Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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5 Wöchentlich eine Nummer von 1 ½ bis 2 Bogen gr. 4. Velinpapier; abwechſelnd mit Jünſtrationen. Preis für 13 Nummern vierteljährlich 20 Sgr. =

86.

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Die von Hohenſtein.

Roman von Friedrich (Fortſetzung )

Die Ankunft Onkel Arthurs, ſeiner Gattin und ſeines Sohnes, des Studenten Wolfgang, kam ſo unerwartet und war für die meiſten Mitglieder der Familie ſo peinlich, daß ſie ſich wie elektriſirt von ihren Stühlen erhoben, unter ihnen, Alle noch um eines Hauptes Länge überragend, die alte Excellenz, die höhniſch ſchrie:

Proſit Mahlzeit, Kinder! Laßt's Euch gut bekommen, Kinder! *s iſt ſo hübſch, wenn Brüder einträchtiglich bei ein⸗ ander wohnen. Guten Tag, lieber Neffe Arthur! Das da iſt Deine Frau, und das Dein Sohn? Freut mir, Euch kennen zu lernen. Das hier ſind Eure lieben Verwandten Obriſtin von Hohenſtein, geborne Gräfin von Düren-Lilien felde

Ich habe bereits die Ehre, ſagte die Obriſtin, die ganz blaß vor Zorn geworden war, indem ſie ſich mit erzwungener Höflichkeit verbeugte.

So? haſt bereits die Ehre? Freut mir, freut mir! ſchrie der Alte,iſt ja mehr, als ich erwartet habe. Haſt auch vielleicht ſchon die Ehre, Nichte Clotilde?

Gewiß, gewiß, ſagte die Präſidentin,wir haben uns ſchon öfter von ferne geſehen; es freut mich ungemein, meine Schwägerin auch einmal perſönlich kennen zu lernen; ſeien Sie mir herzlich gegrüßt! und die Präſidentin trat auf die ſchöne, blaſſe, vor Aufregung zitternde Dame zu und ſchloß ſie in die Arme.Dies ſind meine Töchter, Aurelie und Camilla. Liebe Kinder, dies iſt Eure Tante

Margarethe, ſagte die blaſſe Dame gutmüthig lächelnd, als die Präſidentin plötzlich in großer Verlegenheit inne hielt.

Welch' ſchöner Name! rief Camilla, die dargebotene Hand der Dame mit Enthuſiasmus ergreifend.

Während unterdeſſen Arthur ſich zu ſeinen Brüdern wandte, von denen der Präſident mit glatter Freundlichkeit, der Obriſt hingegen mit kaltem Stolz ſeine verbindlichen Worte hinnahm, hatte Wolfgang nach einem Gruße, in den ſich die ganze Ge⸗ ſellſchaft theilen mußte, ruhig dageſtanden, die ſchönen, ernſten Augen nur immer auf die Mutter gerichtet, als ob dieſe ganze

Spielhagen.

Scene, nur in ſo weit ſie die Mutter berührte, für ihn von Intereſſe und Bedeutung ſei.

Wie heißt denn Du? ſchrie plötzlich der General vor den Jüngling hintretend und ihn in ſeiner rohen Weiſe vom Kopf bis zu den Füßen muſternd.

Wolfgang! erwiderte der Jüngling, ohne ſich im min⸗ deſten durch die ſtechenden Angen unter den zuckenden Haar⸗ büſcheln einſchüchtern zu laſſen.

Wie alt biſt Du?

Einundzwanzig Jahre.

Was treibſt Du denn?

Ich ſtudire Jura. Aber verzeihen Sie, ich ſehe, daß die Mutter meiner bedarf.

Damit wandte ſich Wolfgang von Hohenſtein mit einer leichten Verbeugung von dem General ab, der ihm erſtaunt nachſah, trat an ſeine Mutter heran, und ſagte:Willſt Du Dich nicht ſetzen, liebe Mutter?

Er nahm die ſchöne Dame, die in der That von Minute zu Minute blaſſer geworden war, am Arm, führte ſie einige Schritte aus dem ſie umgebenden Kreiſe heraus nach einem Fautenil, und ſagte, indem er ſich über ſie beugte, leiſe:Du biſt ſehr angegriffen, Mama; ruhe Dich erſt etwas aus!

Aber was werden

Die Leute denken? was ſie wollen. Ich bleibe bei Dir.

Excellenz hatte ſich unterdeſſen an der von ihr ſo ſinnreich arrangirten Familienſcene hinreichend geweidet.

Proſit Mahlzeit, Kinder! rief er,amüſirt Euch ſo gut Ihr könnt; ich muß Euch bis morgen Adieu ſagen; oder iſt vielleicht Jemand hier, der heute ſchon Abſchied zu nehmen wünſcht?

Bei dieſen Worten fixirte der gaſtfreunpliche alte Mann j den Obriſten und ſeine Familie.

Der Obriſt hatte einige Augenblice etwiabſeits von der Geſellſchaft leiſe und heftig mit ſeiner Frau und ſeinen Söhnen geſprochen. Er wollte auti fort, er wollte ſich nicht länger zum Narren haben laſſen. Selma, die, klug und berech⸗