Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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zum Narren halten laſſen, von Keinem, ſelbſt von Ihnen nicht.

Gute Nacht, mein ſchwägerlicher Othello, gute Nacht, mein uneigennütziger Freund! rief Antonie, ihm unter Lachen ihre Hand hinſtreckend, aber der Obriſt wandte ſich von ihr ab, und eilte, die Thür hart hinter ſich zuwerfend, aus dem Zimmer.

Antonien's Lachen verſtummte, ſobald ſich die Thür hinter dem Erzürnten geſchloſſen hatte. Ihr ſchönes Geſicht nahm den Ausdruck ernſten, faſt peinlichen Nachdenkens an. Eine Menge verſchiedenartigſter Empfindungen arbeiteten in ihren Zügen einmal lächelte ſie wie in ſeliger Erinne rung eines wonnig ſüßen Augenblicks dann aber verfiel ſie ſofort wieder in düſtres Sinnen.

Er iſt ſchön, murmelte ſie;ſehr ſchön; wenn er mein würde, es wäre doch etwas Anderes als Einer mehr! Und warum nicht? er iſt verheirathet, pah! er ſieht nicht aus, als ob ihn das allzuſehr hindern würde; aber er iſt ein Idealiſt und ſolche Leute nehmen die Sache ernſt, nicht in der komiſchen Weiſe, wie mon cher beau frère, ſondern in jener wirklich ernſten Weiſe, die ſo verzweifelt unbequem iſt. Wie war's denn mit Caſtruccio in Rom? Armer Junge! Du könnteſt noch glücklich leben und ſchöne Mädchen küſſen und ſchöne Bilder malen! ich kann nichts dafür; ich hatt's Dir geſagt, oft genug genug geſagt, Du wollteſt es nicht glauben was kann ich dafür! ich kann

nicht treu ſein! dieſen Männern nicht! ſie ſind's nicht werth.

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Ob dieſer Münzer mich wirklich feſſeln könnte? vielleicht er mich länger, ſtärker, als ich ihn? den Verſuch verlohnte es wohl und wir waren auf ſo gutem Wege. Weshalb kam der Tölpel von Guisbert dazu und der alberne Jean! ja ſo! das muß heute Abend noch abgemacht werden; morgen hätt' ich es vielleicht vergeſſen, oder wäre nicht in der rechten Stimmung.

Sie klingelte.

Ein paar Augenblicke ſpäter trat ihr Kammerdiener in's Zimmer. Der Menſch mußte kein gutes Gewiſſen ha⸗ ben; er warf einen ſchnellen lauernden Blick auf ſeine Ge⸗ bieterin und ſagte in demüthig ſchmeichelndem Ton:

Gnädige Frau befehlen?

Daß Sie morgen Ihre Sachen packen. Ich kann keine Leute brauchen, auf die ich mich nicht unbedingt verlaſſen kann. Sie können gehen; ſchicken Sie mir Eliſen.

Des Mannes gelbbleiches Geſicht war noch bleicher ge⸗ worden.

Aber, gnädige Frau ſtammelte er.

Es bleibt dabei, ſagte Antonie ſtreng;gehen Sie.

Der Bediente entfernte ſich, ohne auch nur noch ein Wort der Erwiderung zu wagen. .

Eine Läſterzunge mehr, die ich in die Welt ſchicke, ſagte Antonie, ſich in den Fauteuil werfend;was thut's? je mehr von mir erzählt wird, deſto geringeren Glauben findet es. Ah, da biſt Du ja, Eliſe!

(Fortſetzung folgt.)

Varnhagen von Enſe. Von Hermann Leſſing. (Schluß)

Wie wir es aber als ſein erſtes unauslöſchliches Ver⸗ dienſt feſtzuhalten haben, daß er während der ganzen Na⸗ poleoniſchen Zeit der vaterländiſchen Sache treu blieb und ſich ihr immer wieder freiwillig zum Kämpfer ſtellte (wel⸗ ches kriegeriſche Verdienſt beiläufig der preußiſche Staat auch durch die ſchöne äußere Auszeichnung des Ordens pour le mérite belohnte), ſo werden wir kein geringeres Verdienſt in der Feſtigkeit und Geſinnungstreue preiſen, mit der Varnhagen, Ehrgeiz und Thatbegierde verleugnend, ſeit 1819 alle wiederholt an ihn ergangenen Aufforderungen zu neuem Dienſte abwies, nur um ſich nicht unlautern Ver hältniſſen und Bedingungen, um ſich nicht der Reaction zu fügen. Unter den lockenden Gelegenheiten, die ihm bis in ſein höheres Alter noch mehrmals nahe traten, ohne ihn zu beſtechen, nennen wir hier beſonders eine Berufung Metter nichs vom Jahre 1834 in die glänzende Vertrautenſtelle, welche Gentz zuvor bei dieſem eingenommen.

Und gerade die unfreiwillige Muße, an der er ſolcher maßen die ganze zweite Hälfte ſeines Lebens ehrenwerth feſthalten mußte, nutzte der vielſeitig geiſtesrege Mann, um ſich noch ein drittes vaterländiſches Verdienſt zu erwerben, das Parteiwuth wohl verſchweigen, aber nicht bemakeln kann. Er nahm jetzt zu Berlin ernſtlicher denn je ſeine alten literariſchen Beſtrebungen, welche die anderweitige öffentliche Thätigkeit bisher in den Hintergrund gedrängt hatte, wieder auf, widmete ſich beſonders dem Fache der Biographieen und Memoiren und förderte nach und nach eine Reihe von mehr als zwanzig Bänden vortrefflich ge⸗ ſchriebener, wahrhaft patriotiſcher Werke zu Tage, die ſeinen Ruf für immer ſichern.

Den ſchönſten Troſt in Ungunſt und Zurückſetzung aber entnahm er dem vollen Einverſtändniß mit ſeiner Gattin, die ihm gleich einer milden Lebensſonne den Pfad zugleich erwärmte und erhellte. Durch ihr Walten nament⸗ lich wurde zur damaligen Zeit ſeine Wohnung in dem pa⸗ laſtartigen Hauſe Mauerſtraße Nr. 36. derſelbe tägliche Sammelplatz einer bedeutenden Geſellſchaft, den zu Anfang des Jahrhunderts die beſcheidenen Manſardzimmer Rahel Levin's in der Jägerſtraße abgegeben hatten. Der Tod dieſer einzigen Frau, der im Frühjahr 1833 erfolgte, war der zweite Verluſt, der Varnhagen treffen konnte und die Beſchäftigung mit ihrem Andenken mußte ihm nun einiger maßen den Genuß erſetzen, den ihm früher ihr täglicher Umgang gewährt hatte. Er ordnete ihren reichen hinter laſſenen Briefwechſel und fand mit der Herausgabe deſſel⸗ ben und verſchiedenen zugehörigen Aufſätzen, welche der geſelligen Wirkſamkeit Rahel's gewidmet ſind, den gehofften Anklang.

Sein eigenes Leben verödete gegen früher merklich; blieb ihm auch der Verkehr mit alten Freunden, wie Alexan der von Humboldt und Bettina von Arnim, das Vertrauen aller Diplomaten und Staatsmänner, welche ſich in mehr oder weniger ausgeprägter Oppoſition zur Regierung befan den, die Verehrung und Zuſtimmung endlich einer nach wachſenden Generation, dies Alles vermochte ihn wohl zu beſchäftigen, aber nicht eigentlich zu erquicken. Jetzt erſt entſagte er gänzlich allen neuen Ausſichten in die Zukunft und begann ſich in das Alter zu finden. Auch der geräuſch⸗ volle Aufgang Friedrich Wilhelms IV. riß ihn nicht mehr begeiſternd hin, da er ſich von der religiöſen Richtung die