Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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nend, wie ſie war, ſah, wie die Sachen lagen, und daß hier nichts Anderes übrig bleibe, als gute Miene zum böſen Spiel zu machen, hätte jetzt gern eingelenkt, aber der Obriſt blieb taub, und wenn die Obriſtin unter andern Umſtänden das Spiel auf eigene Rechnung und Gefahr weiter geſpielt haben würde, ſo zwang ſie jetzt Otto's noch immer unerledigte Ange⸗ legenheit mit dem erzürnten Gatten zugleich abzureiſen. Die letzten nicht mißzuverſtehenden Worte des Generals gaben den Ausſchlag.

So traten ſie denn auf ihn zu, der eben den Arm ſeines Dieners nahm, und der Obriſt ſagte:

Ich muß leider um die Erlaubniß bitten, mich mit den Meinen ſofort beurlauben zu dürfen; die Pflicht ruft mich nach der Stadt zurück.

Wollt ſchon fort? Na, reiſt mit Gott, Kinder, reiſt mit Gott! ſagte der Alte, und dabei nickte er mit dem kahlen Kopfe ſo eifrig und die Borſten über den Augen zuckten ſo ſchnell auf und nieder, daß die Freude über den gelungenen Streich nur zu erſichtlich war. Auch der Präſident trat l ran⸗ zu auſut

Für Deine Perſon? rief der General;habe nichts da⸗ gegen; aber Deine Frauenzimmer bleiben hier. rede! Madame, geleiten Sie Frau Arthur von Hohenſtein in ihre Zimmer. Großneffe Wolfgang unterhalte die Damen, zeige, daß Du außer Deinem Jus noch was gelernt haſt. Und Du, Neffe Arthur, gieb mir Deinen Arm und bringe mich auf mein Zimmer, ich habe mit Dich zu ſprechen.

um ſich für ſeine Perſon

Keine Wider⸗

6.

Am nächſten Mittag waren außer Camilla und Wolfgang Niemand von dem geſtrigen Beſuch auf Schloß Rheinfelden. Zwar wurde die Präſidentin, die mit den Andern in die Stadt gefahren war, auf den Abend zurückerwartet; aber es war ja klar, daß ſie nur als dame d'honneur ihrer ſchönen Shie figurirte und daß die Einladung im Grunde nur dieſer letzteren galt. So hatte auch die Präſidentin die Sache Sie hatte noch geſtern Abend ihre liebe Camilla mit Thränen in den Augen umarmt und ihr zu dem günſtigen Eindruck, den ſie offenbar auf den Großonkel gemacht habe, gratulirt. Auch der Stadtrath war nach einer zweiten unierM mit dem General ſehr aufgeregt zu ſeinem Sohne, der mit den Damen im Garten promenirte, gekommen, hatte ihn auf die Seite ge zogen und ihm mitgetheilt: ſeine Ausſöhnung mit dem Groß onkel ſei vollkommen; er (er Stadtrath) knüpfe an dies freu dige Ereigniß das er übrigens nach dem verbindlichen Ein⸗ ladungsſchreiben erwartet habe die froheſten Hoffnungen für die Zukunft. Der General wünſche den Großneffen, den er nicht ganz ohne ſeine Schuld denke Dir, Wolfgang! ſo ſpät kennen gelernt habe, noch ein paar Tage bei ſich zu be⸗ halten.Das kann zu etwas führen, ſagte der Stadtrath, indem er ſich vergnügt die Hände rieb.Thu's mir zu Liebe, Wolf! ſagte die Mutter, die unterdeſſen hinzugetreten war und bemerkt hatte, wie ihres Sohnes Geſicht ſich bei des Vaters Worten immer mehr verdüſterte. Eine Stunde ſpäter waren die Präſidentin und Aurelie, Arthur und Margarethe in dem großen Staatswagen des Generals abgefahren, und Wolf lfgang und Camilla hatten, vor der Hausthür ſtehend, dem Wagen nachgeſehen, bis derſelbe aus dem großen Thor des Schl ohofes hinaus war. Madame, dis in ganz beſonders gnädiger Laune den Herrſchaften in den Wagen geholfen hatte, war in's Haus getreten, und die jungen Leute blickten einander an. Wolfgang fing an zu lachen.

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Wenn ich nicht zufällig wüßte, daß dies Wirklichkeit wäre, ſo würde ich glauben, ich träumte es nur, oder läſe es in einem Roman.

Camilla ſenkte die ſeidenen Wimpern: wie eine Romanprinzeſſin vor?

Das nicht; aber dieſe ganze Umgebung ſteht in ſo gar keiner Snnns mit meinem ſonſtigen Leben, Thun und Treiben, daß ich mir wie in einer fremden Welt vorkomme. Wie lange gedenken Sie denn eigentlich hier zu bleiben?

Ich weiß nicht, was der Großonkel und Mama darüber beſtimmt haben. Und Sie?

Ich weiß es wahrhaftig auch nicht; fentlich; ich bin ſo ſchon in grauſamer Verlegenheit, wie ich die paar Tage, die ich der Grille des Großonkels wohl werde opfern müſſen, hinbringen ſoll.

Das iſt ſehr ungalant, Vetter, ſagte Camilla mit einem ſchelmiſchen Blick der ſanften, braunen Augen.

Warum? erwiderte der junge Mann in ungekünſtelter Verwunderung.

Ich muß in's Haus, mit Madame über

Komme ich Ihnen

nicht zu lange, hof⸗

mein Zimmer zu

ſprechen. Entſchuldigen Sie mich. Camilla nickte vornehm mit dem Kopfe eine Kunſt, in welcher die junge Dame excellirte und ging in's Haus.

Wolfgang ſchaute ihr ein paar Augenblicke nach. Er hatte das unbeſtimmte Gefühl, die junge Dame beleidigt zu haben; aber er war mit ſeinen eigenen Gedanken zu beſchäftigt, um ſich die Sache ſehr zu Herzen zu nehmen.

Er ſchlenderte in den Park was ſollte er anders thun? und irrte aufs Geradewohl in den verwilderten Gängen umher. Die Situation, in welche er ſich ſo plötzlich und ſo ganz ohne ſein Zuthun, ja im Grunde gegen ſeinen Wunſch und ſeine Neigung verſetzt ſah, war ſo eigenthümlich, daß er lange über jenen traumartigen Zuſtand, den er gegen Camilla angedeutet, nicht hinauskommen konnte. Dies war alſo das Haus ſeines Großonkels, von welchem ſeine Eltern ſo oft ge⸗ ſprochen das Haus, welches ihm immer als das Muſter allerverwunſchenen Schlöſſer erſchienen war, wohin er alle gräulichen Geſchichten von Blaubart und dem Jungen, der ausging, das Gruſeln zu lernen, verlegt hatte. Und ſah es nicht beinahe ſo aus, wie das Schloß ſeiner Knabenphantaſien? ihm nicht heute Morgen ſchon der Gedanke gekommen, als er met der übrigen Geſellſchaft unter Madames vihrung durch das Haus gewandert war, und die lange Flucht der Zimmer mit der verſchoſſenen Pracht der Damaſtmeubel und den gemal⸗ ten Geßner'ſchen Idyllen ſich ſeinen erſtaunten Blicken erſchloſ⸗ ſen hatte? zuletzt die ut die der Großonkel in früheren rüſtigeren Jahren angelegt hatte, ein ganzer Saal voll von Gewaffen aus alten und neuen Zeiten: römiſche Schwerter, die in Rheinfelden ſelbſt bei einer Fundamentlegung ausgegra⸗ ben waren, Hellebarden, Morgenſterne, Streitäxte, Streitkolben, zweihändige Schwerter, Türkenſäbel, lange und kurze Dolche und ſonſtige Mordwerkzeuge, unter anderen eine vollſtändige und ſehr werthvolle Sammlung aller Arten von Büchſen, Flin⸗

War

ten, Karabinern und Piſtolen, die während der Befreiungskricge

in den verſchiedenen Armeen der kämpfenden Völker im Ge⸗ brauch geweſen waren. Und nun gar dieſer Park, der in ſeiner Verwüſtung noch älter und wunderlicher ausſah, als das Schloß, weil der Gegenſatz der ausgelebten, verſchnörkelten For⸗ men der urſprünglichen Anlage mit der ewig jungen, ungebun⸗ denen Kraft der Natur um ſo deutlicher hervortrat. Seit einem Jahrzehnt ſchien keine ordnende Menſchenhand hier thätig ge⸗ weſen zu ſein. In dem trocknen Laub, das ſo viele Herbſt⸗ ſtürme unter den breitkronigen Kaſtanienbäumen zuſammen⸗