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verwandten Baum erkannte, der ſchon nicht mehr lebte, als Phönicier und Tyrer das baltiſche Meer befuhren, ſeitdem man in den merkwürdigen Pfahl- und Seebauten der Ur⸗ bewohner Helvetiens, in den Fundamenten des alten Ve⸗ nedig, in dem in die Donau eingerammten, noch unzerſtör— ten Pfahlwerk längſt verſchwundener Römerbrücken, Do— kumente kennen lernte, welche gleichzeitig die Geſchichte der Menſchheit und der Pflanzenwelt aufhellen, richtete ſich der Blick des Forſchers in der hiſtoriſchen Pflanzenkunde auf ſonſt unbeachtete Ziele. So entdeckte man, daß das Holz⸗ werk der ehrwürdigen Weſtminſterhalle in London größten⸗ theils von Kaſtanien herrühre. Aber alle dieſe Thatſachen vermögen die irrige Anſicht, daß der Baum in England heimathberechtigt ſei, nicht zu ſtützen. Die Wahrnehmung, daß er nicht regelwäßig ſeine Früchte reift, daß ihm vor allen Dingen die Fähigkeit nicht innewohnt, ſich durch Fruchtausſtreuung ohne menſchliches Zuthun gleich den wilden Bäumen ſelbſt zu erneuern und zu verbreiten, iſt ein von der Wiſſenſchaft zu hoch gehaltenes Argument, um davon zu Gunſten vorgefaßter Meinungen abſtehen zu können.
Schließlich muß ich noch des ſehr merkwürdigen Vor— kommens des Baumes in Norwegen gedenken, welches wohl geeignet iſt, die Aufmerkſamkeit unſerer Forſtmänner in Anſpruch zu nehmen und ſie zu neuen Kulturverſuchen an— zuregen. Der verdienſtvolle Director des Gartens in Chriſtiania, Dr. Schübeler, ſagt in ſeinem ſo eben erſchie— nenen intereſſanten Werke: „Die Kulturpflanzen Norwegens“ wörtlich: „Unter allen im Lande kultivirten Fruchtbäumen iſt die edle Kaſtanie einer der ſeltenſten. Mir iſt ſie nur an ſehr einzelnen Orten längs der ſüdöſtlichen Küſtenſtrecke zwiſchen Chriſtiania (590 54“ 43“ nördl. Br., 280 23“ 19“ öſtl. L. von Ferro) und dem Städtchen Lilleſand im Chriſtianſand⸗Stift (580 15“ 3“ nördl. Br. und 260 2 8“ öſtl. L. von Ferro) vorgekommen. Ich kann mit Beſtimmt— heit anführen, daß die edle Kaſtanie bei Lilleſand, Kragero, Horten und Chriſtiania in warmen Sommern voll— reife Früchte trägt. An den hier genannten Orten kommt der Baum immer freiſtehend vor, und in Kragero befindet ſich, nach ſicherer Mittheilung, ſogar ein ziemlich anſehnlicher Baum, deſſen Dimenſionen ich jedoch nicht im Stande bin im Augenblick genau anzugeben. Die jährigen Triebe werden bei Chriſtiania 12— 14 Zoll lang.“
Die welſche Nuß. (Juglans regia L.)
Die welſche Nuß wurde, nach Plinius Zeugniß, den Griechen durch die perſiſchen Könige bekannt, und hieß bei ihnen anfänglich Perſikon und Baſilikon. Sie findet ſich, nach den Beobachtungen verſchiedener Reiſender, wild in der Gegend ſüdlich vom Kaukaſus, in den Bergwäldern von Talyſch, und wahrſcheinlich auch in Perſien, Kaſchmir und dem nördlichen China. Die Römer lernten ſie durch die Griechen kennen, und gaben ihr den Namen Jovis glans, zuſammengezogen in Juglans, d. i. Eichel des Jupiter, und im gewöhnlichen Leben ſchlechthin nux. Der Geſchichte der weiteren Verbreitung in den europäiſchen Ländern iſt ſehr ſchwierig nachzuſpüren. Die Exiſtenz ſelbſtſtändiger, nicht aus dem Lateiniſchen abgeleiteter Namen bei den ſlaviſchen Völkern (böhmiſch oresak, polniſch orzech, illyriſch orak) läßt vermuthen, daß die Slaven die Kenntniß des Baumes und der Frucht nicht durch Vermittelung der Römer und Germanen, ſondern direkt aus ſeiner aſiatiſchen Heimath erlangten. Der franzöſiſche Name noyer iſt aus dem latei— niſchen nux abgeleitet; das engliſche Walnut, das deutſche
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Walnuß, das norwegiſche Valnod machen es wahrſcheinlich, daß die Einführung des Baumes von Gallien aus erfolgte; für England iſt dieſe Thatſache ſogar feſtgeſtellt; die erſte Nachricht von dort kultivirten Nußbäumen fällt in's Jahr 1562. Die Kultur der Walnuß iſt ſehr verbreitet in Eu⸗ ropa, und reicht in Norwegen bis zum 61 0 n. Br., wo man noch auf ein ziemlich regelmäßiges Reifen der Früchte rechnen kann. Die Haſel. (Corylus Avellana L.)
Dieſer Strauch, der mit ſeinen frühen Blüthen zuerſt das neue Jahr begrüßt, iſt im wilden Zuſtande über den ganzen europäiſchen Continent, Großbritannien und Skan⸗ dinavien verbreitet, wo er unter dem 6öſten Breitengrade ſeine Nordgrenze erreicht. Obgleich er ſchwerlich irgendwo in neuerer Zeit Gegenſtand der Kultur geweſen iſt, ſo hatte er doch in älterer Zeit, wo Baumfrüchte ſo ſelten waren, eine gewiſſe Bedeutung. Nach der Vorſchrift des Capitulare de villis ſollte er auf den Meierhöfen Karl's des Großen gehegt werden; das älteſte norwegiſche Geſetzbuch verur⸗ theilte denjenigen zu einer Buße, der in einen fremden „Nußwald“ eindrang, und im Jahre 1328 verſäumte der Biſchof Audfinn nicht, den Bauern in Nordfjord dringend einzuſchärfen, der Kirche den ihr gebührenden Zehnten an — Haſelnüſſen doch ja nicht vorzuenthalten. Von den Vätern der Pflanzenkunde im 16. Jahrhundert wird ſchon die Lambertusnuß (Corylus tubulosa Willd.) erwähnt, de⸗ ren zugeſpitzte Nuß mit blutrother Saamenhaut ganz in der vergrößerten bartförmigen Blüthenhülle verſteckt liegt. Sie iſt wahrſcheinlich nur Abart der gewöhnlichen Haſel, gedeiht im ſüdlichen und mittleren Deutſchland vorzüglich, iſt aber erſt im Jahr 1759 nach England gebracht worden. Im Jahr 1798 kam auch aus den Vereinigten Staaten eine eigne Haſelart, Corylus americana Willd., in die engliſchen Gärten, deren Früchte von den Engländern der Lamberts⸗ und der Zellernuß vorgezogen werden.
Die türkiſche Haſel- oder Zellernuß. (Corylus Colurna L.)
Im Jahre 1582 brachte der öſterreichiſche Kanzler David von Ungnad aus der Türkei die große runde tür⸗ kiſche Haſelnuß, welche jetzt eine allgemein bekannte Zierde unſres Nachtiſches iſt, nach Wien. Aus jener Zeit ſtammt noch der berühmte Baum im Parke von Merkenſtein in Heſterreich, und der von Cluſius eigner Hand gepflanzte im botaniſchen Garten zu Leyden. Obgleich dieſe Art, welche nicht ſrauchartig und in Hecken wächſt, wie die gewöhnliche Haſel, ſondern in den Provinzen des türkiſchen Reiches, z. B. am Berge Athos mächtige Waldbäume bildet, ſeit dem 16. Jahrhundert in den deutſchen, und ſeit dem Jahre 1665 in den engliſchen Gärten kultivirt wird, hat ſie doch erſt im Jahre 1858 zum erſten Male in Deutſchland reife Früchte getragen und zwar gleichzeitig an zwei Orten, im botaniſchen Garten zu Hamburg und im Schloßgarten zu Sagan. Mir ſind keine ſtatiſtiſchen Data über den Um⸗ fang der Nußausfuhr aus der Türkei bekannt; ſie muß i 6 deß ſehr bedeutend ſein, da dieſe Früchte in großen Maſf auf alle europäiſchen Märkte kommen.
Der Juviabaum. (Bertholletia excelsa, Humb. et Bonpl.)
Seit etwa dreißig Jahren werden auf den Märkten der größeren europäiſchen Handelsſtädte unter dem Namen „Juvia⸗ oder Paranüſſe“, auch „braſilianiſche Kaſtanien“, Früchte verkauft, deren Entdeckung wir der ergebnißreichen Reiſe Alexander von Humboldt's verdanken. Humboldt und
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