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Von Alfred Hartmann. 233
Geſtein Zeugniß ab!„Und wir wollen uns noch was Großes auf unſere Juli⸗ und Februarrevolutiönchen einbilden?“ meinte der Doctor. Längs der Felſenwand hängt zwiſchen Himmel und Waſſer der Telegraphendraht, deſſen Iſolatoren von eiſernen Armen getragen werden, die in den lebendigen Fels getrieben ſind. Dunkelflaſchengrün erſcheint das Waſſer des achthundert Fuß tiefen Sees,— eine Farbe ſo dunkel und geſättigt, wie ſie von allen Alpenſeen nur noch der von Garda an ſeinem nordweſtlichen Ufer aufzu⸗ weiſen vermag, wo, wie hier, himmelhohe Felswände aus den Fluthen emporragen. Noch ein paar leichte Ruderſchläge und wir legten bei dem Felſenriff an, „Das abgeplattet vorſpringt in den See.“
Wieder eine Kapelle, zum frommen Angedenken geſtiftet, aber wie einfach und anſpruchlos! Ein ſpitzes Thürmchen, zwei offene Rundbogen, drei Säulen und gegen den See ein hölzernes Geländer; ein paar verblaßte kunſtloſe Malereien auf den getünchten Wänden und ein hölzerner Altar; grünes Buchenlaub darum, im Hintergrund grauer Fels. Das iſt alles! Würde wohl ein koſtbares kunſtvolles Monument aus Erz oder Marmor wärmer zum Herzen ſprechen, als dies ſchmuckloſe Kirchlein, das im Jahre 1388 eingeweiht wurde, da noch hundert und vierzehn Männer lebten, die den Tell perſönlich gekannt hatten?
In der Kapelle hingen noch ziemlich friſche Kränze. Die Schiffleute belehrten uns, daß dieſelben vom Tage des großen Bittgangs herrührten, der alljährlich am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt ſtattfinde zum Andenken an Vater Tell und ſeine wunderbare Rettung.„Da kämen dann,“ erzählte Seppetoni,„hunderte bekränzter und mit Fähnchen geſchmückter Kähne von allen Enden des Sees, am zahlteichſten von Flüelen her und ſtellten ſich im weiten Halbkreis um die Tellsplatte auf, um dem Hochamt und der vater⸗ ländiſchen Predigt zuzuhören. Bedarf wohl die Profeſſorenweisheit, welche die Tellsgeſchichte unter die Mhthen zu verſetzen verſucht hat, einer ſchla⸗ genderen Widerlegung, als dieſer bald fünfhundertjährigen Kapelle und jenes ſeit einem halben Jahrtauſend Jahr für Jahr ſich wiederholenden originellen Gottesdienſtes, für welchen der Aren zum Hochaltar dient und die blaue Himmelskuppel ſich als Dom über die Gläubigen wölbt, welche ſtatt ſteinernen Fließen ein dünnes Brett und achthundert Fuß Waſſer unter den Knieen haben, wenn das Sanctusglöckchen klingt?
Aber wie lange wird dieſes romantiſche Kirchenfeſt noch gefeiert wer⸗


