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verklärte. Ein glücklicher Zufall verſchaffte ihm bald darauf die Stelle eines Hauslehrers bei mehreren Familien in Schwarzenbach, wo ſein Vater noch in gutem Andenken war. Der Unterricht geliebter Kinder hatte den ſegenvoll⸗ ſten Einfluß auf den jungen Schriftſteller. Wie Keiner verſtand er, mit liebender Hingabe ſich in das Gemüth der Kinder, ja in die Eigenthümlichkeit eines jeden ſeiner Zög⸗ linge zu verſetzen. Hier ſammelte er all' die ſchönen un— ſchätzbaren Erfahrungen, welche er ſpäter in ſeiner „Le⸗ vana“ niederlegte. Hier gewann er auch allmählig die Verſöhnung mit ſich und mit dem Leben; den ruhigen klaren Blick, ohne den er nie aus dem Chaos ſeines gäh⸗ renden Innern ein Werk wie „die unſichtbare Loge“ hätte ſchöpfen können. Er ſchrieb dies wunderbare Buch in der Zeit vom März 1791 bis Februar 1792 und ſandte es einem literariſchen Freunde K. Ph. Moritz in Berlin. Dieſer las das Manuſeript in vertrauten Freundeskreiſen vor und Alle theilten ſein Entzücken ſowohl über den ge⸗ nialen Vorwurf des Buches, wie über deſſen hochpoetiſche Sprache, — glich doch „die unſichtbare Loge“ einem go⸗ thiſchen Dome, deſſen Pfeiler nicht allein prächtige Stuk⸗ katuren ſchmückten, ſondern um deſſen Säulen ſich auch Guirlanden lebendiger Blumen ſchlangen, und mochte man ihn unvollendet nennen, fehlten noch Kuppel und Dach: die Wölbung war ja oben nur offen geblieben, damit der Himmel ſelbſt die ſaphirne Decke bilde und das ganze Fir⸗ mament ſein Sternen- und Monden- und Sonnenlicht un⸗ gehindert hineingieße. Denn ſo war und ſchrieb Jean Paul: Himmel und Erde verſchmolzen ihm zu einem hei⸗ ligen Ganzen, Abend- und Morgendämmerung flutheten ineinander und wie er ſein ganzes Herz hingab an ſeine Schriften, ſo verlangte er das des Leſers wieder dafür, und wer es ihm nicht zu geben vermochte, für den wollte er auch nicht ſchreiben.
„Die unſichtbare Loge“ trug zum Erſtenmale den Namen: Jean Paul und erſchien 1793 in Berlin, wo Moritz einen Verleger gefunden und dem Verfaſſer 100 Du⸗ caten dafür ſandte. Ueberglücklich eilte er damit zu ſeiner alten Mutter, die es gar nicht faſſen konnte, daß ihr Sohn wirklich allein durch „Bücherſchreiben“ ſo viel Geld ver⸗ dient und ſie billigte es nun ſelbſt, daß er ſeine Stellung in Schwarzenbach 1794 aufgab, um wieder nach Hof zu ziehen und ſich ganz dem Schriftſtellern zu widmen. „Hes⸗ perus,“ — „Quintusfirlein,“ — „Biographiſche Beluſtigungen unter der Hirnſchaale einer Rieſin,“ — „Blumen⸗, Frucht⸗ und Dornenſtücke“ und „Der Jubelſenior“ ſchrieb er hier. Rauſchender Beifall, den der Tadel kurzſichtiger mäkelnder Recenſenten nicht ſchmälern konnte, ward ihm zu Theil, die Mehrzahl, namentlich die Frauen, vergötterten ihn.
Das Jahr 1797 raubte Jean Paul ſeine theure Mutter, aber es gab ihm dafür einen Freund, das Original ſeines „Emanuel“ im „Hesperus.“ — Emanuel Osmund war ein iſraelitiſcher Geſchäftsmann in Baireuth. Jean Paul lernte ihn (wie in den von Ernſt Förſter herausgegebenen „Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul“ erzählt wird) zuerſt aus Briefen an eine Freundin und aus deren Mittheilungen kennen und ſah ihn ſodann in Hof. Die Schönheit ſeiner Geſtalt und Züge, der Adel ſeiner Ge— ſinnung und ſeines ganzen Weſens, machten einen tiefen Eindruck auf Jean Paul. Die Freundſchaft, von Emanuel anfangs nur mit ſchüchterner Zurückhaltung aufgenommen, wuchs ſchnell und kräftig empor. Der Dritte im Bunde war Chriſtian Otto, der Jean Paul's Schriften vor dem
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Drucke las und ihr aufrichtiger, ebenſo ſtrenger, als warm— fühlender Recenſent war. Es war ein Bund, wie die Welt ihn ſelten geſehen. Emanuel wohnte in Baireuth, Otto in Hof, ſiedelte aber bald nach Baireuth über, beiden zog ſpäter Fean Paul nach, um im doppelten Austauſch alles innerlich und äußerlich Erlebten die ganze ungeſchmälerte Seligkeit der Freundſchaft zu genießen. Ueber dreißig Jahre, bis zum Tode Jean Paul's, lebten die drei Freunde in ungebrochener Seeleneinigung miteinander. Unpraktiſch faſt in allen geſchäftlichen Dingen, fand Jean Paul in Emanuel den kundigen Rathgeber und Helfer.
Auch Gleim war ein Freund und Verehrer Jean Paul's und dieſer beſuchte ihn 1797 in Halberſtadt, wo ja Gleim einen Freundſchaftstempel gegründet hatte. Von hier ging Jean Paul nach Leipzig und lernte da die lie⸗ benswürdigen und geiſtreichen Töchter der Herzogin von Hildburghauſen kennen. Von dem Vater derſelben erhielt er einige Jahre darauf den Titel eines Legationsrathes. Während er hier verweilte, ſchrieb er ſein „Campanerthal.“ Als gefeierter Dichter, beſonders als Damenliebling, erſchien er in den literariſchen Kreiſen von Weimar, wo er mit Jordan die innigſte Freundſchaft ſchloß, dann in Gotha, in Hildburghauſen und Berlin. Hier lernte er die Familie des Obertribunalraths Maier kennen, mit deſſen Tochter Karoline er ſich im Mai 1801 vermählte. Auch die von ihm, wie von Allen, ſo hochverehrte Königin Luiſe ließ ſich ihn vorſtellen und ſchenkte ihm ihre Huld und Theilnahme. Mit ſeiner Gattin, die ganz befähigt war, ihn zu beglücken, zog er nach Meiningen und von da auf eine Einladung des Herzogs nach Koburg (1803), bis er endlich in Bai⸗ reuth ſeinen bleibenden Wohnſitz nahm. Doch machte er faſt jährlich kleinere und (nach damaligem Masßſtabe) größere Reiſen ins Fichtelgebirge, an den Rhein, nach Hei⸗ delberg, München, Berlin und Dresden, um ſeine zahl⸗ reichen alten und neuen Freunde zu beſuchen. Von der Univerſität Heidelberg erhielt er 1817 das Doctordiplom, die Akademie zu München nahm ihn 1820 als ordentliches Mitglied auf. Der Fürſt-Primas von Dalberg ſetzte ihm ſchon 1803 ein Jahrgehalt von 1000 Gulden rheiniſch aus, die ihm ſpäter der König von Bayern auszahlte, und ſo war er in den Stand geſetzt, den Eingebungen ſeiner Muſe ungeſtört ſich zu widmen.
Schon kurz nach der franzöſiſchen Revolution hatte Jean Paul durch ſeinen herrlichen Artikel über Charlotte Corday gezeigt, welchen Antheil er an den großen Zeitbe⸗ wegungen nahm und als das Kriegswetter über Deutſch⸗ land hereinbrach, da ſtand er geiſtig mitten im Kampfe und ſchrieb, namentlich in Zeitſchriften, unzählige Artikel für Deutſchlands Recht und Freiheit und gegen Napoleon und die Fremdherrſchaft. So die „Dämmerungen für Deutſchland,“ — „Friedenspredigt, — „Kriegserklärung gegen den Krieg,“ — „Mars und Phöbus' Thronwechſel. 1814,“ — „Erinnerungen aus den ſchönſten Stunden für die letzten,“ — „Ein Traum von einem Schlachtfelde,“ — „Zeitbetrachtungen im Wonnemonat Europas im Mai 1814,“ „Ein deutſcher Jüngling in der Nacht des 18. Oetobers 1814,“ — „Geſpräch zwiſchen beiden Geſichtern des Ja⸗
nus,“ — „Landnachtverhandlungen mit dem Manne im
Monde“ und unzählige andere. Den heiligen Patriotismus, der in allen ſeinen Werken überall neben andern hohen und ſittlichen Empfindungen leuchtet, hat er in den Herzen der deutſchen Jugend zu einem erhabenen Cultus entzündet, wie vielleicht nur wenige Andere ſeiner Zeitgenoſſen.


