnim.) 5

Das Lelen iſt eine Reiſe, welche das Leben zum Ziel hat. (Balzac.) 6. Jeder ſteckt in ſeinem Bewußtſein, wie in ſeiner Haut und lebt unmittelbar nur in demſelren: daher iſt ihm von außen nicht ſehr zu belfen. Arf der Vühne ſpelt Einer den Fürſten, ein Andrer den

Nath, ein Dritter den Diener, oder den Soldaten, oder den General. Aber dieſe Unterſchiede ſind blos im Aeußern vorhanden, im In⸗ nern, als Kern einer ſolchen Erſcheinung, ſteckt bei Allen daſſelbe: ein armer Komödiant mit ſeiner Plage und Nolh. (Schopenhauer.)

7.

In der Einſamkeit, als wo Jeder auf ſich ſelbſt zurückgewieſen iſt, da zeigt ſich, was er an ſich ſelber hat: da ſeufst der Tropf im Purpur unter der nnabwälzbaren Laſt ſeiner arm⸗ ſeligen Individnalität; während der Hochbegabte die ödeſte Umgebung mit ſeinen Gedanken bevölkert und belebt. (Derſelbe.)

Drranworthcer Uirdarttur: Fr. Spirlhagen in Perlm. Uerlag von Ptto Zanke's Deutſcher Wochenſchriſt (Ptto Janhe K& Co.) in Verlin.

Druck von Otto Jante in Berhn