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Brüdern hoch ſind, und wir von dieſer Höhe, ſo zu ſagen, jeden Fuß an den ſteilen Wänden hinaufmeſſen können, d. he⸗ ſo 20 Kirchthürme, von 300 Fuß jeder, übereinander geſetzt.
Der Abend war ſchon dunkel ins Thal geſunken, als wir es endlich über uns gewinnen konnten, den Heimweg nach Ragaz anzutreten, däs wir in dreiviertel Stunden etwa
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erreichten. Unſere freundliche Wirthin empfing uns ſchon in der Thür. Das Abendeſſen war trefflich, und daß der feurige, dunkelrothe Herrſchäftler, den ſie uns kredenzte, nicht ſchlecht war, hat ihnen wohl die krauſe Faſſung meines erſten Brie⸗ fes hinreichend bewieſen.
(Fortſetzung folgt.)
Zwiſchen den Garben.
Ein Zeichen der Zeit. Die Zeitungen melden, daß in London (Trübner u. Comp.) der Practatus Theologico-Politicus des Spi noza in engliſcher Ueberſetzung erſchienen ſei, und daß die „London- Review“ in dieſer Erſcheinung ein „erfreuliches Zeichen der Zeit“ begrüße. Die „London-Reviewe hat ganz recht. Wenn man be denkt, daß in England die ſclaviſchſte Kirchenglänbigkeit zu den Fun damentalſatzen einer guten Erziehung gehört, daß jeder Engländer — nach einem Ausdruck R. W. Emerſon's — einen Riegel vor die Thür ſeines Geiſtes ſchiebt, ſobald die Converſation auf religiöſe Dinge geräth, ſcheint die Kühnheit eines Londoner Buchhändlers, der es wagt, ein von dem engliſchen Philiſterium verfehmtes Buch zu ver⸗ legen, in der That erſtaunlich. Aber freilich: der Mann wird wohl wiſſen, was er thut; wird wohl wiſſen, daß in England, ebenſo wenig als anderwärts, der Geiſt der Freiheit, welcher ſeit Jahr⸗ hunderten in der europäiſchen Menſchheit umgeht, ſich bannen läßt, und daß, wer auf den unverwüſtlichen Fortbildungstrieb der Menſch⸗ heit und auf den geſunden Menſchenverſtand ſpeculirt, ſchließlich doch auf ſeine Koſten und darüber kommt. — Wer weiß! vielleicht er⸗ ringt ſich das politiſch freie England die philoſophiſche Freiheit, während ſich das philoſophiſch längſt emancipirte Deutſchland die politiſche Freiheit erkämpft! Wie dem auch ſei: wir freuen uns aufrichtig über ein „fact“, das wir weit höher anſchlagen, als ir⸗ gend eine Entdeckung in Sachen Kanonen contra Panzerſchiffe; freuen uns um ſo mehr, da wir immer des Glanbens gelebt haben, daß der ſcharfſſinnige Lichtenberg Recht hatte, als er die Prophe⸗ zeihung ausſprach: es werde in wenigen Jahrhunderten die Religion der europäiſchen Menſchheit der geläuterte Spinozismus ſein.
Pierre Théodore Verhaegen. Bruxelles et Peipzig. Wer ſich ſpecieller für den dahingeſchiedenen großen Liberalen Bel giens intereſſirt, den verweiſen wir noch auf die ſoeben unter dem obi— gen Titel erſchienene Broſchüre, welche außer einem Nekrolog, der an Vollſtändigkeit dem unſrigen nachſteht, ſämmtliche an Verhaegen's Bahre gehaltenen Reden in extenso enthält. In der Rede des Communalrathes Lacroix, der im Namen der Loge des Amis Phi— lanthropes ſprach, kommt ein Paſſus vor, der mitgetheilt zu werden verdient: „Verhaegen hatte begriffen, daß inunſerer Zeit kein Menſch gegen die Intereſſen ſeines Volkes gleich⸗ gültig bleiben kaun; er wollte Jeden zum Range eines thatkräftigen und nützlichen Bürgers erheben.“
Blücher. Seine Zeit und ſein Leben. Zwölf Bücher in drei Bänden von Dr. Johannes Scherr. Erſter Band. Buch I—IV. Die Revolution (1740 — 1799). Leipzig. Verlag von Otto Wi⸗ gand. 1862. — Je drohender in unſerer Zeit die politiſche Con— ſtellation iſt, je gewaltſamer ſo viele ungelöſte Fragen zur Entſchei dung drängen, je verwirrender und betäubender der laute Streit der Parteien an unſer Ohr ſchlägt, je ſphinxartiger die Gegenwart uns anſtarrt, um ſo nöthiger iſt es, in der ruhigen objectiven An ſchauung der Vergangenheit den Blick zu klären, ſich gleichſam an dem, was war, zurecht zu finden in dem, was iſt, und ſich ſo we nigſtens des unverrückbaren Zieles zu vergewiſſern, nach welchem geſtrebt werden muß, und mit dem Ziele vielleicht auch des Weges, auf welchem es zu erreichen iſt. Aus dieſem Grunde haben wir alle von wahrhaft hiſtoriſchem Sinn dictirten Werke, welche die jüngſte Zeit zu Tage geſördert hat, mit Freuden willkommen ge
Uerantwortlicher Redactcur: Fr. Szirlhagen in Perlin.
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heißen, und ſo begrüßen wir auch das obengenannte Werk. Der Leſer wird in demſelben keine Biographie im gewöhnlichen Sinne finden. Der Verfaſſer hat ſich ſeine Aufgabe nicht leicht gemacht; er giebt nicht nur den Baum, ſoweit er dem Auge ſichtbar iſt, ſon dern auch die mächtigen Wurzeln, und nicht blos die Wurzeln, ſon dern auch das Erdreich ſelbſt, das die Wurzeln genährt und dem Baume ſeine Kraft, Schönheit und Eigenartigkeit verliehen hat; mit andern Worten: ſein Werk iſt weniger eine Lebensgeſchichte Blüchers, als der Zeit, in welcher Blücher lebte, und Blücher nur der Mittel⸗ punkt, die Hauptfigur in dem ungeheuren, mit den wunderſamſten Geſtalten und Scenen angefüllten Gemälde. So tritt in dem vor⸗ liegenden Bande der Held noch keineswegs in den Vordergrund; wir hören von ihm verhältnißmäßig ſehr wenig; der Verfaſſer giebt vorläufig eine ausführliche, zum Theil ſehr ſpecielle Geneſis der Revolntion von 1789 und eine nicht ganz ſo ſpecielle, aber immer⸗ hin noch detaillirte Skizze der Revolution ſelbſt. Und er hat un⸗ ſerer Meinung nach Recht daran gethan, daß er ſo weit ausholte. Der Held der Befreiungskriege und dieſe letzteren ſelbſt werden nur verſtändlich durch das Gegenbild Napoleons, und wiederum dieſer nur durch die Revolution, aus der er hervorgegangen, und endlich die Revolution ſelbſt nur aus dem Zuſtande Europa's in der guten alten Zeit des aufgeklärten und unaufgeklärten d. h. brutalen Des potismus. Das iſt der genau umſchriebene Zirkel, welchen der Ver⸗ faſſer ſich für ſeine Aufgabe geſchlagen hat und ſchlagen mußte, wenn er die Dialektik der hiſtoriſchen welche ſich in Blücher und ſeiner Zeit verkörpern, anfdecken wollte. Vorerſt alſo haben wir es mit dem Despotismus in beiderlei Geſtalt zu thun, — eine merkwürdige, wenn auch keineswegs (im gewöhnlichen Verſtande erquickliche) Lectüre. Aber das iſt wahrlich nicht des Ver⸗ faſſers Schuld, ſo wenig wie der Taucher, der in dem tiefen Grunde des Meeres nach Perlen fiſcht, dafür kann, daß es in dieſer Tiefe von Salamandern, Molchen und Drachen wimmelt. Und dieſe Lee⸗ türe iſt, unerquicklich wie ſie iſt, heilſam, ſehr heilſam. Sie heilt den, der nicht überhaupt unheilbar iſt, von der philiſtröſen Scheu vor den Inconvenienzen eines freien politiſchen Lebens, ja ſie heilt ihn von der blaſſen Angſt vor den Schrecken einer Revolution, denn ſie zeigt, daß aller Jammer, den eine Revolution über die Menſchen bringen kann, ſehr leicht wiegt im Vergleich mit dem grenzenloſen Elend, mit welchem der Despotismus die Menſchheit wie in einer ſcheußlichen Krankheit phyſiſch und moraliſch zu Grunde richtet.
Für diesmal ſo viel über Scherr's „Blücher“. Nach dem Er⸗ ſcheinen des zweiten Bandes, der, wie wir hören, bald die Preſſe verlaſſen wird, ein Mehreres über das Werk, deſſen Studinm wir unſern Leſern auf's Angelegentlichſte empfehlen.
3 Ideen,
Die Schlachtfelder Deutſchlands. Unter dieſem Titel führt A. Schlönbach, dem wir in unſerer Nr. 2 die Noliz: „Hiſtoriſche Thatſachen zur deutſchen Wehrfrage“ verdanken, dies Thema in der „Deutſchen Schützen⸗ und Wehrzeitung“ weiter aus, indem er ſämmtliche 167 auf deutſchem Boden geſchlagenen Schlachten nach den Wahlſtätten alphabetiſch geordnet nebſt Jahreszahl und Angabe der Sieger und Beſiegten zuſammenſtellt. — Wir empfehlen dies fleißige und gewiſſenhafte Regiſter Volks⸗ und anderen Schulen als Hülfsmittel zum Studium der vaterländiſchen Geſchichte. Nur wol len die Herren Lehrer nicht vergeſſen, ihren Schülern zu ſagen, was Fabula docet.
Otto Janke's Peutſcher Wochenſchrift (Otto Zanke & Co.) in Berlin.
Druck von Otto Janke in Berlin.


