Mädchenbriefe.
das Buttern habe ich verſucht, aber ich kann den ſchweren Stöpſel gar nicht halten. Die Hühner ſind immer ſchon gefüttert und weiden auf dem Wie⸗ ſenplatz am Hauſe, wenn ich aufſtehe. Mit der Küche will's auch nicht ſo recht gehen, Tante kocht meiſtens allein und ſchickt die Mägde auf's Feld, aber ich kann die rußigen Töpfe doch nicht ſelbſt heben, auch lege ich die Halbhandſchuh nicht gern ab, es gibt ſonſt ſo häßliche Hände,— ich denke ſpäter wird's ſchon noch gehen, und ſagte der Tante, ich wolle vorher mit meinen Sachen in's Reine kommen. Sie lächelte und meinte, das ſoll ich nur thun.
Großtante iſt eine eigene Frau, etwas trocken und macht nicht viele Worte, auch geht ſie nicht ſchnell und thut alles geräuſchlos, aber es iſt, als ob ihr die Erdmännlein hülfen bei der Arbeit, dabei iſt alles nett und ſauber; freilich, ſie trägt im Hauſe Salbandſchuhe, die ziemlich plump ſind, aber ſie geht ſo leicht und leiſe darauf, ihre grauen Kleider ſind immer wie neu, und wenn ſie gekocht hat, ſetzt ſie eine blendend weiße Haube zu Tiſch auf und thut ein ebenſo weißes Halstuch mit ſchmalen Spitzen um den Hals, das ſieht recht nett und friſch aus, wenn auch gar nicht modern.
Onkel und ſie machen nicht viel Worte mit einander, aber es iſt an⸗ genehm zu ſehen, wie ſie für ihn ſorgt und denkt und wie großes Vertrauen er in ſie ſetzt.„Fragt nur meine Frau,“ beſcheidet er in tauſend Dingen die Leute, und wenn die Frauen der Nachbarſchaft hie und da zu Beſuch kommen und von ihren häuslichen Anordnungen daheim reden, ſo ſagt der Onkel gewiß:„da müſſen Sie ſich an meine Frau wenden, die hat eine ganz vortreffliche Methode in dieſen Sachen.“ Er iſt ſehr gut und freund⸗ lich gegen mich, aber ich merke doch, daß er nicht viel auf mich hält, weil ich nun eben wieder anders bin, als ſeine Frau. Aber jede Zeit macht andere Anforderungen.
Es iſt komiſch, wie mich der gute Onkel immer zum Eſſen nöthigt, ich weiß mir oft nimmer zu helfen: entſetzlich fettes Fleiſch und ſchwere Klöße will er mir aufdringen, und ich muß mich wirklich erſt ein wenig an die rauhe Koſt hier gewöhnen, die gute Tante hat mir oft ſchon in der Stille den ſchwer beladenen Teller abgenommen, den ich mit wahrer Ver⸗ zweiflung betrachtete.
Im Ganzen bin ich gewiß gern hier, und es iſt nicht bloß das thrä⸗
nenfeuchte Lächeln eines reſignirten Herzens, mit dem ich der guten Mutter heitere Berichte ſchreibe.


